Phantastische Heimatseite

Die Welt als schillernde Vorstellung

 

Archiv 2006

 

Andere Jahre: Archiv 2009 -- 2008 -- 2007 -- 2005.

Für das laufende Jahr siehe die AKTUELLE HEIMATSEITE 

 

 

  

7.1.2006

Ich will ein Land mit glücklichen Ackerbauern, gründlichen Handwerkern, mystischen Oberförstern, griechischen Säulengängen, sauberen Weinen, zärtlichen Priesterinnen, natürlich haltbaren Zähnen, gemütlichen Gesangsabenden, katechontischem* Lebensrhythmus, wohlklingenden Dichtern, weisen regionalen Fürsten und einem perfekt funktionierenden UFO in der Scheune. Wenn das hier nicht geht, dann können sie mich alle mal, aber ich kann ja daran arbeiten, es zu erfinden. Es sollte auch gar nicht so lange dauern, dieses Modell zu verwirklichen. Ca. 2030 wird die Idee wahrscheinlich überhand nehmen.

Apropos mystische Oberförster: Suchen Sie im Internet unter „Viktor Schauberger”, da haben Sie den tüchtigsten mystischen Oberförster aller Zeiten.

*) Zur Definition des Wortes katechontisch siehe meinen Essay Der hektisch hechelnde Zeitgeist.

 

16.1.2006

Wie man sich denken kann, war ich vollständig eingewickelt – zwei Berufe gleichzeitig, Übersetzer und Schriftsteller, da ist man beschäftigt. Vom offiziellen Schriftsteller erscheint auf einer anderen Website die lang erwartete Enthüllungs-Story über die kosmischen Urgewalten in Indien, inklusive einer aufschlussreichen Ergründung des Kali-Yuga.

Erhältlich unter dem folgenden Link:

Indien – Kosmische Urgewalten.

Der etwas weniger offizielle Schriftsteller „kann es nicht lassen” und schmeißt Ihnen auf dieser quasi etwas privateren Website den gründlichen Polit-Artikel Faschismus: Eine Einführung hinterher.

Wohl bekomm’s oder auch nicht.

 

22.1.2006

Irgendwo da draußen gibt es einen extrem unwahrscheinlichen Planeten mit einer öligen Silbersonne, auf dem extrem unwahrscheinliche Dinge stattfinden, die von einer extrem unwahrscheinlichen, eierlegenden Bevölkerung extrem selten gewittert werden, obwohl diese Leute einen fantastisch großen Riechkolben besitzen. Deshalb muss ich diesem obskuren Gesteinsklumpen mit seinen anheimelnden Krokodilsgesichtern eine kleine Satire widmen, die jedoch von den Eingeborenen mit lautem Gelächter quittiert würde, vorausgesetzt sie halten sich gerade im schalldichten Hinterzimmer ihrer sorgfältig entwanzten Geheimspelunke auf. Es wäre auch von Vorteil, wenn sie sich vorher mit ihrer Lieblingsmahlzeit gestärkt haben: einem zarten, rohen Lamm, das zu zweit über einer liebevoll ziselierten Auffangwanne zerrissen wird.

In diesem Falle wohl bekomm’s, vielleicht mit einem Asbach Uralt gewürzt, oder irgendeinem anderen legendären Gesöff, das ich nie probiert habe: Der Aufstand der Krokodile.

 

29.1.2006

Zur Zeit befasse ich mich schriftstellerisch mit seltsamen Experimenten und „verrückten” Erfindern – ein Thema, das zwischen erholsamen oder weniger erholsamen Fernseh-Orgien derzeit den größten Teil meiner Aufmerksamkeit beansprucht.

Kontrapunktisch wird es Zeit für einen exzentrischen kleinen Hobby-Beitrag zu meiner egozentrischen Website: Weichbild-Forschung: Das verzettelte Genie (Heine, Goethe und „Political Correctness”). Es sind zwar nur ein paar zerfledderte Sprach-Notizen, aber doch irgendwie geil in jenem Universum, wo kometenhafte Sternstunden des linguistischen Orgasmus aufblühen. (So, jetzt habe ich endlich mal „Orgien”, „geil” und „Orgasmus” gesagt, damit sich auch ein paar Internet-Surfer mit einer ganz anderen Art von Suchwörtern hierher verirren können.)

 

2.2.2006

Man möge und solle wissen, spricht Meister Eckhart in seinem „Buch der Göttlichen Tröstung” um das Jahr 1318, „dass Gott allein, gemäß natürlicher Wahrheit, ein einziger Brunnen und die Quellader allen Gutseins, der wesenhaften Wahrheit und des Trostes ist. Und alles, was nicht Gott ist, das hat aus sich selber eine natürliche Bitterkeit und Untrost und Leid und legt der Gutheit, die von Gott und Gott ist, ganz und gar nichts zu. Vielmehr mindert und verdeckt und verbirgt es die Süßigkeit, die Wonne und den Trost, den Gott gibt.”

Ein Kommentar erübrigt sich gewiss.

Auf einem ganz anderen Blatt stehend, rein aus mir selbst heraus, schiebe ich hier ein Gedicht aus alten Zeiten ein: Freiheit (zum Anklicken).

Und ... Johann Gottlieb Fichte (1762–1814) fordert 1799, der Mensch solle sich einem Zustand annähern, in dem er dem unermesslichen All zurufen könne:

„Du bist wandelbar, nicht ich; alle deine Verwandlungen sind nur mein Schauspiel, und ich werde stets unversehrt über den Trümmern deiner Gestalten schweben. ... Wenn unter den Millionen Sonnen, die über meinem Haupte leuchten, die jüngstgeborne ihren letzten Lichtfunken längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch unversehrt und unverwandelt derselbe sein, der ich jetzt bin.”

Quelle: <J. G. Fichtes, des philosophischen Doktors und ordentlichen Professors zu Jena, Appellation an das Publikum über die durch ein Kurfürstlich Sächsisches Konfiskationsreskript ihm beigemessenen atheistischen Äußerungen. Eine Schrift, die man erst zu lesen bittet, ehe man sie konfisziert.> Zweite Auflage, Jena 1799. 

Das ist doch mal ein ordentliches Maß an Ich-Bewusstsein oder Geistes-Zuversicht. Mit Fanfarenschall! Durchaus nachahmenswert. Und es braucht nicht erst Napoleon vor der Tür zu stehen, bevor der Geist sich zu dieser seiner wahren Größe aufschwingt. Ein Kurfürstlich Sächsisches Konfiskationsreskript tut es offenbar auch. (Reskript = amtlicher Bescheid, Verfügung, Erlass)

 

5.2.2006

Wie sagte so schön mein vorsichtiger, olympischer alter Freund, der Geheimrat:

„Hinüberzuschießen, das wären Possen,

Würde nur nicht wieder herübergeschossen.“  – Goethe

 

7.2.2006

Nun scheint ja irgendwie doch bereits Napoleon vor der Tür zu stehen. Ich habe nichts gesoffen, aber ich sehe ihn doppelt: Einer seiner Klone steht stramm am westlichen Eingang, ein anderer funzelt an der südöstlichen Hintertür herum. Und einige seiner Büttel haben es sich bereits im Hause gemütlich gemacht – sie lümmeln an der Druckerpresse herum, im Keller fälschen sie Banknoten und auf dem Dachboden klopfen sie doppelzüngige Sprüche. Gelegentlich lassen sie Brieftauben mit schwarzen Zettelchen abfliegen.

Ich habe darauf herumgekaut, ich habe gefeilt und geschmirgelt, schreckte zurück und ermannte mich wieder. Ich habe geglotzt, gelesen, gedacht und rumort, habe gezweifelt und ausklamüsert. Es muss hinaus, denn es ist dort draußen:

Das bestürzte Königreich. Ein absurdes Wintermärchen.

 

8.2.2006

Hier ist eine heiße Analyse:

Zum wirtschaftlichen Hintergrund des weltweiten Getöses.

 

19.2.2006

Glauben Sie nicht den Medien! Glauben Sie Ihrer eigenen Beobachtung und der Liebe im Urgrund Ihrer Seele! Und zum Kuckuck mit den Experten! Untersuchen Sie alles selbst!

Man studiert und studiert, schreibt, streicht und schreibt erneut. Am Ende gibt es ein paar Durchbrüche. Hier ein typisches Beispiel und Notizen zur Verfahrensweise des Lernens:

Das sinnlose Säbelrasseln der Energieteufel (Öl- und Rüstungswahnsinn ade!).

 

26.2.2006

Zugegeben: Ich widerspreche mir gelegentlich selbst. Wollte ich nicht nur noch das Schöne darstellen? Oder war das nur Platons schöne Idee, oberflächlich von mir zitiert?

Ist mir das Scheußliche nicht gar zuwider? Geht es nicht ausschließlich um Liebe, Wahrheit, Schönheit und Freiheit?

Nun, Herrschaften: Leider eben doch nicht. Wenn der Mistkübel nicht ab und zu ausgeleuchtet wird, sammelt sich zu viel Unrat darin an.

Außerdem muss ich mich nicht unbedingt nach Zitaten von Platon, Schiller oder Junge richten.

