Glühender Honig

 

Gib mir deine Hand:

Führ mich in dein Land,

Das hinter deinen Augen liegt,

Das Land der Sehnsucht, sammetweich,

Dein stillverborgnes Wärmereich,

In das sich meine Seele schmiegt,

Wenn sie den Boden dieser Welt

Am Ende unter sich verliert,

Sich unter deine Herrschaft stellt,

Auf Ewigkeit von dir verführt.

 

Gib mir deine Hand:

Wenn an der Träume Rand

Mein Erdendasein mir entflieht

Und alle Wände sich entmauern,

Weil mich in tiefen Liebesschauern

Dein stummer Aufschrei heimwärts zieht.

Und Tod und Teufel sind entmachtet

Durch diese Glut in deinem Blick,

Und aller Schmelz, der in dir schmachtet,

Zieht mich in deinen Kern zurück.

 

Gib mir deine Hand:

Wenn du im fernen Land

In deinem Bett nicht schlafen kannst,

Weil andre dich nicht glücklich machten,

Die nur dein Fleisch in Wallung brachten

Und deren Herz du nicht gewannst.

Dann wisse, dass in weiter Ferne

Ein Wesen dich in Liebe sah

Und aus dem Glanz der ewgen Sterne

Dich anschaut, so unendlich nah.

 

Gib mir deine Hand:

Wenn du im Meeressand

Ein Zeichen deiner Sehnsucht schreibst,

Das tief aus deiner Seele quillt

Als deiner Hoffnung zartes Bild,

In dem du mich dir einverleibst.

Ich stammle nur dem Tag entgegen,

Nach dieser harten Arbeitsnacht,

Der uns vereint im Feuersegen

Der hemmungslosen Liebesmacht.

 

– Eckehard Junge, August 1985

 

 

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