Phantastische Heimatseite • Archiv 2012 •
 - von Eckehard Junge, Denker und Dichter -

Courtesy of the artist, Hendrik van Oordt

Was wäre, wenn ...

A: „Ist ja ekelhaft! Du scheinst alles lustig zu finden!“

B: „So weit wie möglich ...“

A: „Und was machst du, wenn du im Rollstuhl sitzt und draußen alle Häuser brennen?“

B: „Dann mache ich das, was ich immer mache, wenn ich im Rollstuhl sitze und draußen alle Häuser brennen.“

A, missmutig: „Und was wäre das?“

B, sachlich: „Das wird mir dann schon wieder einfallen. Kommt ja nicht so häufig vor.“

---------------

A: „Hier steht, es gibt in Südamerika einen Pilz, von dem man nur einen winzigen Brocken zu kosten braucht, dann gehen sofort die Symptome los, nämlich Aufschrei, zu Boden stürzen, Schaum vor dem Mund, krampfhafte Zuckungen und Exitus.“

B, belustigt: „Ja, und?“

A: „Das findest du komisch?? Was würdest denn DU machen, wenn dir jemand aus Versehen einen solchen Pilz
ins Essen getan hat?“

B: „Das kann ich dir ganz genau sagen.“

A, verärgert: „Und was wäre das?“

B, genüsslich: „Dann würde ich aufschreien, zu Boden stürzen, Schaum vor den Mund kriegen, krampfhaft zucken und einen Exitus machen.“

Und alle Jahre wieder ... Prügelei zwischen Geistlichen in Bethlehem

28. Dezember 2012: Christliche Priester verschiedener Konfessionen kloppten sich zu Weihnachten wie gehabt in Jesu Geburtskirche zu Bethlehem, berichtet Reuters. Das unwürdige Spektakel, das beim Reinemachen als bitterer Territorialkampf auszubrechen pflegt, ist ja schon allgemein bekannt. Es hat „Tradition“. Das Video des aktuellen Vorfalls (Prügelei in Jesu Geburtskirche 2012) lässt vermuten, dass die palästinensische Polizei schon bereitstand, um dazwischen zu fahren, als armenische und griechisch-orthodoxe Geistliche mit Besen bewaffnet aufeinander losgingen. Frohe Weihnachten, Friede auf Erden usw. Die kriegen das nicht in den Griff, diese Narren; Jahr für Jahr beweisen sie ihre Unfähigkeit, selbst dort am angeblichen Geburtsort Jesu zum christlichen Fest den Frieden zu wahren. Das armenische und das orthodoxe Weihnachtsfest wird in der ersten Januarwoche gefeiert. Sowohl die armenische als auch die orthodoxe Kirche rekrutieren ihre Geistlichen für diesen heiligen Ort typischerweise in winzigen, abgelegenen Dörfern Griechen­lands und auf dem übrigen Balkan, wo Christen (und Muslime) sich seit tausend Jahren gegenseitig abmurksen. Friedliche Koexistenz mit „Ketzern“, zudem auf engem Raum, wo sie die kostbaren Artefakte und Räumlichkeiten ihres Glaubens miteinander teilen müssen, haben sie nicht gelernt. So siegt die Engstirnigkeit von Zeit zu Zeit über die innigst gehegten Ideale, oder die Ideale befeuern eben ganz krude, primitive Instinkte.

UFO über Bugarach!

24.12.2012: Versehentlich wurde am 21. Dezember 2012 (Sie erinnern sich? Weltuntergang?)

im deutschen Fernsehen tatsächlich ein UFO über dem Pic de Bugarach gezeigt. Man sieht,

die Wahrheit lässt sich trotz des üblichen Blödelgesülzes nicht länger verheimlichen:

 

UFOs über Bugarach?

20. Dezember 2012:  Bis jetzt hatte ich da keinen Zusammenhang gesehen, aber offen­bar streben Hunderte und Aberhunderte besorgter Menschen zu einem Berg in Südfrankreich, dem Pic de Bugarach (oder Pech de Bugarach) (links), der überhaupt nicht weit von dem sagenumwobenen Dörf­chen Rennes-le-Château entfernt ist, das in den mysteriösen Lügenmärchen von Pierre Plantard und auch in dem Bestseller Der Heilige Gral und seine Erben (1982) eine Hauptrolle spielt. Ob es den Leuten wohl schwer fällt, das Wort „Weltuntergang“ richtig zu verstehen? Ich meine, wenn morgen die Welt unterginge (was ist die Welt?), dann könnte man sich auch an einem Berg im Vorgebirge der Pyrenäen nicht festhalten. Die alarmistische Interpretation der Maya-Prophezeiungen ist freilich eh schon sehr an den Haaren herbeigezogen, und die Maya wussten nichts von diesem Berg (auch nichts vom Weltuntergang). Aber es steckt noch mehr dahinter; die Armageddon-Pilger meinen, dieser Berg, der dem Vernehmen nach dem Berge Sinai ähnelt, sei eine Art Garage für außerirdische Flugkörper, und die lieben Aliens (rechts) würden dann im letzten Augenblick gern ein paar Auserwählte mitnehmen und in Sicherheit bringen. (Wie jetzt, etwa um an den letzten Exemplaren unserer Spezies herumzuexperimentieren und/oder sie auf einer anderen Welt oder auf einer leergepusteten Erde quasi als Adam und Eva wieder auszusetzen? Oder um sie irgendwo in einem interstellaren Zoo vorzuführen?) Allerdings stelle ich jetzt fest, dass bereits 2006 im höchst kuriosen EFODON-Archiv ein faszinierender Artikel über UFO-Phänomene und Höhlensysteme am und im Pic de Bugarach erschien: Thomas Ritter, Das Geheimnis des Alten Berges. Ufos über Rennes-le-Château. Schauen Sie mal rein! Die Website stammt von EFODON e.V., der „Europäischen Gesellschaft für frühgeschichtliche Technologie und Randgebiete der Wissenschaft“. Man kann jedenfalls sagen, es bleibt spannend, auch ohne dass gleich ein Weltuntergang nötig wäre, um uns die Langeweile zu vertreiben. Aber insgesamt gilt doch wohl: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Frohe Weihnachten!

Vilhelm Kyhn (1819-1903), Fra egnen ved Himmelbjerget (Aus der Gegend um den Himmelberg)

Gott oder der Urgrund

16. Dezember 2012: Das Lesen ist nicht ganz abgeschafft. Lesen tun die Leute auch heute, aber möglichst Kurzmitteilungen. Die sind alle im Kapierstau – überfordert durch allzu viele Infos via allzu viele Medien. Auch sind sie gezwungen, sich ihr Urteil viel zu schnell zu bilden. Rasantes Tempo, zack, zack, zack, so als ob dauernd aus allen Richtungen Bälle hereinstürzen, die man abschmettern muss. Ich muss leider zugeben, ich habe meinen eigenen Kapierstau, wenn es um die größeren Zusammenhänge geht. Irgendwie hat all die Weisheit und Entdeckerfreude mehr neue und größere Fragen für mich aufgeworfen, als sie gelöst hat; oder meine persönlichen Antworten in Bezug auf das Selbst, die Liebe, den Gruppen­wahn, etwaige Menschheitsziele, Geister, Dämonen und Gott sind für meine langjährig geistesverwandten Wegbegleiter nicht mehr verdaulich, et cetera. Am Ende droht, wenn die große Klappe auf bleibt, womöglich die Durchlö­cherung mit schlanken Blechdosen auf einem öffentlichen Platz. Und was die Menschen letzt­lich mit Technologie anfangen werden, selbst wenn sie als Ergänzung zum Ingenieurwesen eine gute "spirituelle" Technologie kennen lernten, bleibt ein ernstes Fragezeichen.

Trotz allem hätte ich zwar eine Menge gute Antworten auf das drängende Verlangen einiger Mitmenschen nach übergeordneter Wahrheit auf Lager, aber das geht nicht so über schriftliche Kurzmitteilungen. "Gott oder der Urgrund des Seins ist für mich die einzige ursprüngliche Antwort, die in allen Lebensberei­chen alles intuitiv glättet und erklärt." Da, dieser Satz von mir würde sogar fast (!) in die moderne Tyrannei der Twitter-Kurznachrichten hineinpassen, die niemals 140 Zeichen überschreiten dürfen. Wir müssen uns angeblich alle kürzer fassen, sogar diejenigen, die bislang schon durch Prägnanz glänzten. ABER in Wirklichkeit gelangen wir zum simplen kurzen Schlusssatz erst am Ende, nämlich nach gründlichem Durchschreiten der Komplexität. Pfüat di.

  

Seher im Irrlicht

Wenn alle beginnen, laut zu denken,
dann denkst du lieber leise.
Wenn alle sich wie bescheuert gebärden,
verhältst du dich lieber weise.
Wenn Großmärkte Zyankali verschenken,
trink selbstgemachte Brause.
Wenn Guru-Schergen wütend werden,
geh still und ruhig nach Hause.

Wird deine Hingabe sinnlos verschwendet,
dann arbeite nur noch für Geld!
Wenn Weltretter dich nur opfern wollen,
dann pinkle doch mal auf die Welt!
Ein zierliches Reh, das vor Kälte verendet,
verdient deine wärmende Zuneigung eher
als geistig und ideologisch verblendet
ein vom Irrlicht genarrter Seher.