 

1.3.2006

Die Mehrheit sollte lieber rechtzeitig für den Schutz der Minderheiten sorgen, denn die Mehrheit dürfte bald in der Minderheit sein.

Oder wie Wilhelm Busch treffend sagte: „Jeder Jäger wird mal ein Hase.”

Und gehen Sie mal wieder ins Museum! Da finden Sie zum Beispiel Rubens’ Antwort auf die Frage, wie man sich irdische Lebenslust vorzustellen hat. Diese Idee mutet inzwischen schon beinahe überirdisch an, weil sie lange Zeit nicht verwirklicht wurde:

 

Peter Paul Rubens (1577–1640):

Satyr und Mädchen mit Früchtekorb

 

2.3.2006

Bin fertig mit meiner intensiven Untersuchung des Energiemarktes und völlig neuer, alternativer Formen der Energiegewinnung. Was geschieht mit Erfindungen – und mit Erfindern –, die der Welt einen praktisch unerschöpflichen Zugang zu Energie verschaffen und allerlei „Kriegsgründe” ersparen könnten? Die „Energieknappheit” ist ein Märchen. Es gibt tatsächlich keine Energieknappheit, sondern nur unterdrückte Technologie. Energie gibt es im Überfluss. Für die Menschheit ist es lebenswichtig, dass solche Technologien sehr bald genutzt werden und dass wir uns von der „Notwendigkeit” militärischer Konfrontationen zur Sicherung der angeblich gefährdeten Energieversorgung befreien.

Meine gründliche Abhandlung zu diesem Thema ist komplett erhältlich unter dem Link:

Unbegrenzte Energie – Das Ende des Knappheitsmärchens

(Das war jedenfalls der ursprüngliche Titel ...)

Der geniale Physiker und Erfinder Nikola Tesla sagte voraus:

„Schon in wenigen Generationen werden unsere Maschinen mit einer Energie betrieben werden, die sich an jedem beliebigen Punkt des Universums anzapfen lässt. Der gesamte Weltraum ist von Energie durchdrungen. Handelt es sich dabei um eine statische [stillstehende] oder um eine kinetische [sich bewegende] Energie? Falls diese Energie statisch ist, wäre unsere Hoffnung vergeblich; falls sie jedoch kinetisch ist – und sicherlich ist dies der Fall –, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann es dem Menschen gelingen wird, seine Maschinen an das Räderwerk der Natur selbst anzuschließen.” (Nikola Tesla)

 

4.3.2006

Ein gigantisches, zersetzendes, nervenaufreibendes Ärgernis, das sich über die Jahre und durch den Rest unseres Lebens dahinzieht, ist die Rechtschreibreform – Schlechtschreibreform. Es ist höchst verwunderlich, wie eine staatliche Kommission mit einem derart sinnlosen Manöver zum lächerlichen Preis von einigen Milliarden Euro fürs Einstampfen von Schulbüchern, Wörterbüchern usw. einen derart großen Ärger für derart viele Menschen über einen Zeitraum von Jahren und Jahrzehnten hervorrufen konnte.

Stellen Sie sich vor, es hätte diese Reform nie gegeben. Was für eine wunderbare Ruhe im Puff!

 

11.3.2006

Einige Notizen zum Karikaturenstreit: Redefreiheit unter Verantwortung. Nur mit aktiver Förderung der Menschenrechte, einschließlich der Religionsfreiheit, kann auf dieser Welt halbwegs der Frieden gesichert werden. Böswillige Verunglimpfung einer Religion ist so ungefähr das Letzte, was wir brauchen, und Redefreiheit muss stets von Verantwortung begleitet sein.

 

12.3.2006

Denkwürdig für den politischen Denker und romantischen Dichter bleibt eine Warnung von Goethe, aufgezeichnet in den Gesprächen mit Eckermann; eines seiner „letzten Worte”, März 1832:

„Sowie ein Dichter politisch wirken will, muss er sich einer Partei hingeben; und sowie er dieses tut, ist er als Poet verloren; er muss seinem freien Geiste, seinem unbefangenen Überblick Lebewohl sagen und dagegen die Kappe der Borniertheit und des blinden Hasses über die Ohren ziehen.

Der Dichter wird als Mensch und Bürger sein Vaterland lieben, aber das Vaterland seiner poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und Schöne, das an keine besondere Provinz und an kein besonderes Land gebunden ist, und das er ergreift und bildet, wo er es findet. Er ist darin dem Adler gleich, der mit freiem Blick über Ländern schwebt und dem es gleichviel ist, ob der Hase, auf den er hinabschießt, in Preußen oder in Sachsen läuft.”

Gleicherweise tadelte Goethe die von anderen so sehr gepriesene politische Richtung in Uhland. „Geben Sie acht”, sagte er, „der Politiker wird den Poeten aufzehren. Mitglied der Stände sein und in täglichen Reibungen und Aufregungen leben, ist keine Sache für die zarte Natur eines Dichters. Mit seinem Gesange wird es aus sein, und das ist gewissermaßen zu bedauern. Schwaben besitzt Männer genug, die hinlänglich unterrichtet, wohlmeinend, tüchtig und beredt sind, um Mitglied der Stände zu sein, aber es hat nur einen Dichter der Art wie Uhland.” (Johann Peter Eckermann, Gespräche mit Goethe, nach Goethes Tod zusammengestellt 1836–48, hrsg. von Conrad Höfer, Hesse & Becker Verlag, Leipzig 1913, S. 475f.)

Nun gut; der Dichter muss sich deshalb nicht unbedingt von aller Politik lossagen, aber es könnte ein Vorteil sein, diese zwei Bereiche halbwegs zu trennen und zumindest selbst kein Politiker zu werden. Redete der Dichter einer bestimmten religiösen Partei nach dem Munde oder verkaufte er seine Seele quasi an eine Firma, wäre das Problem übrigens genauso groß: Den Dichter als Dichter würde das weitgehend auffressen, oder wie Goethe vornehmer sagt: aufzehren.

 

14.3.2006

„Die Amerikaner wollen ...”, hieß es gestern in einem dänischen TV-Nachrichtenmagazin. „Die Amerikaner wollen den Druck auf den Iran erhöhen” oder „einen Regimewechsel im Iran anstreben”. Das ist eine extrem ungenaue und verallgemeinernde Aussage.

Gemeint ist natürlich die amerikanische Regierung – aber wer denn nun genau?

Wie kommt es eigentlich zur Willensbildung der US-Regierung? (Anklicken!)

 

16.3.2006

Als neueste Nachricht sei auch an dieser Stelle chronologisch korrekt vermerkt, dass meine gründlichen Artikel über Indien: Kosmische Urgewalten und Unbegrenzte Energie: Das Ende des Knappheitsmärchens zum jetzigen Zeitpunkt als E-Buch bei Co-Art Publications* erhältlich sind. Die angegebenen Links sind Leseproben.

Das war eine Menge Schweißarbeit – und ein reiches Feld für neue Erkenntnisse.

*) [Das von mir verfasste E-Buch Die größten Geheimnisse der Menschheit", nach dem Stand vom 3. Juni 2007 zum Preis von 5,00 EUR als Download erhältlich, umfasst außerdem auch große Kapitel über Atlantis und über die Prieuré de Sion. Siehe die Bestellseite.]

 

19.3.2006

Senile Heiterkeit in klassischen Rhythmen:

Erhascht er das Mädchen im fliegenden Spurt,

Dann fällt auch sehr rasch der beklemmende Gurt.

Hatte gar nicht vor, irgendwas zu dichten, jedoch nach einem halben Nickerchen sprudelte es plötzlich so hervor: Opas Nörgelstunde.

Nein, nein, beileibe kein Schwanengesang ... man kann sich stets wieder aufpäppeln und tut es auch geflissentlich ... aber bekanntlich muss keiner müssen.

 

20.3.2006

 

Foto: Martin Jahn, München

 

30.3.2006

Haben Sie sich auch schon ratlos am Schädel gekratzt, wenn Sie mit abstrakten deutschen Gedichten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konfrontiert waren? Vor vierzehn Jahren habe ich mich auf dieses Rätsel kritisch eingelassen: Sinnentleerte Dichtkunst.

Ich dachte dabei an eine Berliner Germanistikstudentin namens Susanne, die mir Ende 1975 ein Gedicht von Enzensberger vorlegte, das an der Uni stundenlang mit großer Ehrfurcht diskutiert worden war. Ich hingegen fand die gefeierten Zeilen schlicht und einfach sinnentleert; sie waren in keinster Weise folgerichtig und hatten keinerlei Aussage, sondern jede denkbare Aussage musste mühselig in sie hineininterpretiert werden. Die qualvolle Interpretation solcher Texte an einer deutschen Universität hielt ich damals für reine Zeitverschwendung. Die besagte Studentin, die sich gern wieder einmal bei mir melden könnte, war entsetzt über meine unsägliche Arroganz.

Im Übrigen nichts gegen Enzensberger. Der Künstler ist nicht nur Schöpfer, sondern in gewissem Grade auch Produkt seiner Zeit; seine Größe liegt darin, dass er die Realitätsvorlage seiner Umwelt bewusst macht, transzendiert und veredelt oder auflöst, während er gleichzeitig nach seinem Vermögen neue Bilder, Zeichen, Wegweiser und Ziele hervorbringt.

