Der Wanderer und die Königin

 

Sag, Wanderer, wo strebst du hin?

– Ich bin auf dem Weg zur Königin.

– Zur Königin, ja, wer bist denn du?

Schau doch nur auf deine Schuh!

Dein Haar ist wild, dein Sinn ist wirr,

Zur Königin? Du bist ja irr!

 

Der Wanderer geht seines Wegs dahin.

 

Sag, Wanderer, wo strebst du hin?

– Ich bin auf dem Weg zur Königin.

– Du dummer Wanderer, der Weg ist weit!

Die Königin hat doch keine Zeit!

Die Wölfe wohnen dort im Wald.

Und außerdem wird dir doch kalt!

 

Der Wanderer geht seines Wegs dahin.

 

Sag, Wanderer, wo strebst du hin?

– Ich bin auf dem Weg zur Königin.

– Das ist ja wohl der reinste Hohn,

Du bist doch nicht mal ein Baron!

Du wirst sie niemals sprechen,

Den Hals wird sie dir brechen!

 

Der Wanderer geht seines Wegs dahin.

 

Halt, Wanderer, wo willst du hin?

Dies ist das Schloss der Königin!

– Das ist schon recht, da will ich hin,

Ich weiß, dass ich zu Hause bin.

So senk dein Schwert und lass mich gehn,

Die Königin will mich endlich sehn!

 

Der Wanderer geht seines Wegs dahin.

 

Der Wanderer steht vorm goldenen Tor,

Da öffnet sich das Portal.

– Und die Sonne wird fahl.

Die Königin tritt hervor,

Ein Blitz, ein Strahl, so heiß:

Sie sieht ihn und sie weiß.

 

– Eckehard Junge

 

 

Copyright © Eckehard Junge 2005