Kannst du dich noch der Liebe entsinnen?
War schön, ist aber lange her.
Ein seliger Ozean der Gefühle
und luftig leicht, nicht wollüstig schwer.
Doch leider eiltest du stürmisch von hinnen,
denn Alles umfassend, wolltest du mehr.
Harte Genossen und beinharte Spiele
verdarben den Sinn für Wo, Wie und Wer.

Irgendwo im Akazienhonig,
in Alterssehnsucht und Portweinrausch
im Innersten deiner Seele, da wohn ich
und warte auf dich zum gefühlvollen Plausch.
Hab dich nicht vergessen,
hab dich nicht entmachtet,
bin immer noch die,
die auf dich achtet.

       -- Eckehard Junge, 17. Oktober 2012

Und hier ein paar Verse, die nicht von mir sind, aber recht gut passen:

Alles eilt von hinnen

Einsam steh'n des öden Tempels Säulen,
Efeu rankt am unverschlossenen Tor,
Sang und Klang verstummt, des Uhus Heulen
Schallet nun im eingestürzten Chor.
Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,
Schon enteilt im langen Strom der Zeiten
Bischofshut und Siegel, Ring und Stab
In der Vorwelt offenes Grab.

Nichts ist bleibens, alles eilt von hinnen,
Jammer und erhörter Liebe Glück.
Unser Streben, unser Hoffen, Sinnen
Wichtig nur für einen Augenblick.
Was im Lenz wir liebevoll umfassen,
Sehen wir im Herbste schon verblassen,
Und der Schöpfung größtes Meisterstück
Sinkt veraltet in den Staub zurück.


-- A. E. Hermann (1810); lange Zeit Schiller zugeschrieben

Nadeschda Tolokonnikowa auf dem Weg ins Kittchen

Jetzt aber mal Schluss, N24!

Hitler, Militarismus und Abschaffung des Menschen? Wir wollen leben!

Siehe auch die Warnung des genialen alten Barden: http://www.songtexte.com/songtext/reinhard-mey/sei-wachsam-3bda04d0.html

3. Oktober 2012: Ein paar beiläufige Gedanken zum deutschen Nationalfeiertag ... Ich würde gern mal wissen, wer den Sender N24 dafür bezahlt, seit vielen Monaten nahezu rund um die Uhr den Weltuntergang oder zumindest die Einwilligung der Lemminge in ihre drastische Dezimierung zu suggerieren, oder um es auf Deutsch zu sagen: das Bewusstsein der Zuschauer schleichend, aber sicher mit Massentod und Völker­mord anzufüllen. Diese antideutschen und anti­menschlichen Absichten schlagen sich im N24-Programm als unablässige Adolf-Hitler-Show, immer bunter und plastischer werdende Weltkriegs-Erinne­rungen, ständiges Auftrumpfen mit Kriegsgerät und Kampftechniken, Söldner-Verherrlichung, Atombom­ben und Asteroiden-Einschlägen nieder. Man bewun­dert Flugzeugträger, Tsunamis, Neonazis in Russland oder den USA, wachsende Gefängnispopulationen (alle Menschen werden Brüder: Knastbrüder), Jagdbomber, Schiffsuntergänge und Planeten-Kollisionen. Um die Absichten der illuminatischen Neuen Weltordnung philosophisch zu untermauern, gibt es unbegreiflich pessimistische Sendungen über einen gigantischen Bevölkerungsrückgang im 21. Jahrhundert ("Der Tag, an dem es zu viele Menschen gibt") – oder ganz platt und unverblümt über die "Zukunft nach den Menschen" – ohne zu erklären, wie die Menschen denn so plötzlich verschwunden sein sollen. Wurden sie fundamentalistisch entrückt und direkt in Himmel und Hölle teleportiert – die meisten dann wohl in letztere? Hat jemand eine unglaublich wirksame Neutronenbombe gebaut, die nicht nur alle tötet, sondern sie auch in Luft auflöst, sodass es nicht mal ein Verwesungsproblem gibt? Und gibt es dann irgendwo noch jemanden, der sich sadistisch darüber freuen kann, weil er einen materiellen Nutzen daraus zieht? Oder soll allen alles egal sein? Es ist nicht nur der Sender N24, aber da geschieht es am deutlichsten. Angesichts der katastrophalen deutschen Geburtenraten würde ich sagen, wir tun schon genug für die Reduzierung der Weltbevölkerung! So will ich denn Hermann den Cherusker anrufen, dass er uns endlich aus dem Wald herauströtet. Allerdings wäre diesmal nicht Waffengebrauch wie anno Schnee zu empfehlen (gegen wen auch eigentlich?); sondern durch Vernunft, Souveränität und Unabhängigkeit möge das Blatt sich wenden. In der Praxis gehört dazu wohl auch ein konsequentes Verbot aller abstrakten Finanzspekulationen (nie wieder "Derivate"!).

 

Cherusker: "germanischer Volksstamm im Wesergebiet zwischen Teutoburger Wald und Harz. Seit 4 n. Chr. unter römischer Oberhoheit, erlangten die Cherusker unter Führung von Arminius [= Hermann] 9 n. Chr. im Kampf gegen Varus und 15/16 gegen Germanicus die Unabhängigkeit wieder." (Brockhaus 2002)

Unterdessen gackert Hillary Clinton dämonisch bei dem Gedanken, Tod und Verwüstung über das iranische Volk zu bringen (siehe Videoclip unten, mit Untertiteln). Ist ja auch irre witzig, wenn man zusammen mit einem gruseligen, steinalten Amtsvorgänger (James Baker) im Interview sitzt, der offenbar glaubt, er habe nichts mehr zu verantworten und dürfe ungestraft zum Massenmord auffordern. Da bricht plötzlich die eigene Kriegsbegeisterung in einem hässlichen Gelächter hervor. Interessant auch die martialische Logik, die unsere immer gespenstischer anmutende Hillary bei den iranischen Hardlinern gelernt haben will: dass man nämlich einen Angriff geradezu provozieren solle, weil dann das eigene Regime gerechtfertigt sei und praktisch unbegrenzt an der Macht bleiben könne. Redet sie da von den Persern, oder ist diese Methode nicht eher typisch für die Politik der US-Drahtzieher? James Baker legt gleich noch einen drauf und bestätigt unbewusst-logisch: "Deshalb sage ich ja: Wenn es jemand machen sollte, dann wir, weil wir dazu in der Lage sind." Hillary: "Und hoffentlich kommt es nicht dazu. Ich meine, das wäre ... äh ... das wäre ... äh ..." Ganz genau, das wäre äh. Aber der Präsident lässt ja alle Optionen auf dem Tisch. Der Präsident, das ist bekanntlich jener wunderbare Friedensnobelpreisträger, der schwitzend im Situationsraum sitzt und Mordbefehle unterzeichnet, die per Fernbedienung mit Drohnen auf pakistanischem Territorium ausgeführt werden, also ohne Kriegserklärung in fremden Ländern, Obama als globaler Richter, Henker und Gesetzgeber in einer Person. Ich verstehe zwar den paradoxen Charakter vieler Weltprobleme, aber man mache sich wenigstens nichts vor. 

 

26. September 2012: Entfremdung oder Entartung? Wie kriegen wir es eigentlich hin, unserer Bestimmung gerecht zu werden? Neulich hörte ich die nachdenkliche Frage, "wann man denn endlich dazu kommt, das zu tun, wofür man geboren ist?". Sind wir entfremdet in unserer Pflicht, oder sind wir entartet, wenn wir ihr zu entfliehen zu suchen? Ist es unsere wahre Pflicht, dem Korsett unserer gewachsenen Aufgaben zu entkommen und uns selbst zu verwirklichen? Oder ist uns einfach die gesunde Demut früherer Zeiten abhanden gekommen? Immerhin hat der Mangel an klassischem Pflichtbewusstsein schon dazu beigetragen, dass Deutschland aufgrund einer extrem niedrigen Geburtenrate entvölkert wird, jedenfalls wenn wir nicht zuwandern ließen. Vielleicht sollte sich Frau Merkel einmal im Beisein ihrer Vorgänger Schröder und Kohl mit der chinesischen und der indischen Regierung zusammensetzen, um zu erörtern, wie wir es hingekriegt haben, die deutschstämmige Bevölkerung zu reduzieren, ohne den Leuten zur Strafe fürs Kinderkriegen eins über den Schädel zu braten. Das ist doch ein exportwürdiges Produkt, oder? Bevölkerungsreduzierung für Fortgeschrittene. Welche antigermanische sozialpsychologische Verschwörung hinter den Kulissen hat uns dabei geholfen? Könnte ja auch sein, dass es sein Gutes hat. Aber nicht, wenn wir allein von der Erdoberfläche verschwinden! Haben wir die besseren Lemming-Instinkte und wissen, wann unsere Zeit gekommen ist!? Nur mal so zum Nachdenken.