 

12.4.2006

Ein bisschen Sendepause, aus persönlichen Gründen der Reflexion ...

Neuroticum magnum praetendo, me non absolvo; vita longa, ars brevis.

(„Ich täusche den großen Neurotiker vor, diese Schuld sei anerkannt;

aber das Leben ist lang, und die Kunst ist kurz.” – E.J.)

Wenn ich meine Identität hier allzu scharf umreiße, so geht das tatsächlich auf Kosten der freien Entfaltung meiner Individualität. Insofern hat das Unbestimmbare, das Wirken aus dem Urgrund meines eigenen, an Möglichkeiten unendlich reichen Grundzustands ICH BIN, erhebliche Vorteile. Aus dieser nichtsähnlichen (auch dieses Wort ist doppeldeutig!), aber hochqualitativen Zauberkiste lässt sich heute ein Hase und morgen ein Wolf hervorzaubern. Trotz der scheinbaren Beliebigkeit dürfte sich eine unverwechselbare Grundnote, ein schnoddrig-unbeeindruckter Grundton des ewigen Ich-Spiels in Wechselwirkung mit dem ewig wandelbaren Universum dabei durchsetzen.

Zwar sagte Wilhelm Busch: „Jeder Jäger wird mal ein Hase.” Das ist die Warnung des mystischen Satirikers an die Karma-Ignoranten, und es zeigt auch die Vielfalt der Seinsmöglichkeiten auf. Freilich richtet sich die Welt nicht immer nach John Lennons rachsüchtiger Zeile Instant Karma’s gonna get you. (Auf lange Sicht wird es wohl stimmen.)

Aus einem pfiffigen Jäger dürfte jedoch ein pfiffiger Hase werden, oder aus einem skeptischen Jäger ein skeptischer Hase, aus einem Jäger mit der Attitüde eines Picasso ein Hase mit der Attitüde eines Picasso. So und auch in anderen Schattierungen beantwortet sich mit größerer Leichtigkeit, als man meinen möchte, Ernst Jüngers große Frage, als er in hohen Jahren sein Weinglas schwenkte: „Die Frage ist, was bleibt.”

Das Bleibende und der Bleibende, der reine Spiegel und schöpferische Urgrund des ewigen Selbst im Wechselgesang mit dem Weltgeist – das ist es, was bleibt. Oder wie einer meiner Freunde es kommentierte: Die Frage ist, was ist!

Kontrapunktisch aggressiv und wagemutig daher an dieser Stelle mein tiefgründiger, vielleicht auch ein bisschen kot- und schweresüchtiger, energiepolitischer Hinweis auf eine unerschöpfliche alternative Energiequelle, an die bislang kein Einstein und auch kein Schopenhauer gedacht hat:

Die Hotpants-Maschine.

 

20.4.2006

Im November 1979 schrieb ich, damals „nur” ein Traum, Die Hymne des Vierten Reiches.

Wie es mit Träumen so geht, egal wie groß sie sind, und egal wie unwahrscheinlich:

Wenn wir sie stark genug empfinden und uns auch ins Zeug legen, etwas dafür zu tun, dann können sie wahr werden.

Und jetzt muss ich nach meiner Linsensuppe sehen.

 

24.4.2006

Manche Leute wollen, und manche wollen nicht.

Manche wollen einfach bloß etwas anderes. Letzteres ist eine Möglichkeit, die die Nichtwollenden manchmal genauso sprachlos macht wie die Wollenden. Denn die Wollenden und die Nichtwollenden sind stets damit beschäftigt, sich in die Wolle zu kriegen, während die Anderswollenden einfach glücklich mit Frau Holle oder Fuzziebär ins Morgenrot davonsegeln.

Die Kiebigkeit der Nichtwollenden habe ich in einem kleinen Gedicht von 1999 festgehalten:

Lieber nicht! Bitte anklicken, oder auch nicht.

 

26.4.2006

Gewisse Methoden sterben nicht aus, ganz egal, ob die Anwender dieser Methoden diesseits oder jenseits des Atlantischen Ozeans sitzen, und ganz egal, ob sie Haken am Kreuz haben oder nicht:

Am Abend des 18. April 1946. Naziführer Hermann Göring in seiner Zelle: „... Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg“, sagte Göring achselzuckend. „Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt. Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. ... das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land." (Aus: Nürnberger Tagebuch von G.M. Gilbert. Ehemaliger Gerichts-Psychologe beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Aus dem Amerikanischen übertragen von Margaret Carroux. – Fischer: Frankfurt a.M., 1962. – Hier zitiert nach http://www.miprox.de/Sonstiges/Goering-Zitat.html)

Da sehen Sie mal, so einfach ist das, und so einfach ist  das. Der Mann spricht aus Erfahrung.

      General Erwin Rommel („Wüstenfuchs”) bei der 15. Panzerdivision (1941)

 

3.5.2006

Wenn Sie sich mal die Mühe machen, die Hintergründe der Attacken vom 11. September 2001 zu untersuchen, kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Loch, das ins Pentagon geschlagen wurde, war nie und nimmer groß genug, um eine Boeing 757 durchzulassen, und es gab keinerlei Einschlagspuren der Flügel oder der Heckflosse. Was war es dann? Raketenbeschuss aus einer Seitenstraße?

Die Hochhäuser in New York (World Trade Center) sind viel zu säuberlich zusammengestürzt, und die Brände waren nicht heiß genug, um Stahlträger schmelzen zu lassen: Es kann also nur eine gezielte Sprengung gewesen sein. Das bestätigen erfahrene Ingenieure und Abrissexperten [siehe die kostenlose Aufklärungs-DVD von Jimmy Walter; auch eine komplette deutsche Abschrift ist erhältlich]. Das Ganze ist ein verflucht übler Witz und sieht eher nach einer großangelegten Neuauflage von Pearl Harbor aus: einer künstlichen Stimmungsmache, um durch das Inszenieren oder Zulassen einer schweren Niederlage den Kriegswillen der Bevölkerung aufzupäppeln.

Ich befasse mich in dieser Website nicht sonderlich mit Faktologie, weil jeder sowieso glauben wird, was ihm passt. Aber eine kleine Anregung zu Nachprüfungen in dieser Richtung kann wohl nichts schaden.

Zur Klärung eines völlig anderen Bereichs empfehle ich meine Notizen über Hermetik. Das ist eines dieser scheußlichen Allerweltswörter, und ich fragte mich, was dahintersteckt. Bin mir nicht ganz sicher, ob ich es überhaupt rausgekriegt habe.

 

5.5.2006

Eigentlich wollte ich ein Loblied auf die Einfachheit singen, aber genau wie bei Heinrich Heine oft die Liebeshymne in sarkastische Selbstironie entglitt, versagten auch mir – zumindest streckenweise – die weihevollen Töne. Na schön, da haben Sie’s: Selig sind die Nullen (Knappe Originalfassung). [Falls Ihnen die Aussage in dieser Form noch zu undeutlich ist oder scheinbar vertieft werden müsste, probieren Sie es mit der ausführlichen Version: Selig sind die Nullen. Das ist die zweite, monumental und reimfreudig überarbeitete Fassung vom 20. Juni 2006.]

 

11.5.2006

Lateinischer Skeptikergruß: Unitam logica falsa tuam philosophiam totam suffodiant.

Oder, locker übersetzt: „Möge fehlerhafte Logik deine gesamte Philosophie untergraben!”

Ist bestimmt gut gemeint.

Und jetzt reicht’s! Zurück in den Heimatkosmos, wo das Leben so ist, wie es sein soll.

 

14.5.2006

Rainer Maria Rilke, 26.9.1899:

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,

und bauen dich, du hohes Mittelschiff.

Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,

geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister

und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,

in unsern Händen hängt der Hammer schwer,

bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,

die strahlend und als ob sie Alles wüsste

von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern

und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.

Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:

Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

In diesem Geiste, jedoch unter einem ganz anderen Blickwinkel, hier nun das neueste Werk aus meiner eigenen Feder:

Eckehard Junge, 14.5.2006: Vom Segen und Fluch der Großen Idee. Sozusagen das Wort zum Sonntag, aber sicher noch sehr viel mehr als nur das.

 

16.5.2006

Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Mein Reich ist reich an Seelentümern,

Hat ewigen Bestand in seinem Urgrund

Und wandelt sich auf mein Geheiß.

Was hier auf Erden steigt und fällt,

Ist nur ein Abglanz meiner Welt.

Mein Reich ist, was ich kann.

Mein Reich ist, was ich weiß.

Mein Reich ist meine Liebe.

Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

 

21.5.2006

Absurdes Theater: Nachts ist es kälter als draußen.

Eine kleine Sciencefiction-Satire mit weit hergeholten Anspielungen auf Schauberger und seine Forellenturbine.

 

27.5.2006

Aus der Trance des heutigen Erwachens gebar mir ein halbwegs heilsamer Zeilensalat:

Dem Dingsbums sei Dank. Denn ohne Dings kein Bums.

