Daseinslust

 

Schwarze Massen, weiße Lichter,

Eingepflanzte Dogmentrichter,

Kriegsgeschwafel, Segensworte,

Klopfen an der Himmelspforte,

Kokolores und Konfetti,

Alles längst nicht mehr paletti.

Zarte Augen, sanfte Küsse,

Pralinenpracht und Haselnüsse,

Schöne Kleider, neue Schuhe,

Reiselust und Sonntagsruhe,

Gutes Bier und leckre Wurst

Löschen nicht den letzten Durst,

Stillen nicht den letzten Hunger,

Klären nicht die letzten Fragen,

Führen nicht zum Gott zurück

Und der Teufel hat das Sagen.

Doch bringt man den rumpelnden Karren auf Touren,

Entsagt auch den Giften, dem Trott und den Huren,

Lässt trotzdem der Große Preis auf sich warten

Und wie schon gehabt, es stehen die Karten

Trotz all des gehorsamen Webens und Strebens

Nicht sonderlich gut gegen Ende des Lebens,

Und ungerecht wütet der Strafmechanismus

Auch über den Schafen des Katechismus.

Drum pfeife auf all die Regelmacher,

Gezinkte Karten und Möchtegerngötter,

Die weinenden Muttis, die höhnischen Lacher,

Gekränkte Verwandte und dämliche Spötter,

Die grausam verirrten Silvesterkracher,

Und baue dir dein eigenes Leben

Als Zimmermann durch Raum und Zeit

Im Glanze der Unsterblichkeit,

Die dein ist in alle Ewigkeit.

Denn ohne Mythos und mönchischen Frust,

Ohne Verherrlichung sinnloser Leiden

Und ohne Kult der Verderblichkeit

Lebst du erleuchtet in eigenen Freuden

Und ungetrübter Daseinslust

Beim wohlgereiften Saft der Reben

Im Glanze deines eignen Himmels

Und allerlei lieblichen Gewimmels

Wíspernder Sylphen und witziger Gnome

Im Kaleidoskop der Lichtphantome,

Das dir aus deiner Seele purzelt,

Wo es im göttlichen Urgrund wurzelt.

 

– Eckehard Junge, 2. Januar 2008

 

 

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