19. September 2012: Die nachfolgende Kunstprosa über „den, dessen Name nicht fallen darf“ (unter dem Foto vom Abendhimmel) , ist nicht als Gotteslästerung gedacht, denn über Gott und den Gottesbegriff dürfen wir ja in den meisten Ländern und Religionen frei sprechen. Hier geht es vielmehr um eine Götzenlästerung, anwendbar auf verschiedene Herrschaftsformen, in denen die Redefreiheit empfindlich eingeschränkt ist. Man bemerkt vor allem, dass der Herrscher einen unheilvollen Kultstatus genießt und höchstens noch flüsternd und ehrfürchtig, aber niemals laut, deutlich und kritisch erwähnt werden darf.

Der, dessen Name nicht fallen darf

Hütet euch vor dem nachtschwarzen Lenker,
den niemand beim Namen zu nennen wagt,
denn er, dessen Name nicht fallen darf,
nicht ohne subtile und fiese Bedrohung,
geahnte Gefahr für das Leibesheil
oder das kostbare Heil der Seele,
er, dessen heilige, himmlische Größe
jeden Zweifel grundsätzlich verbietet,
alles kritische Denken im Keim erstickt,
dieser listig Unnennbare hüllt euch in Nebel,
lässt euch niederknien in stummer Ehrfurcht,
verkauft euch angeblich die Ewigkeit,
die doch sowieso euer Eigen ist,
und die ihm nicht als Ware gehört,
die gerade er nun verkaufen könnte ...

Dieser kaum noch erwähnbare Satan,
der Unbelangbare, Unabsetzbare,
der euch beglotzt mit surrenden Augen,
verkauft euch eine lädierte Zukunft,
die ihr nach dem jetzigen Stand der Dinge
euch selbst viel besser erschaffen könntet;
systematisch verschlechtert er euer Gewissen
mit hochfrisierter Gedankenpolizei,
mit lachhaften Schniedelproblemen
und tödlichen Attacken auf eure Fruchtbarkeit,
und lässt euch endlos dafür beichten
und Schwindel erregenden Ablass zahlen,
erbaut euch leere Paläste und bringt euch Kummer,
liefert nicht das, was versprochen war,
hat keine Ahnung von dem, was ersehnt war,

 

zerstört das innige Band der Familie,
lässt Kinder und Eltern einander verpfeifen,
missbraucht eure Spenden und schlaflosen Nächte,
heißt euch demütig schuften bis ins Grab,

errichtet Barrieren im Fluss der Gedanken,
entzieht sich der sachlichen Kraft der Debatte,
verschwendet die Früchte eurer Arbeit,
tritt rüpelhaft euer Lebenswerk mit den Füßen,
zieht euch den letzten geborgten Groschen
aus euren mit Bärenringen durchbohrten Nasen
und macht sich lachend davon,
nachdem er die besten Helfer verprügelt
und Gründungsväter und Gründungsmütter
nebst Töchtern und Söhnen und Kindeskindern
hinausgeekelt, entmachtet, verleumdet,
mit Maulkörben grimmig zum Schweigen gebracht
und für den Rest ihres Lebens entehrt hat.

Macht, was ihr wollt, aber fangt an zu sehen,
fangt an zu lesen und selber zu denken,
beginnt zu reden und pflegt den lebhaften Austausch,
denn sonst kommt wirklich die finstere Zeit
und das finstere Reich der totalen Kontrolle
des Denkens und Handelns, des Wollens und Fühlens,
das krasse Gegenteil eurer Ziele,
die Fesselung eurer Macht,
die Vernichtung des Humors,
die Zerstörung der Liebe,
das Ende des Wissens,
der feuchte Traum des Großen Diktators
und weltweit keinerlei Aussicht auf Rettung
aus Zwangsjacken tückisch missbrauchter
Technologie.

 

Geheimnisse über Geheimnisse

 

Wenn Sie zu den Eingeweihten gehören wollen, kommen Sie irgendwann nach langen Prüfungen und Vorbereitungen an die letzte Geheimtür zum Allerheiligsten – so jedenfalls sind Sie indoktriniert –, und dann erfahren Sie endlich DAS große Geheimnis. Natürlich könnte das größte Geheimnis darin bestehen, dass es eigentlich gar kein Geheimnis gibt und dass jener letzte Altarraum vollkommen leer ist. Aber die Tradition der letzten Enthüllung, die Ihnen zuteil werden könnte, wenn Sie brav und vielleicht sogar  (würg!) keusch bleiben, kann auf eine lange und blühende Geschichte in den unterschiedlichsten Geheimgesellschaften, esoterischen Vereinen, Vordenker- und Nachmacher-Kultgemeinschaften, Religionsvereinen und Weisheitszirkeln zurückblicken.

So etwas passt vielen Menschen heutzutage nicht. Sie wollen die Weisheit lieber billig und reichlich mit Schöpflöffeln fressen; oder nachdem sie gemerkt haben, dass es jetzt eine viel zu große Informationsflut gibt, wollen sie das letzte und größte Geheimnis, gern in wenige Worte verpackt, jetzt und sofort an den Kopf geknallt kriegen, sonst glauben sie, dass ihnen jemand auf unzulässige Weise etwas vorenthält. Die Rätsel des Universums sollen in einer kurzen SMS beantwortet werden. Natürlich ist das unsinnig, denn jeder kann sich nur Schritt für Schritt vorwärts arbeiten, wie es seinem Wesen und seinen Fähigkeiten eben gemäß ist. Aber die Augen sind heutzutage größer als der Mund, will sagen: die Wissbegierde ist größer als das Fassungsvermögen.

In der Tat scheinen Gurus, Kultisten und Okkultisten diese Schnellimbiss-Marotte auf dem Weisheitsmarkt gelegentlich mit sehr kurzen Sprüchen zu befriedigen. Früher machten sie mir damit Angst; heute hingegen, nachdem ich mich durch reichlich viel Material durchgewühlt habe, lässt sich die Essenz dieser allzu knappen, ultraketzerischen Kernaussagen beschwerdefrei auf die Schnelle wiedergeben, um den Neugierigen einfach mit der Tür ins Haus zu fallen. Dann haben wir es hinter uns.

Im Grunde läuft es nämlich ungefähr auf das Gleiche hinaus. Am simpelsten sind die Statements, die nur drei oder vier Wörter umfassen und gern eine Verknüpfung mit dem schillernden Wörtchen „ist“ enthalten, was ja auch in der politischen Trickkiste gelegentlich vorkommt, so wie Rudolf Heß einmal rief: „Hitler IST Deutschland! Deutschland IST Hitler!“ Völlig verrückt, aber es wirkte. In einem ansonsten sehr viel informativeren Bereich, nämlich im Bereich der Religion, wird die undifferenzierte Gleichsetzung ebenfalls gern benutzt. Man muss sich im Einzelfall fragen, was eigentlich gemeint war und ob man die Aussage konkret gebrauchen kann.

Da heißt es dann zum Beispiel „Das bist du.“ (Upps! Einer der großen vedischen Leitsätze: im Original „tat tvam asi“.) Das ist, oberflächlich betrachtet, der älteste und auch der neumodernste Schrei der Weisheit, man zeigt auf die Welt und überwältigt (oder überweltigt) den Adepten mit dem Satz: „Das bist du.“ Hm, tja, „das“ ist ein ziemlich großer Happen. So schnell kann der zaghafte Sucher sich selbst oder seine geistigen Flügel unmöglich auf alles ausdehnen, es sei denn, irgendeine Automatik macht plötzlich klick und er verschmiert sich auf den ganzen Kosmos, womit er wahrscheinlich auf sehr schmerzhafte Weise seine eigene Identität verlieren würde. Es klingt aber zunächst sehr eindrucksvoll. Wahr ist, dass sich kaum feststellen lässt, wo die eigene Haut aufhört und die Umwelt genau anfängt; die Grenzen sind fließend, im Übrigen atmen und essen und schwitzen wir und scheiden allerlei aus, und die Atome, aus denen unser Körper besteht, kommen von sonstwo her; alle sieben Jahre ist der größte Teil tatsächlich ausgetauscht worden. Außerdem ist die Vereinzelung, die Absonderung, die Individualisierung der Einzelseele, die sich aus der Welt immer weiter zurückgezogen hat und die nun vielleicht irgendwo am Monitor sitzt und mit einem weit entfernten, anonymen „Partner“ die gemeinsame Selbstbefriedigung oder dergleichen betreibt, ein durchaus schmerzhaftes Phänomen und vielleicht erinnert uns der genannte Aphorismus daran, dass es früher mal bessere Zeiten gab und die letzte Wirklichkeit doch immer noch dieselbe ist. Dieses „Das bist du“ kann man also durchgehen lassen, doch merken wir schon, dass wir einige tief schürfende Überlegungen dazu anstellen müssen, sonst ist da nichts herauszuholen. In der Tat müssen wir fast alles selbst hineinstecken oder hineindeuten. Wieso? Na, ganz einfach, weil das du bist, oder? Ist doch logo.