 

28.5.2006

Es ist nicht gerade das Wort zum Sonntag – aber wenn man Figuren wie den „kultivierten” Psychiater und Menschenfresser Hannibal Lecter im Kino und im Fernsehen zeigen darf, ohne dass der Verfassungsschutz auf den Plan tritt, dann werde ich wohl das Recht haben, meinen eigenen Senf dazuzugeben: Der Kannibale. Salzstreuer nicht vergessen!

Wobei ich in diesen verrückten Zeiten hinzusetzen muss: Allen Kandidaten, die da draußen herumpirschen oder morgens um drei mit einem Geweih auf dem Kopf in den Wald gehen, sei es klar gesagt – dieses Gedicht ist weder als Angebot noch als Aufmunterung zu verstehen, sich, mich oder dich fressen zu lassen oder zu fressen, sondern lediglich ein frei erfundenes Stimmungsbild – zur bloßen Unterhaltung für antwortungsvolle Verwachsene.

 

29.5.2006

Wenn ich Ihnen mal was völlig Perverses erzählen soll, noch schlimmer als der eben besungene Kannibale – etwas derart Obszönes, dass es längst einen weltweiten Sturm der Empörung hätte hervorrufen müssen, dann klicken Sie sich doch einfach meine Vampire der Weltwirtschaft auf den Schirm. Mitsamt einer halbwegs fairen Einschätzung der Inflationsgefahr.

 

31.5.2006

Es ist noch nicht der 35. Mai, aber da meldet sich schon was:

Auf der Seufzerbrücke. Ein Gedicht aus der Reihe „Der alte Knacker”. Sie wissen schon.

 

4.6.2006

Jetzt ist der 35. Mai! Pfingstsonntag bei RTL: Zitat aus Terminator II, Tag der Abrechnung:

„In einer wahnsinnig gewordenen Welt war er die vernünftigste Alternative.“

So fühlte sich vielleicht auch Pierre Plantard, als er in jahrzehntelanger Kleinarbeit die große Spinnerei von der Prieuré de Sion aus der Taufe hob. Siehe dazu den Forumsbeitrag eines gewissen JahMarengo über Pierre Plantard [externer Link], sowie auch meinen Aufsatz Pierre Plantard und seine Merowinger.

Was aber sogar der Papst in seiner Weihnachtspredigt 2005 mit vorsichtigen Formulierungen anzudeuten begann, ist die Tatsache, dass jeder von uns das Göttliche in sich trägt und in diesem Sinne als „Sohn” oder „Tochter” des Höchsten gelten kann. Das ist Mündigkeit und eine gesunde Grundlage der Verantwortung.

Friedrich Nietzsche, Morgenröte, Fünftes Buch, Artikel 97:

Worin sich die Edelsten verrechnen. – Man gibt jemandem endlich sein Bestes, sein Kleinod – nun hat die Liebe nichts mehr zu geben: aber der, welcher es annimmt, hat daran gewiss nicht sein Bestes und folglich fehlt ihm jene volle und letzte Erkenntlichkeit, auf welche der Gebende rechnet.“

Friedrich Nietzsche, Morgenröte, Fünftes Buch, Artikel 98:

Meister und Schüler. – Zur Humanität eines Meisters gehört, seine Schüler vor sich zu warnen.“

Es denke ein jeder für sich selbst.

 

5.6.2006

Friedrich Nietzsche, Die Fröhliche Wissenschaft, Artikel 46:

Ursache und Wirkung. – Vor der Wirkung glaubt man an andere Ursachen als nach der Wirkung.“

Vor den Anschlägen glaubte man an die Rockefeller-Verschwörung, nach den Anschlägen glaubte man an Osama bin Laden und „seine” Terroristen. Aber die Wirkung dieser „Wirkung” lässt allmählich nach.

Die Grundstrukturen der zwanghaften planetarischen Kontrollbemühungen dürften immer noch dieselben sein wie eh und je. Einstürzende Hochbauten sind selbst bei noch so großen Staubwolken durchaus kein zwingendes Argument, denn in einer materialistischen Welt sind dem Zynismus leider kaum noch zwingende Grenzen gesetzt.

 

14.6.2006

Eine kleine Bemerkung noch zum pseudospirituellen Medien-Tamtam der Gegenwart, mit Leonardo-Da-Vinci-„Code”-Missbrauch und angeblicher Erschütterung des Christentums:

Im Besitz des Herzogs von Lothringen im 15. Jahrhundert, René d'Anjou, der sich nominell auch als „König von Jerusalem” bezeichnen durfte, soll sich nach Angabe von Chronisten eine Schale mit der merkwürdigen Inschrift befunden haben: „Wer richtig trinkt, wird Gott sehen. Wer die Schale mit einem Schluck leert, wird Gott und Maria Magdalena sehen.” (Qui bien beurra, Dieu voira. Qui beurra tout d'une baleine, voira Dieu et la Madeleine.)

Besaufen Sie sich also nicht allzu sehr am reißerischen Religionsrummel, der im Grunde nur ein weiteres weltweites Ablenkungsmanöver ist. Wahre spirituelle Werte finden Sie woanders, und das geht auch nicht so zack-zack. Sensationsfilme sind Seelentöter. Gucken Sie lieber Fußball!

Und im Übrigen, was ist an diesen Andeutungen so aufregend? Wir reden von Menschwerdung, und dazu gehört doch so einiges. Zum Beispiel auch das Übliche.

 

15.6.2006

Regierungen haben ernste Probleme, weil eine Planungsspanne von 4 Jahren nicht ausreicht, um ganze Länder, Wirtschaftstrends und internationale Situationen in den Griff zu bekommen. „Bevölkerungspolitik” hätte in Deutschland z.B. schon vor 30-40 Jahren zum Thema werden müssen, ohne Rücksicht auf den vorherigen Missbrauch des Wortes „Volk” durch Adolf; eine Umstellung auf Energiewirtschaft ohne Atomkraftwerke würde 20-30 Jahre halbwegs gleichgerichteter Energiepolitik erfordern; und ob die CIA seinerzeit Saddam Hussein fördern und Osama den Terrorpopanz mitsamt seinen Mannen finanzieren und in der strategischen Sabotage hätte schulen sollen, ist eine Frage, die nur mit Weitblick hätte gelöst werden können, denn die Quittung kam erst 20-30 Jahre später.

 

19.6.2006

Und überhaupt – Rüste deine Feinde auf! Ich denke, diese nette Aufforderung bringt den Wahnsinn ganz gediegen auf den Punkt. Man könnte ganze Bände darüber schreiben, aber was soll’s? Wen der Hafer sticht, der rüstet seine Feinde auf. Die wahre Motivation zu einem solchen Schwachsinn dürfte wohl weit in die Tiefen des Weltraums zurückreichen, weshalb ich darauf lieber nicht eingehen würde, aber die Tatsachen liegen ja deutlich auf der Hand.

 

20.6.2006

Eigentlich sollte ich ja Geld verdienen, im Zeichen des Schweins usw., aber wenn nicht Sinnreicheres meinen Tageslauf dominiert – wenigstens zeitweise –, dann versiegt mir die Energie, um überhaupt weiterzumachen. Hier nun also das Sinnreichere; ich habe das ursprünglich am 5. Mai entstandene Gedicht Selig sind die Nullen (Neufassung hier anklicken) zu einem monumentalen Statement ausgeweitet und das Thema dabei hoffentlich auch für alle reimfreudigen und tiefgründigst mitdenkenden Leser in logischer Folge klargestellt. Es ist noch nicht Schillers Glocke, aber es bimmelt schon ganz ordentlich.

Mal sehen, wie das jetzt rüberkommt. Der Gedankenlyriker schwelgt auf Wolken. Blessed are the poor … in spirit!

Wie wär’s mit Frühstücken, jetzt so ca. um 15:53 Uhr?

 

23.6.2006

Für alle Veteranen als Erquickung zum Sommeranfang: Soldaten der Wahrheit.

Vergessen wir nie, woher wir kamen, wohin wir gehen: Heimatland der Seele.

Es lebe die Heimatseite.

 

24.6.2006

Und außerdem, persönlich erlebt, aber sicher auch Sinnbild für andere:

Abschied und Neubeginn.

 

29.6.2006

Lichtweiber und Dunkelmänner: Wir leben in einer Zeit vorgespiegelter Lichtweiber und mürrischer Dunkelmänner. Die Lichtweiber sind hypnotisch, weil sie von den leuchtenden Kathodenstrahlröhren unserer Bildschirme vorgetäuscht werden, begleitet von blinkenden Zeichen und heimtückisch pulsierenden Elektronen. Auf der anderen, fleischlich-dreidimensionalen Seite dieser zweigeteilten Wirklichkeit sitzen in ihren Sesseln zerquetscht und auf Stühlen verkrümmt die süchtigen Dunkelmänner mit ihren Bierbäuchen und unbequemen Hosen im zunehmend impotenten Halbdunkel ihrer verlotternden Höhlen und lassen sich degenerieren.

Es gab jedoch eine Zeit, in der die Menschen zupackten und wirkliche Schweineställe ausmisteten, um nachher gut gebadet tanzen zu gehen auf grünen Wiesen. Wenn dies kein satanischer Wandel zu einer trübseligen Scheinwelt ist, dann wüsste ich nicht, wo es je einen gegeben haben sollte.

