Hexenlust

 

In wilden Strähnen weht das Haar,

Es zerrt der Sturm am Fetzenrock,

Ein Kichern scheppert durch die Nacht –

Die Wolke reißt, der Mond wird klar,

Da springt sie kühn vom Felsenblock

Und jagt im Blitz davon und lacht.

 

Das ist die Hexe Strubbelich,

Sie tobt am Firmament,

Das Schwarz der Nacht verdichtet sich,

Der Besen in die Wolken rennt.

 

Das Wasser spritzt ihr auf die Brust,

Die stolzen Knospen recken sich entgegen,

Und in den Schenkeln klebt der Schaft –

Sie wirbelt auf in draller Lust

Und schlägt den Purzelbaum im Regen,

Und hammerschwer pulsiert der Lebenssaft.

 

Vom Kirchturm dröhnt die Stunde;

Sie taumelt matt vom Himmelszelt,

Dreht heimwärts ihre letzte Runde –

Verschläft im Baum den Tag der Welt.

 

Eckehard Junge, 7. Juni 1977

 

Copyright © 1977, 2006 Eckehard Junge

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