Es gibt aber zum „tat tvam asi“ eine tiefgründigere (und in der Mystik viel typischere) Interpretation als nur eben diese, dass die Außenwelt identisch sei mit dem Ich. Die sogenannte Advaita-Interpretation erklärt den Spruch so, dass „das eigene Selbst in seinem reinen und ursprünglichen Zustand gänzlich oder teilweise identisch ist mit der Ultimativen Realität, die Boden und Verursacher aller Phänomene ist. Das Wissen (Jnana), dass dies so ist, bestimmt die Erfahrung von Moksha (Befreiung) oder Heil, das die Mystische Vereinigung begleitet.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Tat_Tvam_Asi; dort finden Sie auch Textlinks zu weiteren einschlägigen Definitionen.) Das leuchtet unmittelbar ein, und da nickt auch sofort der gute alte Meister Eckhart im deutschen Mittelalter, der ungefähr die gleichen Ansichten hatte und sie in christlich klingende Worte kleiden musste, um nicht sofort ein hübsches kleines Fegefeuer auf sich zukommen zu sehen. Genauer gesagt, Meister Eckhart sah sich genötigt, die „Ultimative Realität, die Boden und Verursacher aller Phänomene ist“, im einzigen erlaubten Jargon seiner Zeit als „Gott“ zu bezeichnen und den göttlichen Funken im Menschen, d.h. die Einzelseele, gar bildhaft mit Jesus gleichzusetzen. Wenn man das heute aus der Sicht einer vergleichenden Religionswissenschaft betrachtet, macht das alles Sinn. Es gibt einen anders lautenden indischen Spruch aus der Katha Upanishad, nämlich „etad vai tat“ (Dieses ist das), der im Westen ebenfalls manchmal zitiert wird. Auch hier könnte man zunächst meinen, man stünde vor einer schwammigen Verallgemeinerung und jemand hätte unsinnigerweise behauptet, das eine physikalische Objekt sei dasselbe wie ein anderes, die Vase sei der Tisch oder so, jedoch verweist auch diese Aussage in ihrem Kontext darauf, dass man das Selbst nicht durch die Sinne suchen soll, sondern dass die Einzelseele eins sei mit dem Universellen (nicht mit dem Universum, sondern mit dem Universellen). Das hilft natürlich nicht viel, wenn Sie gerade den Müll runterbringen müssen, aber es könnte helfen. 

Schön und gut, eigentlich wollte ich hier nur ein paar ultimative Geheimnisse erwähnen, die mir gelegentlich unterkamen, einfach weil diese Dinger ein bisschen vom Sockel gerissen werden müssen und weil man sich ihnen nicht mit Ehrfurcht, sondern mit der eigenen Denkfähigkeit und unter Beachtung des Kontextes nähern sollte. Wir sehen schon, dass mehr dahinter steckt. Bei Meister Eckhart kommt die gleiche Aussage mit westlicher Intellektualität daher und scheint sich nun auf den „Intellekt“ zu beziehen, worunter aber doch nichts anderes als das immaterielle Geistwesen zu verstehen ist, wenn nach Eckharts Interpretation laut Brockhaus „der Intellekt mit der Dingwelt nichts gemein haben kann, um sie erfassen und durchschreiten zu können. Wenn der Intellekt (das so genannte »Seelenfünklein« [»scintilla animae«]) aufhört sich mit den Dingen zu verwechseln, wenn er sich loslöst von allen Fixierungen, auch auf das Ich, die Tugend, den jenseitigen Gott und den Himmelslohn, vollzieht er die Einheit mit dem Weltgrund, in der er an sich immer steht.“ (Brockhaus in Text und Bild Edition 2002 unter „Eckhart, Meister Eckhart“) Genauso heißt es in Swami Krishnanandas englischer Interpretation der Katha Upanishad, dass „der aus sich selbst existierende Brahma die Sinne mit auswärts gerichteten Neigungen erschuf; deshalb nimmt der Mensch das äußere Universum wahr, nicht aber das innere Selbst (Atman). Ein weiser Mann jedoch, der seine Augen von den Sinnesobjekten abgewandt hat, in Ersehnung der Unsterblichkeit, sieht den Atman im Innern.“ Der Atman wird als letztlich eins mit der Weltseele, mit Brahman als dem eigentlichen Sein der Welt betrachtet.

Das war ergiebiger, als ich anfangs dachte. Wie steht es nun mit den anderen knapp formulierten Weisheiten, von denen so viel Aufhebens gemacht wird? Am tückischsten wäre natürlich ein Geheimnis, das mit viel Brimborium und großen Erwartungen umgeben, aber nicht ausgesprochen wird. Da fällt mir vor allem eine Stelle aus dem ketzerischen (oder jedenfalls nichtbiblischen) Thomas-Evangelium ein, wo es heißt:

[13] Jesus sagte zu seinen Jüngern:
Vergleicht mich und sagt mir, wem ich gleiche.
Es sagte zu ihm Simon Petrus: Du gleichst einem gerechten Engel.
Es sagte zu ihm Matthäus: Du gleichst einem weisen, klugen Menschen.
Thomas sagte zu ihm:
Meister, mein Mund wird es ganz und gar nicht über sich bringen, dass ich sage, wem du gleichst.
Jesus sagte:
Ich bin nicht dein Meister, da du getrunken hast und trunken geworden bist, von der sprudelnden Quelle, die ich ausgemessen habe.
Und er nahm ihn, zog sich zurück und sagte ihm drei Worte.
Als Thomas aber zu seinen Gefährten kam, fragten sie ihn: Was hat dir Jesus gesagt?
Es sagte zu ihnen Thomas:
Wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine nehmen und nach mir werfen, und Feuer wird aus den Steinen kommen und euch verbrennen. (Das Evangelium nach Thomas)

Nun, das ist natürlich ein ganz übler Trick des Berichterstatters. Die nicht vorhandene Information. Es wird mit Ehrfurcht erweckenden Mitteln ein phantastisch machtvolles Geheimnis angedeutet, aber was es nun wirklich gewesen war, bleibt uns für immer verschlossen. Da hätte man lieber den Mund halten und darauf verzichten sollen, auf diese frevelhafte Weise die Feder ausrutschen zu lassen, denn nun kann die Nachwelt grübeln und nutzlos herumrätseln und sich grün und blau ärgern über dieses „wertvolle, verlorene Wissen“. Genauso albern verhalten sich Templer oder Freimaurer, wenn sie von einem „verlorenen Schatz“ oder „verlorenen Wort“ daherreden. Wenn es verloren ist, dann möge es verloren sein und Schwamm drüber! Anstelle des Unwissbaren können wir uns wichtigeren Dingen zuwenden. Wer keine konkrete Antwort hat, soll nicht mit uralten roten Roben herumflattern und keine seltsamen Andeutungen machen, sondern lieber im Stillen weitersuchen.

Übrigens ist genau dieses große „Geheimnis“, das in den altindischen Weisheiten eindeutig gelüftet wird und auch bei Meister Eckhart klar zum Ausdruck kommt, für die christlichen Kirchen aufgrund hierarchischer Machtbedürfnisse und geistlicher Vermittlungsansprüche zwischen Gott und den Menschen noch immer ein rotes Tuch. Es geht ja nur darum, dass wir im Grunde alle Söhne und Töchter Gottes sind und einen direkten Draht zum Urgrund oder zur Weltseele haben – und dass wir, wie man logisch folgern müsste, nicht unbedingt auf die priesterliche Vermittlung angewiesen sind. Vermutlich ist in der westlichen Welt die Angst vor dem Scheiterhaufen noch nicht ganz abgeklungen, oder der Schmerz der Flammen und der Folter in einem früheren Leben sitzt noch immer tief in vielen guten Hexen- und Ketzerseelen. Weil man vieles nicht sagen durfte, wird um das „Geheimnis“ ein schauerlicher Firlefanz aufgeführt. Das erklärt auch zum Teil die Popularität von Templer-Filmen, Dan-Brown-Romanen und pseudoreligiös verbrämten Illuminati-Geschichten, die von der konkreten Ausbeutung durch sehr irdische Eliten ablenken. Das Publikum bleibt aufgehängt in dem lustvoll-gefährlichen Spannungsfeld zwischen Wissenwollen und Nicht-Wissenwollen, ohne eigentlich etwas Stichhaltiges zu erfahren; stattdessen wird durch die schriftstellerische Freiheit ein erhebliches Maß an zusätzlicher Verwirrung gestiftet, weil heutzutage hinter fiktiven Darstellungen nur allzu gern ein bedeutungsvoller, authentischer Wahrheitsgehalt vermutet (!) wird. Die angeblichen Faktenmacher haben uns so oft angelogen, dass wir die Wahrheit jetzt bei den professionellen Lügnern suchen – bei den Film- und Romanautoren, deren ganzer Beruf es ist, Geschichten zu erfinden. Sie behaupten ja auch normalerweise gar nichts anderes.

Ja, was kann Jesus zu Thomas gesagt haben? Wenn es nur drei Worte waren – genauer gesagt, drei Wörter –, dann bietet sich doch die östliche Grundweisheit an: „Das bist du“ oder „Dieses ist das“ in der Bedeutung „Du bist letztlich eins mit der Weltseele“. Fertig, Geheimnis gelöst, denn wenn es aussieht wie eine Ente und wackelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es nach gesundem amerikanischem Menschenverstand mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Ente. (If it looks like a duck and walks like a duck and talks like a duck, then by golly, it might as well be a duck!) Thomas hat später in Indien missioniert; es ist nicht auszuschließen, dass Jesus schon vorher dort war oder zumindest östliche Quellen kannte.