Aber nicht vergessen: Wer’s einschaltet, hat freilich selber dran schuld.

 

30.6.2006

Nachdem die Elfmeterschützen und Torwart Lehmann zum allgemeinen Jubel der Nation die ansonsten etwa gleichstarken Argentinier weggeputzt haben – hier nun ein paar Kuriosa am Wegesrand:

Schlauberger gegen Schauberger – Explosionstechnik kontra Implosionstechnik, mitsamt einer fiktiven Konversation über die sogenannte Zeitbombe, Notizen über Alfred Nobel, DuPont, den Nobelpreis und den mystischen Oberförster Viktor Schauberger, nebst einem Streiflicht auf Heinrich den Kissinger.

Kissing like mad: Kissing, Kissinger, am Kissingsten. Auf nach Bad Kissingen! Blödeling like mad? Tja, die Sommerhitze ... gleißende Sonne und schläfrig-warmes Assoziationspotenzial ... dös, dös, dös! ... darauf ein kühles Blondes ... und ein dreifaches Hoch auf den netten Schrebergärtner, der zu solchen Anlässen auch für den armen Poeten durchaus mal ein idyllisches, luftiges Plätzchen im Schatten bereithält. Ja, und der Fußball ist doch was Wunderbares, man sieht, was geschieht, wenn die Welt sich ganz und gar auf ein freundschaftliches Spiel konzentriert. Da bricht ja der reinste Frieden aus.

 

4.7.2006

Independence Day! Der Tag der Amerikanischen Unabhängigkeit! Wau! Denkfreiheit, Redefreiheit und Demokratie! Freiheit von Tyrannei! Wir sollten ganz bewusst mitfeiern – oder zumindest die Essenz feiern, deren Fortbestand oder Auferstehung wir uns wünschen würden.

Übrigens hätte ich aus diesem Anlass – und zu den Merkmalen des Faschismus – ein paar nennenswerte Notizen beizusteuern: Diskussionsunfähigkeit und der Aufstieg der Nazis (Hitler in München, Stralsund und Berchtesgaden).

 

5.7.2006

Das war zäh gestern abend.

Na, wenn schon nicht Weltmeister: Wenigstens sind wir Papst!

Im Übrigen, prima Gastgeber, fair gespielt und zu den Besten zählend: Ist doch alles fabelhaft.

Darum Freude, schöner Götterfunken!

 

13.7.2006

Bundeskanzlerin Merkel hätte eine Lobeshymne verdient, denn die Galionsfigur der „Freien Welt” draußen auf dem Dorf zu einer Grillparty einzuladen ist wirklich das Therapeutischste, was sie machen konnte. Wenn der normalerweise von scheußlichen schwarzen Hummeln eskortierte „Führer” der „Guten” in frischer Ostseeluft ein Wildschwein anschneiden darf, dann ist er im Siebten Himmel, und das wiederum kommt dem Weltfrieden sehr zugute.

Das ist die wahre Liebe, das ist was zum Anfassen und zum Aufessen, da wird man sich einig, da lässt sich gut reden, da lernt man was Neues, und da versteht man sich.

Bravo!

 

15.7.2006

Meine Mitmenschen sind mit Informationen überflutet – ich auch.

Das macht mir dieses Metier der schriftlichen Mitteilungen nicht gerade einfach, und selbst ich habe allmählich Probleme, noch Neues in mich aufzunehmen – unter anderem deshalb, weil es sich nur noch ganz schwer an einen Empfänger weiterreichen lässt. Das Fließband bleibt stecken.

Wenn ich aber irgendjemandem eine halbwegs gründliche Darstellung eines Sachverhalts schicke – zum Beispiel, um bei einem alten Jugendfreund die verflossenen Zeiten nachzuholen, meine Lebensgeschichte auf eine einzige Seite reduziert –, dann kann schon die Reaktion entstehen, dass es „viel zu viel” gewesen ist. Viel zu viel? Eine Seite ist zu viel? Wahnsinnig viel Text, überwältigend. Das habe ich in letzter Zeit öfters erlebt. Hätte ich einen Zehnzeiler draus machen sollen? Einen Dreizeiler?

Ein junger Mann erzählte mir voriges Jahr, ich sollte mich gegenüber einem jüngeren Mitmenschen auf die knappestmögliche Form der Kommunikation beschränken. Keinerlei Anlass zu einem längeren Gespräch suchen. Eine klare Frage, eine klare Antwort, okay, fein, das war’s. Niemals eine unnötige Frage stellen, niemals eine unnötige Erläuterung abgeben. Die anderen, insbesondere ein junger Mensch, könnten mehr gar nicht verkraften, wollten mehr gar nicht mehr hören, hätten einen enormen Widerwillen gegen alles Überflüssige entwickelt, würden sich offenbar die Ohren zuhalten müssen in dieser ständig informationsüberfluteten Welt.

Das Telegramm war früher eine Ausnahme für den äußersten Notfall; die SMS hingegen, ein paar hingerotzte Worte, das ist jetzt der übliche Kommunikationsstandard.

 

Szene-Pub hipetuk in Hildesheim (1971), am unteren Ende der Schuhstraße. (Foto: Ekk Lory)

 

Jesses Maria! Ich erinnere mich noch gut an die genüsslichen Diskussionsorgien in der langhaarigen Hildesheimer Bier-, Wein-, Schmalzbrot- und Haschisch-Spelunke „hipetuk” zu Anfang der 70er Jahre. Man konnte über ein paar Glas Lambrusco, Samos oder Retsina ohne weiteres sechs geschlagene Stunden lang die Weltpolitik, die angeblich überfällige Revolution, die Bürden der sexuellen Selbstbefreiung und die geistigen Labyrinthe eines Herbert Marcuse erörtern. Man konnte auch mit einem hübschen Mädchen dasitzen und sich sieben Stunden lang, gelegentlich sanft schmusend, in die Augen sehen, sich in den Ozeanen der Liebe verlieren und sich aus diesem Bad der Gefühle und der seelischen Langsamkeit ganz wunderbar erholt wieder ins Getümmel des Lebens stürzen.

Jetzt sieht das alles ganz anders aus.

Anklicken, downloaden, abspeichern? Reinstecken, abspritzen, weiterhasten?

Alles aufs „Wesentliche” reduzieren???

Habt ihr sie noch alle??? Hab ich sie noch alle???

Was kommt denn bei den Leuten eigentlich noch an? Offenbar nur die TAT, das ZEICHEN, das HAPPENING, der bildlich und nahezu sinnfrei vermittelte MYTHOS, die unverblümte ACTION. Lara Croft, Tomb Raider – übrigens ein sehr eindrucksvoller Film. Sage ich, im Hinblick auf den Spaßfaktor und wegen der Kurven und Augen von Angelina Jolie. Bemerkenswert ist allerdings, dass die konkreten religiösen, politischen, historischen und philosophischen Inhalte dieses Films nahezu unbemerkt angedeutet, frei von jeder Logik ins Getöse eingebettet und nicht im Geringsten mit der Frage nach der Wirklichkeit belastet werden. Die Illuminaten werden als ein abstruses Märchen dargestellt, was ihnen freilich nur recht sein kann. Das Denken ist aus der Mode gekommen. Der Mythos regiert.

Schillers Lied von der Glocke? 425 Zeilen? Forget it.

Ich mache darauf aufmerksam, dass in einer derart gehaltlosen, reflexionslosen, diskussionslosen neuen Wirklichkeit leider auch ein neuer Hitler, ein neues Wahnsinnsmärchen oder eine rücksichtslos durchgreifende Weltregierung eine sehr gute Chance haben. Darum hütet euch vor Apokalyptikern, Religionsmissbrauchern, Drogenhändlern, Kreuzzüglern und Lauschangreifern! Pflegt lieber eure Anverwandten, Freunde, Geschichtenerzähler, Kräuterhexen, Weinstubenwirte, Betthasen, Likörkaplane und Ökobauern!

 

18.7.2006

Diese Website feiert Geburtstag: Sie besteht nun seit genau einem Jahr. Kräh!

Und wichtig ist nicht so sehr der Sprecher oder Denker als Person, sondern das was er sagt.

Demnächst geht’s weiter mit einer Abhandlung über den Speer des Schicksals und die Wiege des Lebens, oder: Der Satan und die Übercroft. [Siehe Link unter dem Datum 8.8.2006.] Aber an diesen Themen muss ich noch eine Weile feilen, ich will noch weitere Quellentexte einbeziehen, und im Übrigen habe ich einen kleinen Marathon-Einsatz zu leisten, um profanerweise auch Geld zu verdienen. Das ist doof.

 

19.7.2006

Freiere Geister, mehr Lebensfreude, weniger Dunkelmännertum! Wir leben in einem manchmal fast unerträglichen Spannungsfeld zwischen den Obergewalten und Möchtegern-Obergewalten, den Schwachsinns-Entsorgern und Wahrheits-Neuschöpfern dieser Erde. Da hilft nur noch das Plastische.

