Zappen bis der Sensenmann kommt

Und sie saßen und glotzten aufs schrille Gerät,

Wo die Bilder sich mischten und kreuzten in Wollust

Und Horror und säuischem Sarkasmus,

Und konnten nicht finden den wirksamen Knopf

Und konnten nicht finden den eigenen Kopf

Und murksten und röchelten unbeholfen

Bis schließlich zum stümpernden Suffi-Orgasmus.

 

Und wunderten sich, wo die Nächte blieben,

Die Tage, die Wochen, der Monat, das Jahr,

Und schlurften im Nebel durch sinnlose Zeiten

Und achteten nicht der schlimmsten Gefahr,

Nämlich dass sie sich selbst verlören,

Verdattert, verblödet und offenen Hirns,

Hilflose Opfer für grausame Invasoren,

Die aus den Tiefen des Weltalls flögen

Und unsereins flugs in die Birne zögen.

 

So duselten sie dusslig bis tief in die Nacht

Und haben sich um den Verstand gebracht.

 

Denn siehe, sie träumten seltsame Träume

Von graugesichtigen Fremdlingen, mager und hungrig,

Von Echsenwesen, scheinbaren Hütern des Buches

Und allerlei atheistischen Konquistadoren,

Schlangengestalten aus lebhafter Täuschung,

Unsäglichen Prüfungen, schmerzhaften Versteifungen,

Verzückungen, Entrückungen, Verdrückungen

Schmutzigsten Wassers und giftigsten Blutes,

Und unbarmherzig tickenden Maya-Kalendern,

Schwachsinn fürs breite Volk und Gelächter für irre Führer.

 

So dösten sie völlig bescheuert dahin, während gierige Banker

Die Tische und sämtliche Teller räumten

Und alles Gold aus den Kellern leerten

Und alles, was Wert noch hatte oder verkäuflich sein konnte,

An sich rissen in grenzenloser Habgier und alles, ja Alles

Verscherbelten nach dem Platzen der wertlosen Blasen,

Die einst ein Haufen Protzspekulanten erschuf

Aus reinem Blendwerk und digital frisierten Preisen.

 

Wohlgeordnet aus Sklavenhand

Wird der Reichtum der Erde dann ausgeliefert

Mit Schlössern und Hütten, mit Stadt und Land

An grausame, sabbernde Traum-Krokodile,

Schnarrende Monster aus grünlicher Rotz-Dimension,

Denn wahrlich, ich sag euch, da warten sie schon,

Während die Raffer das Raffbare raffen:

So wahrlich, wie ihr sie mitglauben möchtet,

So müd, wie ihr seid, von der Glotze geknechtet.

Aber der Wahrheitsgehalt dieser Dinge

Hängt ab von dem Glauben in euren Köpfen,

Darum geht lieber kegeln und pflegt euern Garten

Und spielt nicht so oft an den doofen Knöpfen.

 

 

Eckehard Junge, 15. Juli 2008

 

 

 

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