Wer sich mit solchen Fragen nur oberflächlich und auf die Schnelle befassen will, für den haben die kurzen Formeln natürlich gar keine Aussagekraft. Wirklich aufs Glatteis gerät man, wenn östliche Aussagen über den Urgrund des Seins einfach direkt auf den westlichen Gottesbegriff übertragen werden. Dann entstehen vermessene Andeutungen, die den Eindruck erwecken, dass die Weisheitsapostel sich nur um den heißen Brei herumdrücken, so als ob sie eigentlich sagen wollten: „Du bist Gott.“ Nein, bitte nicht! Ich habe das wirklich schon so gelesen; frei aus dem Englischen übersetzt: „Wenn du sagst, du bist nicht Gott, dann bist du Schrott.“ Man hätte es statt mit „Schrott“ auch als „ein bloßer Fußabtreter“ oder „ein armer Trottel“ übersetzen können. Das fand ich höchst bedenklich, und da bin ich nicht der einzige. Der ansonsten gut bekannte Autor forderte jedoch in einem Begleitvortrag mehr oder weniger augenzwinkernd dazu auf, die betreffende Spruchsammlung anonym bleiben zu lassen. Kein Wunder! Es gibt ja auch einen großen Unterschied zwischen dem Begriff „Gott“ und „ein Gott“ (einer unter vielen). So, wie der Westen artikellos Gott definiert, nämlich als Höchstes Wesen, Schöpfer des gesamten Kosmos einschließlich aller Dinge und aller Geister, den Allmächtigen und Allwissenden, wäre der größenmäßige und fähigkeitsmäßige Abstand zwischen einer Menschenseele und jenem Gott so unendlich groß, dass jemand, der diesen „Du-bist-Gott“-Unfug glauben würde, möglicherweise den Verstand verliert, aber auf keinen Fall auch nur im Entferntesten dieser suggerierten Rolle gerecht werden könnte. Nicht einmal in der Einbildung, denn dazu würde allein schon die Größe seiner Einbildung nicht ausreichen. Trotzdem hatte ich in der Vergangenheit manchmal das Gefühl, dass jemand genau dies andeuten wollte. Einer behauptete sogar, er selbst sei nicht nur Gott, sondern er sei auch der Teufel. Hm! Vielleicht benutzen diese Leute eine andere Definition für „Gott“?

Einen solchen anmaßenden Unsinn kann man also relativ leicht abschmettern und sich mit dem Menschsein und seinen Entwicklungsmöglichkeiten auf absehbare Zeit zufrieden geben. Falls eine Seele sich wirklich als solche höher entwickeln kann – oder zurück zu einem höheren Zustand, den sie früher einmal hatte –, so ist es mir recht und ich glaube daran und habe auch längere Phasen, in denen ich daran arbeite. Sehr ulkig finde ich die Aussage, die der Ex-Arbeitslosigkeitsminister Norbert Blüm einmal dazu traf; er sagte, die Idee, dass jemand „seine Seele verschönern“ möchte, sei ihm „unsympathisch“. Funny man! Außerdem fällt mir bei diesem Thema die australische Seherin Amitakh Stanford wieder ein, die allen Ernstes darauf besteht, dass eine Seele sich überhaupt und sowieso niemals entwickelt. Funny woman! Als ich das zum ersten Mal bei ihr las, war ich sehr erstaunt, denn auf diese Idee war ich noch nie gekommen. In einer Hinsicht ist es natürlich wahr: Das eigentliche immaterielle Geistwesen ohne Zusätze und ohne seine kommenden und gehenden Eigenschaften mag tatsächlich genau das sein, was es schon immer war und immer sein wird, und Fähigkeiten oder Seligkeiten, die ihm gegenwärtig für alle praktischen Zwecke fehlen, sind möglicherweise einfach zurzeit unbenutzt.

Es gibt noch ein paar andere kurze Formeln, die scheinbar alles klären sollen. Zum Beispiel: „Alles ist Energie.“ Das ist moderne Esoterik; der Herr steh uns bei, denn schwammiger kann es nicht mehr werden!!! Erstens einmal ist NICHT alles Energie, sondern es gibt meines Erachtens auch das ursprüngliche, absolut nichtmaterielle Sein, das reine Sein, den Urgrund, und dort tummeln sich weder Elektronen noch Neutrinos oder andere kitzlige Krabbeldinger, sondern nur ein seliges Nichts. Und zweitens ist nicht einfach ALLES Energie ohne jede Differenzierung, sondern es gibt mentale Energie, physikalische Energie, Schwerkraft, latente Energie, verfestigte Energie (Materie), strömende Energie und zahlreiche andere Phänomene; auch eine Art rein geistige Energie wie zum Beispiel Entschlusskraft oder die Beständigkeit einer Idee, ohne dass irgendein physikalisches Phänomen messbar wäre. Außerdem gibt es Raum und Zeit! Insofern ist der Satz „Alles ist Energie“ natürlich genauso informativ wie die Aussage „Alles ist relativ“, und auch genauso unrichtig, denn es gibt sehr wohl das Absolute (meine ich), aber nicht speziell in dieser materiellen Welt. Ich glaube, die Popularität des Satzes „Alles ist Energie“ entstammt einer Sehnsucht nach dem Aufgehen im Großen Ganzen, der Verschmelzung mit dem All, und darauf habe ich gar keinen Bock, denn dann wäre ich lauter Materie (verfestigte Energie) und Elektronik, und was ich wirklich will, ist meine eigene freie, geistige Individualität und ein besinnliches Ruhen im „göttlichen“ oder „weltseelenhaften“ Urgrund, nicht die Verschmelzung mit diesem ganzen Kladderadatsch da draußen. Aber, ich muss gestehen, das ist Geschmackssache.

Da es durchaus Beobachtungen gibt, die den Schluss erlauben, dass die Seele sich entwickeln kann, zum Beispiel in moralischer Hinsicht, im Einfühlungsvermögen, in der Bewältigung vergangener Ereignisse oder sogar in Form von telepathischen Fähigkeiten o.Ä., kommen manche Leute zwar nicht gerade auf die Idee, jeder sei Gott, aber doch prinzipiell zu der Auffassung „Du bist ein Gott“, oder „Gott ist in dir“, oder „Wenn es überhaupt einen Gott gibt, dann bist es wahrscheinlich du selbst.“ Da diese Menschen ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was sie mit „Gott“ meinen, müsste zuerst die Definition geklärt werden, denn sonst kann man sich nicht vernünftig darüber unterhalten, und dann sollen sie doch bitte mal einige Beispiele vorführen, wo jemand wirklich die von ihnen definierte Göttlichkeit manifestiert hat. Vielleicht bilden sie sich das ja nur ein.

Noch ein paar kernige Sprüche zu diesem Thema: • „Gott gibt es nicht.“ (Bhagwan; der Schalk) • „Gott ist tot.“ (Nietzsche; hat ihm nicht gut getan, er drehte durch.) • „Auch ich war in Arkadien.“ (Et in Arcadia ego) (Grabinschrift im Languedoc und so eine Art Codewort zwischen Angehörigen des nichtexistenten Geheimbundes Prieuré de Sion; gemeint ist die wahrhaft großartige und ungewöhnliche Weisheit „Wir müssen alle sterben“, denn Arkadien gilt als eine legendäre, zauberhafte Landschaft in Griechenland, deren paradiesische Zustände man wohl irgendwann genossen haben mag, die einem jedoch vorhersagbarerweise abhanden gekommen ist, weil es mit uns allen betrüblich bergab geht und wir am Ende trotzdem sterben müssen. Herrjemine!) • „Wir müssen alle sterben,“ oder: „Auch du wirst sterben.“ (Für manche Leute wohl eine große Weisheit, zumindest wenn sie sich die Vergänglichkeit aller „gewordenen Dinge“, so z.B. ihres Leibes, noch nicht vergegenwärtigt hatten.) • Sehr witzig ist: „Du bist die Augen, die Ohren und das Gewissen des Schöpfers des Universums.“ (Das stammt von dem amerikanischen Satire-Sciencefiction-Autor Kurt Vonnegut; die Geschichte wurde sogar mit Bruce Willis verfilmt. Handlung: Ein Autohändler, dessen seelische Gesundheit sowieso gerade auf der Kippe steht, liest in einem Roman diesen unverschämt hypnotischen Satz und beginnt danach zu handeln! Lesens- und sehenswert.)

Zugabe: „Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.“ Einer meiner Lieblingssprüche; kommt aus östlichen Quellen. Die Idee ist, dass man gut daran täte, sich seiner komplexen, „einmaligen“ Persönlichkeit und seiner Anhänglichkeit an den Körper lieber schon während des Lebens zu entledigen, denn jemand, der wirklich glaubt, dass er der Körper ist, der wird als solcher natürlich sterben, weil der Körper unweigerlich sterben wird; hingegen wird jemand, der sich schon an eine Existenz als Geist gewöhnt hat, während der Körper noch lebte, also jemand, der sich zu Lebzeiten entbildlichte und quasi entkörperlichte, den Übergang ins Jenseits hoffentlich reibungsloser schaffen als der Materialist. Na, das wissen wir nicht so genau, aber der Gedanke ist interessant. Freilich wird in der Praxis auch der Typ weiterleben, der sich für einen Körper hält, aber man könnte meinen, dass er auf diese Weise eine geringere persönliche Kontinuität erleben wird. Er erwacht, langsam und nebelhaft, in einem neuen Babykörper, hat alles vergessen, was früher war, und existiert, subjektiv gesehen, zum allerersten Mal. Die Leute hingegen, die „Unsterblichkeit“ anstreben, wollen im Wesentlichen einen Zustand erreichen, der ihnen den bewussten Durchgang durch das Jenseits und ein klares Bewusstsein des eigenen immateriellen Selbst ermöglicht, sodass sie im nächsten Leben sozusagen als „Derselbe“ weitermachen können. Das hätte ich auch sehr gern.