Der Sommer ist hartnäckig heiß,

und ein Teil der guten Vorsätze,

ein Teil der großen Gemeinplätze

verdöst sich ganz einfach im Schweiß.

Ein kühles Blondes am Abend

ist sicher erquickend und labend,

doch Katerstimmung am Morgen

bezwingt nicht die irdischen Sorgen.

Ei der Daus, o Schreck, o Graus:

Die nächste Rechnung fliegt ins Haus.

Denn juppheidi, Klabautermann:

Die Schuldenfalle gähnt mich an.

Eine laue Blonde zur Nacht

hätte mich froher gemacht.

Ich sage nicht „heiß”, das wäre brutal:

Aber bitte nicht zweidimensional.

 

23.7.2006

Und hier wieder das Wort zum Sonntag: Die Offenbarung des Aufmüpfigen.

Damit wäre zunächst einmal kompakt in Gedichtform verpackt, was mich dieser Tage beschäftigt, und wer unbedingt noch stärkeren Tobak braucht, findet im Internet und in alten Büchern doch sowieso genügend viel Faktologie.

Jetzt noch ein weiteres Wort zum Sonntag: Herr Liebe trifft Frau Lust.

Reklamesprüche erübrigen sich bei diesem Titel. Ihr werdet euch kugeln.

 

24.7.2006

Jetzt ist mein Digitalfernsehen total funktionsfähig! RTL zur Mittagszeit: Er: „Das war doch kein Sex, Mann, das waren doch grade mal zwei Sekunden.” – Sie, sarkastisch: „Ach so?!” – Moderator, vermutlich zu ihm (!): „Das spricht jetzt aber nicht für dich.” – Und wieso erzählt man sowas im Fernsehen? Na schön, ich (siehe oben) erzähl’s im Internet, aber wenigstens sieht man mich nicht dabei, es ist 35 Jahre her, und die Dame bleibt ungenannt. Hat sich die „Kunst” damit gerechtfertigt?

Nun zu etwas völlig anderem: Da bin ich baff: Potsdam, ehemals Zweite Residenz und wichtigste Garnisonsstadt der Preußenkönige, dient heutzutage als Militärzentrale nicht nur für Deutschland, sondern im Bedarfsfall (soll wohl heißen: im Ernstfall) sogar für militärische Operationen der Europäischen Union! Siehe meinen Beitrag „Die Preußen kommen”. Hoffentlich kommt es ihnen dabei gelegentlich mal. Potzblitz! Es konnte gar nicht anders kommen. In Anknüpfung an veraltete Begriffe wie OHL (Oberste Heeresleitung) und OKW (Oberkommando der Wehrmacht) sind EinsFüKdoBw und EU OHQ (siehe meinen Artikel) wohl die logischste Entwicklung des Neudeutschen Reiches im Zeitalter der militärischen Gleichberechtigung. Nachdem jetzt sogar die Weiblein mit der Knarre rumlaufen dürfen, braucht man sich über die Rehabilitierung Deutschlands als „zarte” weltweite Militärmacht nicht zu wundern.

 

27.7.2006

Und nochmal apropos Sexdoktor und so weiter:

Ich hätte dazu den prägnanten Achtzeiler Sex.doc auf Lager.

Wenn die Welt nun schon so ist, wie sie ist.

 

30.7.2006

Die schlimmste Bombe ist natürlich die Zeitbombe.

Daher mein Wort zum Sonntag: Pazifismus, Kapitalismus, Idealismus ... und der Bandwurm des selbstverschuldeten Übels durch die Zeit. Den Schluss, wenn schon nicht unbedingt den Anfang dieses Artikels, könnten sicherlich einige Kriegsdienstverweigerer gut gebrauchen, aber nur, wenn sie sich auch gut überlegen, welche Dienste sie ihrem Land denn sonst  gern zu leisten bereit wären.

 

3.8.2006

Und hier ist das längst fällige Hexenlob.

 

7.8.2006

„Wir glauben an die Auferstehung des Fleisches”, dozierte gerade ein dänischer Prediger mit Nachdruck, Eindeutigkeit und buchstäblicher Überzeugung im Radio. „Der Leichnam, der ins Grab gelegt wird, wird wieder aufgerichtet werden.”

Das mag er gerne glauben. Ich für meinen Teil glaube an die Wiederkehr des Geistes. Der ins Grab gelegte Leichnam wird verrotten (mal ganz abgesehen davon, dass er heutzutage meistens verbrannt wird), aber der Geist erscheint für gewöhnlich erneut im Fleische.

Macht Liebe, Leute, macht Babys, und zeugt euch, im ewig fortschreitenden Kreislauf der Körper, lustig fortzeugend neue Gestalten für die Zukunft!

 

8.8.2006

Für die fröhlichen Hexen wollen wir mal gleich noch einen drauf geben:

Hexenlust. Diese Verse sind 29 Jahre alt und dementsprechend auch ein bisschen geiler.

Und um jetzt vollends auf den Putz zu hauen, ja um geradezu ein Freudenfest der hintersinnigsten Hintergrundforschung abzufeuern, lasse ich die Katze aus dem Sack mit einer Enthüllungsgeschichte, die ich bereits am 18.7. angekündigt habe:

Der Speer des Schicksals und die Wiege des Lebens, oder: Der Satan und die Übercroft.

Es handelt sich um Notizen und Nachforschungen zur Messias-Erwartung der Theosophen vom Sternenorden 1919, zur Thule-Gesellschaft in den Jahren 1918–1923 und über die Bayrische Räterepublik, nebst reichlich viel Material über einen gewissen Dietrich Eckart, Rudolf von Sebottendorf, die „heilige Lanze” und die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus (mit einigen Fundstücken bei Trevor Ravenscroft), sowie ein paar spinnerte Erwägungen über Lara Croft und die Wiege des Lebens. Alles in allem wohl die irrwitzigste, schnoddrigste und inhaltsreichste Abhandlung, die mir bislang aus den Fingern gerutscht ist.

Ein weiterer Meilenstein auf dem kostbaren Weg des Durchsteigens. Nach dieser Gratwanderung brauche ich bestimmt irgendwas Reales.

 

14.8.2006

Der oben (am 8.8.) publizierte Artikel über den Speer des Schicksals ist inzwischen noch ausgeweitet und zurechtkorrigiert worden.

Außerdem habe ich mir erlaubt, für die armen Leute, die ignoranterweise kein Deutsch können und somit von den Errungenschaften unserer literarischen Kultur ausgeschlossen sind, meine Satire über die Bruderschaft des widerwärtigen Beigeschmacks ins Englische zu übersetzen.

Das Ergebnis ist:

The Brotherhood of Obnoxious Flavor (An acid conspiracy satire).

Komisch, es lässt sich auch recht gut auf Englisch sagen, kriegt aber einen etwas anderen „Beigeschmack”. Da es eine Übersetzung aus dem Deutschen ist, werden gewisse englische Denkmuster und Klischees dabei durchbrochen. Gar keine so üble Idee.

Möglicherweise habe ich nicht alle Tassen im Schrank, mich mit diesem köstlichen schwarzen Unfug zu befassen, aber irgendwo zwischen sieben Musen und sieben Dämonen sehe ich mich in freier Selbstentfaltung getrieben, auf blumige Art meine Zeit zu verschwenden, und es ist ja zumindest eine Art Antwort auf den Lärm, der aus dem Fernsehen schwappt. Offenbar ist der Kühlschrank noch nicht ganz leer. Man kann sich ja immer noch eine Erbsensuppe kochen, nachdem die Finanzämter, wie es heute mal wieder der Fall war, ihren riesigen Happen aus meiner Geldbörse abgekriegt haben.

 

16.8.2006

Das künstlich erzeugte Getöse in der Welt wird benutzt, um nach Möglichkeit unsere Prinzipien aufzuweichen. Ein typisches Beispiel ist die gegenwärtige Diskussion, ob die Bundeswehr im Südlibanon antreten soll, um die Hisbollah und ggf. die israelische (!) Armee in Schach zu halten, ob die deutsche Marine im östlichen Mittelmeer auftauchen soll, und ganz besonders perfide, ob die deutsche Bundespolizei in diesem Krisengebiet zum Einsatz kommen soll. Die Grenzen zwischen Militär und Polizei sollen verwischt werden. Die CSU ist zwar diesmal dagegen, aber Herr Stoiber hat ja umgekehrt schon früher gefordert, die Bundeswehr solle in polizeilicher Funktion im Inland eingesetzt werden.

Sind wir denn noch ganz dicht? Bleiben wir lieber bei unseren Grundsätzen, egal wie viel zweifelhafter Lärm an uns herangetragen wird. Lassen wir, wie man früher so schön zu sagen pflegte, die Kirche im Dorf.

Darum lieber frei von jeder weltlichen „Logik” frischauf und fröhlich zurück ins Heimatland:

Strom der Bilder. Ein Gedicht aus köstlich beseelter Jugendzeit.

 

18.8.2006

Ebenso unpolitisch und einfach schön: Im Rosseparadies.

Meine Erfindung eines Pferdehimmels aus dem Jahre 1977 musste mal wieder neu aufgelegt werden. Denn diese komische Welt, in der wir hier leben, ist ja nicht die einzige. Vergessen wir das nie!

