Partnerseele

 

Ich will Dir einen Himmel schaffen,

Wie ihn kein Engel je erschaut,

Ein Reich der Bilder und Gesänge,

Wie es kein Künstler je erbaut,

Ein Schloss mit Zinnen und Zieraten,

Wie nie ein König es besaß,

Und einen traumhaft schönen Garten,

Wie nie ein Gärtner ihn ermaß.

 

Mein Leben soll ein Sinnbild sein

Und eine Wandrung Dir zulieb,

Weil Du der Sinn bist, der mich schürte,

Mein Sehnsuchtsfeuer zu Dir trieb.

Und aus den wildgeschlungnen Wegen,

Dem wirren Irren durch die Zeit,

Erhebt sich mir Dein stilles Bildnis

Als Endziel der Vollkommenheit.

 

Aus diesem Brunnen will ich schöpfen,

Aus dieser Glut mein Maß erschaun

Und Deinen Glanz als Vorbild nehmen,

Uns unser Heimatreich zu baun.

Und während unsre Tage eilen

Durchs Erdenland aus Kleinigkeit,

Ersinne ich die künftgen Freuden

Im Liebesreich so gold und weit.

 

Und wenn dereinst der Weg beschritten

Und aller Kummer ausgeweint,

Betrittst Du ganz in mich vergossen,

Auf Ewigkeit mit mir vereint,

Das Reich, das ich für Dich gezimmert,

Die Welt, die ich für Dich gebaut,

Das Sehnsuchtsland, das Du mir schenktest:

Aus Deinen Augen ward’s erschaut.

 

Dann spielen wir auf grünen Auen,

Dann tanzen wir im Sonnenschein

Und küssen uns äonenlang

Im süßen Ineinandersein;

Und tausend Chöre singen Lieder,

Die uns von altersher bekannt,

Und rings im Kreis der Liebesfeuer

Erstrahlt uns unser Heimatland.

 

– Eckehard Junge, August 1985

 

 

Weiter zu: Glühender Honig

Oder: Zur Heimatseite

Oder: Gedichte-Portal

 

Copyright © 1985 Eckehard Junge