Hm. Ich muss trotzdem noch daran arbeiten und habe jetzt das Gefühl, dass man mit diesen Vergeistigungs-Ambitionen womöglich den ganzen Sinn und Zweck des Lebens VERSÄUMEN kann und am Ende eine ärmere Seele ist als derjenige, der einfach auf Gott vertraute und zum größeren Ruhme Gottes – oder zu seinem eigenen Vergnügen – einfach das Leben gelebt hat, als das größte Fest, das es sowieso jemals geben wird. 

       Eckehard Junge, 8. Juli 2012

Umverteilung hü, Umverteilung hott

3./4. Juli 2012: Zum Glück ist der Bundestag noch nicht völlig gleichgeschaltet, wenn es um den Ausverkauf Deutschlands zugunsten chronischer Schuldenmacher und Mega-Spekulanten geht. Es darf gelegentlich noch etwas gesagt werden, zum Beispiel von links. Man kann der kommunistischen „Lösung“ unserer Probleme letzten Endes nicht zugeneigt sein, denn mal ganz abgesehen vom diktatorischen Gewaltpotenzial der Ideologen ist es ja so, dass auch die linken Forderungen sehr schnell auf eine Belohnung der Unproduktiven zu Lasten der Produktiven hinauslaufen, sodass der Staat sich ebenfalls verantwortungslos in Schulden stürzen würde, was wiederum grausame Zinsforderungen zur Folge hätte. Solange die Demokratie mangels Fleiß, Weitsicht und persönlichen Stolzes der Wähler zur Schaffung eines Subventions-, Rettungsschirm- und Umverteilungsstaates missbraucht wird – man kann es auch Bettler-Mentalität nennen – da ist es Jacke wie Hose, wessen Zahlemann-Partei dort oben regiert. Denn die elende Borgerei führt die sozialistischen Freiheitskämpfer genauso wie die Bankster-Marionetten in die Zinsknechtschaft, und genau damit muss Schluss sein.

Aber zumindest redet die leidenschaftliche und potenziell blitzgescheite Sahra mal Klartext, was die Struktur der heutigen Probleme und die bodenlose Frechheit der megareichen Abzocker betrifft. Wahr ist auf jeden Fall, dass diese gigantischen Geldmengen, die ungeachtet ihres Nichtvorhandenseins den gierig verzinsenden Banken zugeschanzt werden, genauso gut (oder eigentlich genauso schlecht) zum Wohl der Bevölkerung aus dem Hut gezaubert und verteilt werden könnten, um den Lebensstandard zu heben und die Realwirtschaft auf direktem Weg anzukurbeln. Könnte man machen! Weitaus besser wäre es trotzdem, ungeachtet der jämmerlichen Drohgebärden bezahlter Untergangspropheten überhaupt kein Geld auszugeben, das man nicht hat, und die Leute mit den großen und kleinen Bettelmützen endlich durch eiserne Konsequenz zur persönlichen Produktivität zu bekehren! Warum sollte ein Staat denn überhaupt zum Zweck der Umverteilung existieren? Lassen sich dieselben Probleme nicht auch durch geschickte Regulierung lösen? Aber lassen wir zur Abwechslung Sahra Wagenknecht von der Partei DIE LINKE zu Wort kommen, in einer Rede am 29. Juni 2012 zum Thema „Rettungsschirm“: Fiskalpakt und Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM):

 

Als Denkanregung sind die Anklagepunkte dieser feurigen Dame jederzeit erheblich wertvoller als das Genuschele all der korrupten Ja-Sager, während unsere steuer- und finanzpolitische Souveränität abgeschafft wird und die arbeitende Bevölkerung auf Jahrzehnte hinaus durch die Befriedigung seelenloser, freudloser, elektronisch-unwirklicher Absaugmechanismen verarmt wird. Nur ausgemachte Kasperfiguren, die sich hinter schweren, blutroten Vorhängen in den Sakristeien ausbeuterischer Krokodilsreligionen verbergen, können darüber lachen. Da die großen Abzocker das sogenannte Geld eigentlich nicht brauchen, geht es ihnen offensichtlich nur um die Macht: die gnadenlose Kontrolle über die Sklavenheere der Zukunft auf einem geschundenen Planeten. Die Regierungen werden in diesem Szenario schon heute zu Recht als Marionetten bezeichnet.

Viel lieber wäre mir natürlich die Prinzessin auf dem weißen Pferd.

Der mächtigste Mann, die reichste Frau und der grünste Diktator?

20. Juni 2012: Die kuriosen Manifestationen des mensch­lichen Eigensinns und des überirdischen Wackelpeters, der die Gesellschaft und vielleicht auch das Sonnensystem oder gar diesen Winkel der Galaxis heimsucht, scheinen sich zu mehren. Als kleiner Kommentator, der sich mit vorrückenden Jahren auch weiter um den eigenen Lebensunterhalt kümmern muss, kann ich die meisten Ideen und Zeitzeichen gar nicht mehr in die Tasten dreschen oder habe keinen Bock mehr, gegen den zunehmenden Virenbefall, Makrokummer und Cookie-Schmerz, von dem mein Laptop geplagt wird, oder gegen den völlig ungebetenen Twitter-Facebook-Javascript-Ansturm aus zahlreichen Internet-Websites noch anzukämpfen. („Sie haben eine Fickanfrage“, heißt es nun gelegentlich. Wohl kaum!) Ja, und was da draußen politisch und fiskalisch und pseudopro­phetisch alles fabriziert und fabuliert wird, huscht schemenhaft schnell vorbei. Einiges bedarf trotzdem der Erwähnung.

Da wäre zum Beispiel das eingefrorene Lächeln von US-Präsident Barack Obama. Kein normaler, lebender, menschlicher Mensch kann derart roboterhaft und leguanisch immer wieder dasselbe Lächeln reproduzieren. Sehen Sie sich das an, ein 20-sekündiges Video gibt alle Auskunft, die Sie brauchen: http://vimeo.com/6747788. Freilich stammen alle Fotos, die da hineingemixt wurden, von derselben Veranstaltung und vermutlich hat er sich gelangweilt, so viele Male posieren zu müssen. Und das Video soll etwa zwei Jahre alt sein. Auf neueren Fotos sieht er müder und vielleicht ehrlicher aus, weil er seine Erschöpfung und Enttäuschung als Obermarionette der herrschenden Banken- und Rüstungs-Clique nicht mehr kaschieren kann. Trotzdem, es ist eine seltsame Darbietung.

Schreiende Missstände offenbart ein Bericht im Handelsblatt über die reichste Frau der Welt, die australische Rohstoffkönigin Gina Rinehart (also nicht die englische Königin). Ich habe nichts gegen die Reichen oder Superreichen, nur fragt sich manchmal, was sie damit anstellen. Allein im vergangenen Jahr konnte die Dame dank Hochkonjunktur australischer Rohstoffe ihr Vermögen um etwa 14 Milliarden Euro aufstocken, nämlich von 8 auf 22 Milliarden in einem einzigen Jahr; da hat sie ganz ordentlich gescheffelt. Aber es geht nicht vorrangig um das Geld, sondern es geht um den ungebührlichen Einfluss. Zum Beispiel Eindämmung der Pressefreiheit: <Letzte Woche hat sie für ein paar hundert Millionen Dollar ihren Anteil am Medienunternehmen Fairfax von 13 auf 18,67 Prozent erhöht. Ein paar Dollar mehr, und sie muss offiziell eine Übernahme lancieren. Der Grund für ihr Interesse an Fairfax: der Herausgeber von Qualitätszeitungen wie „Sydney Morning Herald“, „Australian Financial Review“ und „The Age“ sei ihr zu „links“, wie ein Beobachter zu berichten weiß.> Man beachte, dass in Australien sowieso bereits 80 Prozent des Zeitungsmarktes von den <rechtskonservativen Gossenblättern> des Murdoch-Konzerns News Corporation abgedeckt sind. Und im Jahre 2010 beteiligte sich Ms. Rinehart an einer Schmierkampagne gegen den damaligen Premierminister Kevin Rudd, der die erstaunlich hohen Gewinne der Rohstoffindustrie etwas höher besteuern wollte. Unter diesem Druck soll die Labour-Partei nachgegeben und Rudd mit Julia Gillard als neuer Regierungschefin ausgetauscht haben. (Siehe den Handelsblatt-Artikel Keiner mag die reichste Frau der Welt und auch die treffende Analyse des „Eifelphilosophen“ in seinem kolossalen „Nachrichtenspiegel“: Pressefreiheit oder Qualitätsmedien? Über die Kriegstrompeten des Neofeudalismus.)