 

21.8.2006

In meinem ausführlichen Artikel über die Thule-Gesellschaft und den „Speer des Schicksals” (siehe 8.8.2006) hatte ich das seltene Wort „Leviathan” benutzt. Sicher werden Sie genauso neugierig sein wie ich, was es eigentlich bedeutet. Daher hier die Erläuterung: Der Leviathan. Ein spannender Ausflug in biblische und philosophische Geschichte.

 

23.8.2006

... und es brodelt und brodelt. Vulkanische Schöpfungsstimmung. Tyrannosaurus Rex lässt grüßen als Ur-Leviathan. Jesses Maria, buchstäblich! Dazu fällt mir nur noch ein abgründig alberner, vierstrophiger Nonsens-Hit ein:

Wer alt wird und nicht bumst,

Bei dem wird auch gerumst.

Ektoplasma schlottert quallig,

Liebeslust wird gelb und gallig.

Beine kneifen steif und schwer,

Träume schießen kreuz und quer.

Okkulti schwefelt, Saurus brüllt,

Der hohle Zahn bleibt ungefüllt.

Wenn mich dann der Hafer sticht,

Verdichtet sich zum Spottgedicht,

Was dort im Dunkeln ständig munkelt

Und grässlich mit Karbunkeln funkelt.

Reine Rasse rülpst und rumpelt

Und wird mit Sozi-Frust verkumpelt.

Ach kotz mich doch der Falke an!

Ich schenk euch das, was ich noch kann.

Machen Sie daraus, was Sie wollen!

 

17.9.2006

Nun ein Statement, an dem ich längere Zeit feilte, und das schlechte Beispiel eines weithin bekannten Würdenträgers vor wenigen Tagen veranlasste mich, die Ecken und Spitzen sorgfältig abzuschleifen: Religionsferne Gotteskrieger (Eine Rückbesinnung auf das Wesen der Religion).

Auf den bitterbösen satirischen Entwurf eines Heldentod-Euthanasieprogramms wollte ich in diesem Kontext nun ebenso verzichten wie auf Heinrich Heines Vision einer Götterdämmerung durch Erfindung des Monotheismus. Und den Augenzeugenbericht über einen Starfighter-Absturz 1971 werde ich als ein separates Streiflicht unterbringen.

Jedenfalls will ich derzeit niemandem zu nahe treten, erst recht nicht all jenen ehrenwerten Leuten, die mit Kalaschnikows oder Duftkesselchen wedeln, oder die sich an Säulen oder auf Türmchen stellen, oder die auf Flugzeugträgern oder in Gremlin-Hallen predigen; gezankt wird eh schon genug.

Aber man darf sagen und erschaffen, was man sich selbst inbrünstig wünscht. Bei aller gebührenden, ohne Mittelsmänner vollzogenen Ehrung und Lobpreisung des Höchsten Wesens, bin ich doch sehr für die Wiederkehr der Göttinnen und Tempelpriesterinnen, nebst fliegenden Untertassen, mystischen Oberförstern und, natürlich, aphroditisch verträumten Malern vom Schlage des Sandro Botticelli – jedenfalls in der Art seiner ersten langen Schaffensperiode, bevor ihm der fanatische Theokrat Girolamo Savonarola den Kopf gewaschen hatte. (Hinterher malte er für den Rest seines Lebens nie wieder eine nackte Frau: der Ärmste!) Außerdem glaube ich an Nastassja Kinski.

Was ich hier nun eigentlich empfehle? Im Grunde nichts anderes als das konsequente Dagegenhalten Ihrer eigenen Träume, Ihrer eigenen Illusionen, Ihrer eigenen Kreationen.

 

22.9.2006

So wie gestern, so geht das immer los, meine Damen und Herren: An einem wunderschönen, strahlend blauen Nachmittag mit der salbungsvollen Ansprache eines Flottenadmirals namens Krause, der in unbefleckter Uniform vom Beginn des Ernstfalles spricht und die mürrischen grauen Kriegsschiffe aus Wilhelmshaven (Will-Helms Hafen!) in weite Ferne entsendet. Ich will keinen Helm! Mit welcher phantastischen Erpressung ist unser braves, blauäugiges Vaterland denn diesmal dazu bewogen worden, sich in einen äußerst ungewissen Einsatz zu stürzen, in einer Krisenregion, mit deren Problemen wir nicht das Geringste zu tun haben? Hatten wir nicht 1945 endgültig genug vom Krieg? Bestand der Auftrag der Bundeswehr („Bundes-Wehr”, verdammt noch mal!), als sie dann trotzdem gegründet wurde, nicht einzig und allein in der Verteidigung des eigenen Territoriums und im Schutz vor Angriffen auf dieses Territorium? Endete dieser Auftrag etwa nicht bei der Verteidigung der Landesgrenzen? Wenn nicht, warum sagen wir dann immer noch „Verteidigungsministerium”? Inwiefern schützt dieses Engagement die deutsche Bevölkerung? In welchem Grade erhöht es für die eigene Bevölkerung das Risiko? Und welche Verrohung der Gesellschaft verbirgt sich hinter dem politisch korrekten Gerede von den „Soldatinnen und Soldaten”? Was haben die Damen da zu suchen? Wer hat uns diesen entsetzlichen moralischen Wertewandel aufoktroyiert?

Anbei ein Beispiel, wie „ernst” der „Fall” bereits in Friedenszeiten sein kann:

Ein Starfighter-Absturz (Herbst 1971 – ein Augenzeugenbericht).

23.9.2006

Der ständige Kampf um das Denken der Menschen ist so alt wie die Welt. Ob die betrogenen Volksmassen sich in ihrer Not und Besinnungslosigkeit, ihrer Anfälligkeit für Mythen und für simple Erklärungen am Ende den Kommunisten, den Faschisten, den Monarchisten oder einer fanatisch interpretierten Religion anschließen, scheint nur eine Frage des Zufalls und des Massenwahns im entscheidenden Augenblick zu sein. In diesem Moment benutzen die Verteidiger oder Erstürmer der Macht gern das Mittel einer krassen Realitätsveränderung, wie etwa die Inszenierung eines Reichstagsbrandes, eines Angriffs auf Pearl Harbor oder des Einsturzes weltbekannter Hochhäuser. Der Schock sitzt dann tief genug, um einer sorgfältig vorbereiteten ideologischen Grundtendenz zur allgemeinen Vorherrschaft zu verhelfen.

 

27.9.2006

Anbei ein aktueller Kommentar zum Thema Byzantinische Zitate und ein zugehöriges Gedicht unter dem Titel Logospuppen im Lieblosland.

 

1.10.2006

Möglicherweise treten wir erneut in ein Zeitalter der Festungen ein.

Es wird so langsam schick, sich zu verbarrikadieren. Die Frage ist bloß, auf welcher Seite der jeweiligen Mauer es sich eigentlich besser leben lässt.

Hier habe ich die Verzweiflung über Barrikaden als dichterisches Stimmungsbild in einem kleinen Prosastück zusammengefasst:

Der Zaun des Schicksals.

 

6.10.2006

Selbst der Edelste oder aufrichtig bemühte Möchtegern-Edelste – kann sich zeitweise in herzzerreißende Bedrängnisse, aussichtslose Kämpfe oder unerklärliche Angriffe verwickelt sehen. Einen Klärungsversuch bietet meine neueste kleine Denkprosa:

Haferstechen im Pali-Kanon. (Buddhismus, Verstrickung und Spielstrategie)

 

19.10.2006

Dieser Satz ist der orgiastische Höhepunkt meines gegenwärtigen Übersetzungsprojekts zum Thema „Projektmanagement”, würde ich sagen: „Activity-related work content is to be performed by means of resources.” Auf gut Deutsch, in der Standardsprache eines ausufernden theoretischen Fachgebiets: „Die Ausführung der vorgangsbezogenen Arbeitsinhalte erfolgt mithilfe von Einsatzmitteln.”

Das gehört in die Sprechblase der Wichtigtuer, die heutzutage um den schuftenden Kuli herumstehen, der die wirkliche Arbeit erledigt.

Man könnte es natürlich anders formulieren. Die Ausführung der Arbeit hat mit den Mitteln vonstatten zu gehen, die dazu da sind. Oder äh ... Die Aktivitäten des Arbeitsablaufs werden mithilfe von Produktionsmitteln vollzogen. Oder äh ... Die anfallende Arbeitsmenge wird unter Einsatz der entsprechenden Ressourcen bewältigt. Oder äh ... äh ...

Man kann auch sagen: „Um einen Graben auszuheben, nimmst du eine Schaufel und gräbst.” Ogottogott! Nur DAS nicht!!!

 

10.11.2006

Jetzt muss ich es doch mal wieder sagen: Von drinnen schaun die Irren raus, von draußen schaun sie rein.  Mehr dazu hier: Das irrsinnig irre Irrenhaus. Mit grimmigen Bemerkungen über die Programmierungsknöpfchen, oder sollte man sagen: Programmirrungsknöpfchen?

Dazu auch eine knappe englische Version: Through the Loony Glass. In einer anderen Sprache entsteht doch stets ein ganz anderer Beigeschmack, ganz besonders wenn's sich obendrein reimt.

