Aktuelle Warnungen des Propheten Habakuk

[Notizen vom 25. Februar 2003] • Der ganze Kongress erscheint mir wie eine wildgewordene Horde Gremlins, wenn der Große Führer eine seiner Kriegsreden hält. Hier sind ein paar Sprüche, die man diesem kriegerischen Gremlin-Kaiser schicken müsste (das Alte Testament sollte er eigentlich verstehen können), nur leider ist es fraglich, ob an dieser Adresse in Washington IRGENDETWAS ankommen würde: 

 

Die Bibel Der Prophet Habakuk:

2,4: Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
2,5: So wird auch der treulose Tyrann keinen Erfolg haben, der stolze Mann nicht bleiben, der seinen Rachen aufsperrt wie das Reich des Todes und ist wie der Tod, der nicht zu sättigen ist: Er rafft an sich alle Heiden und sammelt zu sich alle Völker.
2,6: Was gilt's aber? Diese alle werden einen Spruch über ihn machen und ein Lied und ein Sprichwort sagen: Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremdem Gut - wie lange wird's währen? - und häuft viele Pfänder bei sich auf!
2,7: Wie plötzlich werden aufstehen, die dich beißen, und erwachen, die dich peinigen! Und du musst ihnen zum Raube werden.
2,8: Denn du hast viele Völker beraubt. So werden dich wieder berauben alle übrigen Völker um des Menschenblutes willen und um des Frevels willen, begangen am Lande und an der Stadt und an allen, die darin wohnen.

Der Gremlin-Kaiser würde freilich (wenn er das soweit herausdifferenzieren könnte und die Stelle überhaupt nachschlüge) empört sagen, dass es in dem Kontext dieses Propheten um ein Strafgericht über die Chaldäer geht, und die wohnen doch schließlich ... Moment mal ... in Babylon, na bitte! – in Babylon! Damit wäre der Angriffskrieg gegen den Irak aus seiner Sicht wiederum gerechtfertigt, denn genau da wohnt doch heutzutage Saddam Hussein. Also ... ist Saddam ein Chaldäer. Was könnte Buschimaus folglich sagen? „Seht, ich erfülle die Schrift!"?

Nun, genau das ist das Problem. Hier wird vor allem die ZEIT verwechselt. Verwechselte Zeit, verwechselter Ort, verwechselte Identität, fehlende Informationen, eine sich selbst erfüllende rachsüchtige Prophezeiung, ewige Vendetta und so weiter.

Dass die Prophezeiung, wenn man sie schon als „zeitlos" auffassen will, durchaus treffend auch auf die USA anwendbar wäre, dürfte nicht so leicht einsickern.

Nun ist es ja so, dass die Juden seinerzeit mit Babylon schwere Probleme hatten und dass sich viele dieser übertriebenen, blutrünstigen Strafgerichte, die in der Bibel angekündigt wurden, auf das alttestamentarische Babylon bezogen und schlicht und einfach die Antwort der gequälten Phantasie auf eine überwältigende damalige Unterdrückung waren, oder auch ein Versuch, damals die Moral der eigenen Truppen zu stärken. Genau diese Differenzierung wird aber von christlichen Fundamentalisten in den Vereinigten Staaten nicht wahrgenommen ... sodass ihnen auch entgehen dürfte, dass der „Turmbau zu Babel" inzwischen ganz woanders stattgefunden hat. Ja, Türme ... da war doch neulich was mit „Türmen" ...

Vielleicht sollten wir wirklich türmen!

Eckehard Junge, 25. Februar 2003

Copyright © 2003, 2005 Eckehard Junge

Artwork: J. James Tissot, "Habakkuk", Reproduktion bezogen vom

Christian Theological Seminary, http://www.cts.edu/ImageLibrary/Isa_Mal.cfm 

 

 

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