Und was ich noch erwähnen wollte, pünktlich am Montag nach Beendigung der Bilderberger-Konferenz meldete sich am 4. Juni ein Großmächtiger zu Wort, der zwar laut Teilnehmerliste in Chantilly, Virginia (siehe unten meine Notiz vom 2. Juni) nicht dabeigewesen ist, der aber so heftig in die Posaune bläst, dass man meinen müsste, das Siebente Siegel sei gebrochen und er, der Engel der neuen Weltordnung höchstselbst, sei nun plötzlich befugt, die entscheidende Parole auszugeben, das Menetekel an die Wand zu malen und die weltweite Marschrichtung anzugeben: ein gewisser Joseph (verniedlichend „Joschka“ genannt) Fischer. Er meldete sich in der Süddeutschen Zeitung, die auch sogleich von der WELT online zitiert wurde, damit wir alle Bescheid wissen. <Das europäische Haus stehe „in Flammen“, so Fischer, und Europa, angeführt von Deutschland, lösche „lieber weiter mit Kerosin als mit Wasser“. Europa müsse allen Mut zusammennehmen und eine Fiskalunion mit gemeinsamem Budget, einheitlicher Steuerpolitik und Garantie für die Staatsschulden errichten.>

Anders gesagt, er plädiert für die Einführung einer europäischen Finanzdiktatur, mit der die Lasten der schlimmsten und verschwendungssüchtigsten Schuldenmacher auf die Schultern der weniger schlimmen Schuldenmacher abgewälzt werden sollen, oder genauer gesagt, er plädiert für eine Europa-Regierung als ersten Schritt zu einer letztendlich drohenden Weltregierung, damit die Großbanken und Mega-Spekulanten ihre Politik der Zinsknechtschaft und gnadenlosen Aussaugung von Staaten und Gesellschaften bis zum letzten Blutstropfen, in sozialistischer Solidarität der Ausgebeuteten, offiziell institutionalisieren können. Natürlich würden dann (das sagt er nicht) der übelste Steuerdruck und die unverschämtesten Zinssätze sehr bald zum gemeinsamen Nenner für alle Beteiligten werden. Herr Fischer spart indes nicht mit Drohungen: Europa stehe heute am Abgrund, behauptet er. Er fordert eine Fiskalunion und ausdrücklich auch eine politische Union der Eurogruppe. Wenn der Euro scheitere, werde auch die EU zerfallen, tönt der Prophet, und in der Folge drohe eine Weltwirtschaftskrise, wie sie die heute lebenden Generationen noch nicht erlebt hätten. <„Und der dann einsetzende Sturm auf die Banken in Spanien, Italien und Frankreich wird eine Lawine auslösen, die Europa unter sich begraben wird.“ Ohne Euro werde Europa von der politischen Weltbühne verschwinden.> (Joschka Fischer: „Europa steht heute am Abgrund") Das ist ein sehr großer Knüppel, um uns so einzuschüchtern, dass wir die letzten Reste nationaler Souveränität und unsere letzten Spargroschen, Rentenfonds und Versicherungen hergeben. Und an wen? Was für eine tote Rechenmaschine soll das ganze Geld kriegen, das größtenteils sowieso nur aus frei erfundenen, höhnisch  tanzenden Elektronen in Computern besteht, und wer hat überhaupt etwas davon? Haben wenigstens die Reichen ein lustiges Leben? Lesen Sie noch einmal den oben zitierten Artikel über die „reichste Frau der Welt“! Das sind alles Illusionen, und nicht einmal schöne. Mit Mutter Maria und Shangri-La ist man besser bedient.

Hey, was passiert eigentlich mit solchen Polit-Freaks, während sie im Laufe ihres Lebens mit scheinbar unausweichlicher Versteinerung von „links“ nach „rechts“ wandern? Und nicht etwa, dass „links“ so besonders unschuldig wäre! Dieser ganze Links-Rechts-Zirkus ist eine Vortäuschung, deren zwei Flügel allen Reichtum in die Taschen derselben Hintergrund-Lacher werfen. Vor knapp 20 Jahren habe ich mal einen kleinen Saal mit einem „Heil-Fischer!“-Sketch amüsiert. Das konnte sich damals niemand vorstellen. Joschka Fischer ist Gründungsmitglied einer Denkfabrik namens European Council on Foreign Relations (ECFR, gegründet 2007), die an die lobbyistischen Methoden ihres amerikanischen Vorbilds Council on Foreign Relations (CFR) anknüpft und ehemaligen Regierungschefs und anderen ehemals führenden Politikern, die sich in keiner demokratisch legitimierten Machtposition mehr befinden, ein gewichtiges Forum für fortwährende Einflussnahme verleiht. Sehen Sie sich die Liste der Mitglieder an: European Council on Foreign Relations. Für Deutschland selbst gibt es eine ähnliche Denkfabrik unter dem Namen Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Ein Blick auf die versammelten großen Namen lässt erahnen, welche Interessen da vertreten werden. Und bei allen bedeutenden politischen Anlässen erscheinen diese verschworenen Großkopferten sofort in Fernseh- und Zeitungsinterviews, um in der Debatte den Ton anzugeben. Im Grunde sollte man zu einfachen Prinzipien zurückkehren: Die Fleißigen belohnen, die Faulen bestrafen, von nichts kommt nichts, und Borgen bringt Sorgen. So ist das eben.

Unerklärlicher Donner und ausflippende Geigerzähler in Indiana

10. Juni 2012: Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass ich den Schlüssel zum Wissen neuerdings eher im Geheimnisvollen suche als im Faktischen; nun, wen wundert es, die Welt wird im Zeichen rücksichtsloser Aufklärung immer mysteriöser, das steckt an. An diesem Wochenende tat ich zunächst das Bürgerliche und habe am Samstag Fußball geglotzt, obwohl ich gelegentlich das Interesse verliere, besonders wenn pro Spiel nur 1 Tor fällt. Dann kommt es schon mal vor, dass ich dabei einnicke.

Heute ging mir der Kampf ums runde Leder gar nicht unter die Haut. Also wurde eine alte Science-Fiction-Story von Frederik Pohl rausgekramt („Ein Tunnel unter der Welt“), zum Aufwachen noch im Bett, mit allmählicher Verfremdung: Da ist jeden Tag erneut der 15. Juni, in einer Zeitschleife, weil uns an diesem Tag die Marsmenschen ausbeuten; oder sind es, gemäß dem gängigen Klischee der 50er Jahre, etwa die Russen? Die Marsianer oder Drahtzieher selbst stecken jedenfalls nicht in der Zeitschleife und können mit rücksichtslosen Reklametechniken gewaltig absahnen. Kaum jemand merkt es, oder wenn einer etwas merkt, hat er es normalerweise am „nächsten Morgen“ wieder vergessen, weil derselbe Tag von neuem beginnt, so als wäre die „gestrige“ Version des 15. Juni nie gewesen. Und täglich grüßt das Murmeltier. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass weder Marsmenschen noch Russen schuld sind, sondern bloß Werbepsychologen, und dass die gesamte Matrix der seltsam geplagten Kleinstadt auf einer Tischoberfläche Platz hat, auf der die Menschen nur noch kleine Roboter sind, deren Denkprozesse aus den Gehirnen frisch Verstorbener herausgezogen und in die Maschinchen eingepflanzt wurden. Und der ganze Aufwand dient nur dem Zweck, die Reaktion einer typischen Kleinstadt-Population auf Werbekampagnen durchzutesten!

Aber Scherz und Fiktion beiseite, die Verfremdung von Klimarhythmen, Hühnerzyklen und Finanzmärkten könnte ja auch darauf beruhen, dass sich Wesen aus der Fünften Dimension über unseren Köpfen heftige Gefechte liefern, die wir zwar nicht sehen können, weil sie Tarnkappenschiffe benutzen, aber gelegentlich dringt das Schlachten­getümmel ganz peripher durch verdächtige Lärm- und Strahlungsphänomene in unser Bewusstsein. Das behauptet jedenfalls die australische Seherin Amitakh Stanford, und nun gibt es ein paar neue Indizien:

In einem Bezirk am Nordrand des US-Staates Indiana, direkt an der Grenze zu Michigan, wurden jetzt am Donnerstag, den 7. Juni 2012 mehrere Stunden lang hundert- bis tausendfache Geigerzähler-Werte registriert. Die Bewohner hatten schon seit Tagen unerklärliche Donnergeräusche und Erschütterungen bemerkt, sogar ein großer Baum wurde aus heiterem Himmel in zwei Hälften gespalten. Dann waren Konvois der Gefahrstoff-Kontrollfahrzeuge des Heimatschutzministeriums unterwegs, am Himmel zogen unmarkierte Gefechtshelikopter und A-10 Thunderbolts in das Gebiet, wo die Störungen aufgetreten sind, und die Medien verhängten natürlich eine Informationssperre. Die Umweltbehörde EPA nahm die Messgeräte in dieser Gegend vom Netz. Man behauptet, es sei eine bloße Fehlfunktion gewesen. Das erklärt aber nicht das anhaltende Gerumpel und den Groß-Aufmarsch von Militär- und Notstandsmaschinen. Siehe den einschlägigen Report von Natural Society. Freilich wurde auch schon gemutmaßt, es handle sich um den unterirdischen Einsatz von nuklearen Sprengkörpern im Dienste der Ölgewinnung; das soll bereits vorgekommen sein. Na ja. Das würde aber kein tagelang wiederkehrendes Gedonner erklären. Immer wieder komisch, dass auf diesem Planeten Erklärungen vorgebracht werden, die mit den beobachteten Phänomenen nicht übereinstimmen, wie etwa „Venus-Sichtungen“ oder „Meteore“, wenn rasant im Zickzack fliegende UFOs beobachtet wurden, oder ein „Wetterballon“ als Dementi für ein donnernd abgestürztes Raumschiff. Wir sind doch nicht doof, oder? Erst genau hinsehen, dann deuten! 