Bemerkenswert finde ich übrigens, dass Schiller die Ernennung zum französischen Ehrenbürger im Jahre 1798 mit dem Kommentar quittierte, es sei eine Nachricht aus dem Reich der Toten gewesen. So war es ja auch, aber das bringt eine Empfindlichkeit zum Ausdruck, die nicht ganz mit seinen vorherigen großen Trompetentönen von der Freiheit und vom Beseitigen der Tyrannen zu harmonieren scheint, oder? Natürlich nur deshalb, weil die Folgen des wütenden Freiheitskampfes mit allzu viel Blutaufwischen verknüpft waren. Denn die französischen Freiheitskämpfer hatten sich in Windeseile als neue Tyrannen entpuppt, und das verstieß definitiv gegen die verkündeten Schiller- und Voltaire-Ideale. Deshalb bleiben wir mal ruhig bei dieser grundsätzlichen Forderung: FREIHEIT, aber wenn wir eine Weile überlegen müssen, wie dieses Ziel am besten zu bewerkstelligen sei, dann überlegen wir uns das eben.

 

25.11.2006

Dichter schreiben einsam? Nun ja. Zumindest schreiben sie dann was.

Hier nun endlich eine gediegene Kurzgeschichte oder Murksgeschichte über die Plagen und Plackereien eines vom Einflüsterungs-Dämon geplagten Arbeitssuchenden in der Bundeshauptstadt:

Aristopheles und sein Dämon (Ein seltsamer Vorfall im Arbeitsamt Berlin Mitte).

Für die Freunde des Wortspiels setze ich hinzu: „Mephistopheles” war ursprünglich eine englische Wortschöpfung „Mephostophilos”, gebildet aus den griechischen Bestandteilen „me” (nicht), „phos, photos” (Licht) und „philos” (der Liebende), also „der das Licht nicht Liebende” oder „der Lichtscheue”. Für „Aristopheles” ergäbe sich die Bedeutung „der das Beste Liebende” („aristo” = der/das Beste). Im Übrigen ist es natürlich eine spielerische Vermengung von Aristoteles und Mephistopheles, wenn Sie so wollen. Soviel zum Blick in die Karten des Wortspielers.

 

3.12.2006

Hübsches Zitat für den Kontext der Prieuré de Sion, Da-Vinci-Code, Pierre Plantard, Maria Magdalena und Rennes-le-Château:

„Er [der Dilettant] nimmt das Dunkle für das Tiefe, das Wilde für das Kräftige, das Unbestimmte für das Unendliche, das Sinnlose für das Übersinnliche.” (Friedrich Schiller)

 

8.12.2006

Nach einer Zeit leiser Zweifel an der Publizierbarkeit würde ich nun sagen, es muss doch mit herein, denn die Anbetung der Obszönität ist ein Zeichen der Zeit, und es wimmelt ja in dieser Website auch sonst ganz schamlos von all den Zeichen der Zeit.

Daher nun die kleine Zusammenstellung: Ein Muschi-Hirn tobt sich aus, mit glorreichen Zitaten des hintersinnlichen Playboy-Playmates vom März 1999, Alexandria Karlsen, nebst Tiefgründigem über Franz Kafka und den Kalkül. Eine hübsche obergärige Definition des Pragmatismus rundet den Reigen ab. Sie wissen ja: Altbier ist obergärig.

Die Frage ist natürlich, ob jemand, der Sex auch nur erwähnt, es nachher schafft, von dem Thema wieder loszukommen. Es hat immer was Sumpfiges. Man braucht zehn Pferde, um den Versexten wieder aus dem hungrig schmatzenden Schlamm herauszuziehen, und die guten neuen Stiefel gehen allemal dabei drauf.

Ich bevorzuge die überirdische Sinnlichkeit von Nastassja Kinski.

Im Übrigen weinnachtet [sic!] es schon gar sehr.

 

10.12.2006

Wenn Applaus erzwungen wird, lässt sich nicht mehr feststellen, ob die Zustimmung abnimmt. Dies kann einen plötzlichen Stimmungsumschwung zur Folge haben, sobald das betreffende Publikum nicht mehr sicher ist, dass die Sache im Ganzen gut ist. Welchen Sinn hat der Beifall noch, wenn er zum Ritual wird?

Und lohnt es sich, bekannt, gefeiert oder gar berühmt zu sein, oder ist das alles nur Schall und Rauch?

Mehr darüber in dem Artikel Stehende Ovationen (Applaus als Lustobjekt und Gruselfaktor), an dem ich eine Weile gekaut und gefeilt habe.

 

11.12.2006

Eine kleine Notiz vom Weihnachtsfest 2002 habe ich gerade ausgegraben. Schauen wir mal, welches Medien-Propagandaspektakel wir im Jahre 2006 bekommen! Vor vier Jahren sah ich mich jedenfalls zu folgenden Bemerkungen inspiriert:

KLEINE NOTIZ ZUM KOMMENDEN KAISERREICH:

Es ist immer sehr interessant, was die Öffentlich-Rechtlichen sich fürs Festtagsprogramm aussuchen. Wenn also die meisten vor der Glotze hocken. Im Jahre 2002 beschert uns die ARD am 27. und 28. Dezember zur Prime-Time einen Monumentalfilm über JULIUS CAESAR.

Das passt doch wunderbar zur EU-Erweiterung und zur politischen Philosophie der Merowinger.

Wisst ihr, ich glaube schon seit langer Zeit, dass (fast) gar nichts dem Zufall zuzuschreiben ist.

Also dann, liebe Neurömer, gürtet eure Lenden, schnürt eure Sandalen, pflegt euren Pottschnitt, legt die Rüstung an und lernt wieder, im Karree zu marschieren, denn das (frankogermanische? US-amerikanische?) Kaiserreich auf Erden ist nahe herbeigekommen.

Der neue Wahlspruch, meine lieben Herrschaften, lautet:

Cunctator moribundus, redit imperator Romanorum ad maiorem pecuniae gloriam.

So weit reicht mein Latein gerade noch, um mir den obigen Spruch zusammenzuschustern. Was ich damit sagen will, lautet auf gut Deutsch (oder können Sie noch Latein?):

"Des Todes ist der Zauderer, es kehret zurück der Kaiser der Römer, zum höheren Ruhme des Zasters." - Ein gewisser Silvio DeMafio aus der Nudelregion und ein gewisser Graf Davignon verkörpern doch diesen neuen Typus bereits sehr eindrucksvoll.

Eine passende Antwort hierauf wäre meines Erachtens:

Tum tua res agitur paries cum proximus ardet.

Das bedeutet angeblich: "Dann steht deine Sache auf dem Spiel, wenn des Nachbarn Wand brennt."

Denn so ist es doch, in mehr als nur einem Sinne. Latein ist eine schöne Sprache, präzise und dann doch wieder so verspielt wie ein nachmittägliches Rätselraten. (EJ, 19.12.2002)

Noch schöner ist Sanskrit. Aber wie gesagt, passen Sie auf, was Ihnen das Fernsehen zum Weihnachtsfest 2006 unterzujubeln versucht! Hoffentlich keinen Weltuntergang; in diesem Falle können Sie aber einfach die Zustimmung verweigern!

 

 

20.12.2006

Französischer Spruch: Ce que femme veut, Dieu le veut.

Das heißt: Der Wille der Frau ist der Wille Gottes.

Eine andere Version ist Ce que femme veut, Dieu en tremble = Was eine Frau will, davor zittert Gott.

Es erinnert mich auch an Martin Bormanns Antwort auf die Frage seines Sohnes, was Nationalsozialismus eigentlich sei. Bormanns Antwort, lapidar und mystisch treffend: Nationalsozialismus, das ist der Wille des Führers.

So sagt man ja auch: Was eine Frau will, muss geschehen, und sollte das Wasser den Berg hinauffließen. Oder: Was eine Frau will, setzt sie durch.

Die Italiener kommen zu dem Schluss: Was du nicht haben kannst, beschimpfe!

Daher wohl die Fülle an giftigen Sprüchen.

Damit genug zur guten Nacht ...

 

27.12.2006

Und nun bricht mal wieder die Sehnsucht durch: Zum Jahresausklang ein Gedicht über Schmetterlinge und unsterbliche Hippie-Seelen, mitsamt dem nötigen Gemotze gegen Umweltverschmutzer:

Sehnsüchtig seufzen die Sylphen.

 

 

Andere Jahre: Archiv 2009 -- 2008 -- 2007 -- 2005.

Für das laufende Jahr siehe die AKTUELLE HEIMATSEITE

 
 

 

Text dieser Seite: Copyright © 2006 Eckehard Junge. Alle Rechte vorbehalten.

- Foto vom Hipetuk (Hildesheim) mit freundlicher Genehmigung von Ekkehard Lory, St. Gallen.

- Gebirgsfoto mit freundlicher Genehmigung von Martin Jahn, München.

- Erwin Rommel bei der 15. Panzerdivision (Ausschnitt): U.S. Library of Congress (Public Domain)

- Schnabelglotzer-Artwork: Eckehard Junge