Es ist wohl ungefähr so, wie der argwöhnische bayrische Freund eines Freundes zu munkeln pflegt: „Es geschieht“, sagt er nur, ungenau wissend und doch sehr bedeutungsschwanger. Es, in der Tat: Es. Nun ja, König Fußball dürfte sich vorerst dagegen durchsetzen. Gegen eine Ente allemal, wenn es denn eine ist. Ich aber meine, da wummert was.

Und jährlich grüßt der Bilderberg

2. Juni 2012: In einem Hotel in Chantilly, Virginia (USA) findet vom 31. Mai bis zum 3. Juni die diesjährige (sechzigste) Konferenz der „Bilderberger“ statt – eine Versammlung äußerst einflussreicher Personen vor allem aus Europa und den USA. Die Besprechungen bleiben wie immer vertraulich. Da es im Vorfeld dieser Elite-Veranstaltung von Jahr zu Jahr mehr Getöse und Proteste gibt und da die Medien dieses Thema jetzt nicht mehr absolut totschweigen, wurde diesmal in der offiziellen Bilderberg-Website vor dem Beginn der eigentlichen Konferenz untypischerweise eine Presseerklärung und eine Endgültige Teilnehmerliste für 2012 veröffentlicht, nachzulesen auch hier. Laut der Presseerklärung wird sich „die Konferenz hauptsächlich mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen befassen, wie transatlantische Beziehungen, die Entwicklung der politischen Landschaft in Europa und den USA, Sparpolitik und Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften, IT-Sicherheit, Herausforderungen im Energiesektor, die Zukunft der Demokratie, Russland, China und Nahost.“

Nun werden ja ca. 145 offizielle Teilnehmer in einem Zeitraum von 3 bis 4 Tagen gar nicht die Möglichkeit haben, all diese breit umrissenen Themen auf gezielte und fruchtbare Weise durchzuhecheln. Man muss sich also nicht allzu viele Sorgen machen, dass gerade hier der maßgebliche Konsens für die Schaffung einer neuen Weltordnung entsteht. Außerdem gibt es andere große Nationen, die da sicher ein Wörtchen mitzureden hätten. Aber es werden sicherlich Ideen ausgetauscht und gewisse Tendenzen gefördert. „Das Konzept eines europäisch-amerikanischen Forums“ sei nicht veraltet, verteidigen sich die Veranstalter. „Der Dialog zwischen diesen beiden Regionen ist noch immer – und sogar in zunehmendem Grade – von entscheidender Bedeutung.“ Etwa zwei Drittel der Teilnehmer kommen aus Europa, der Rest aus Nordamerika und anderen Ländern.

Bilderberg betreibe keine anderen Aktivitäten als die jährliche Konferenz, heißt es. Bei diesen Begegnungen würden keine Resolutionen vorgelegt, es gebe keine Abstimmungen, und es würden keine Richtlinien ausgegeben. Die Versammlung sei privat, um die freimütige und offene Diskussion zu fördern. Die Teilnehmer würden nach ihrer Erfahrung, ihren Kennt­nissen und ihrer Stellung ausgewählt; sie alle nähmen an Bilderberg in privater, nicht offizieller Funktion teil, behaupten die Veranstalter. Wie sie allerdings ihre „private“ von ihrer „offiziellen“ Funktion trennen sollen, wenn sie in so hochkalibriger und anregender Runde versammelt sind, um die Kernprobleme des dahindümpelnden „Westens“ zu besprechen, bleibt schleierhaft. Was für eine private Funktion haben sie dort? Etwa ein Drittel der Teilnehmer stammt aus dem Regierungs­wesen und der Politik, die anderen zwei Drittel aus dem Finanzsektor, der Industrie, den Gewerkschaften, dem Bildungs­wesen und dem Kommunikationsbereich. Man darf die Frage aufwerfen, ob demokratisch gewählte Politiker sich an einer solchen elitären Geheimniskrämerei beteiligen sollten, anstatt die Probleme unserer Zeit auf öffentlichen Foren zu besprechen.

Aus Deutschland sehen wir diesmal als offizielle Teilnehmer den unentbehrlichen Josef Ackermann von der Deutschen Bank, Thomas Enders von Airbus,  Wolfgang Ischinger als Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz (er führt den Vorsitz jener internationalen Militärkonferenz, erscheint aber bei Bilderberg angeblich, genau wie die Geld- und Geschäftsbonzen, in „privater“ Funktion), Roland Koch als Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, Peter Löscher von der Siemens AG, Matthias Nass von der ZEIT (wird er darüber berichten?), Wolfgang Reitzle von der Linde AG, und hurra, last not least Jürgen Trittin von Bündnis 90/Die Grünen (soll er Kanzler werden?).

Das war es schon? Oder schleichen sich Leute noch höheren Kalibers etwa inkognito durch die Hintertür ein? – Matthias Nass und Wolfgang Ischinger waren übrigens auch im Jahre 1998 mit von der Partie; die übrigen Jahreslisten sollte man vergleichen. All das liefert reichlich Material für kritische und unterhaltsame, wenn auch nicht extrem erkenntnisträchtige Studien.

Aus den USA dürfen heuer natürlich Henry Kissinger, James D. Wolfensohn und Richard Perle nicht fehlen, und wenn schon kein Rockefeller auf der Liste erscheint, dann wenigstens Robert B. Zoellick, Präsident der Weltbank, und mit Genugtuung darf man feststellen, dass der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann sich nicht entblödet*, persönlich beim Tanz der Vampire zu erscheinen. – Na gut, bleiben wir sachlich. Es ist ja eh absurd genug.

*) Das Schlüsselwort ist wohl: Sich nicht entblöden, etwas zu tun. Der Brockhaus 2002 gibt uns Auskunft: <Die Wendung ist abwertend gemeint und bedeutet »sich nicht schämen, scheuen, etwas Dreistes, Unkluges o.Ä. zu tun«>

Spirituelle Stärkung: Zur Hölle mit Mind Control

30. Mai 2012: Gelegentlich sucht jemand mehr oder weniger verzweifelt nach einem Gegenmittel gegen Bewusstseins­kontrolle, Gedankenkontrolle, Seelenversklavung oder englisch Mind Control. Erdrückend ist jedoch bereits der schiere Informationsüberfluss, der auch irgendwie die Seele versklavt, die Gedanken verzettelt, das Bewusstsein zukleistert und den Geist quasi vom Wesentlichen fernhält, wobei natürlich die bohrende Frage bleibt, was das Wesentliche ist. Was war es denn gleich? Ich komme mit diesem existenziellen Problem zurzeit nicht richtig klar. Es ist unmöglich, die endlose Flut an Daten auch nur zu sortieren und sinnvoll einzuordnen, geschweige denn die Zeit zu finden, um die Informationen in diesem Tempo jemals schlüssig nachprüfen zu können. Allein das verlangt schon nach einem Befreiungsschlag. Soll ich abschalten und mich nur noch mit den Dingen befassen, die mein eigenes Leben tangieren und die ich mit meinen eigenen fünf Sinnen nachprüfen kann? Aber sobald ich mich ein wenig entspannt habe, erliege ich aus Langeweile oder echter Neugier wieder der Versuchung, alles Mögliche nachzulesen. Das Internet steht trotz seiner vielen Sabotage-Mechanismen jederzeit bereit.

Ein gutes Beispiel für Verwirrspiele war neulich eine unerhörte Schlamperei oder satanistische Fehlinformation vonseiten der BBC, die ein Foto mit Dutzenden von Kinderleichen veröffentlichte, die in weiße Tücher gehüllt, auf dem Fußboden einer größeren Halle aufgereiht lagen. Laut BBC war das ein Leichenfoto aus Syrien, gerade erst entstanden, weil doch dort ein Massaker an Zivilisten stattgefunden haben soll. Wenige Tage darauf meldet sich ein Reporter namens Marco Di Lauro und protestiert lautstark, weil er selbst vor neun Jahren dieses Foto im Irak geschossen hat und es nun von der BBC für aktuelle Kriegspropaganda benutzt wird. (Es ist wohl eher ein Beleg für die abgrundtiefe Sinnlosigkeit westlicher Militäreinsätze im Nahen und Mittleren Osten.) Die letztere Meldung fand ich über die Protestseiten von Alex Jones, dem ich weitaus eher geneigt bin, Glauben zu schenken, als nun ausgerechnet der British Broadcasting Corporation. Bei näherer Betrachtung muss ich mir eingestehen, dass auch das natürlich ein Glaube ist. Die Welt der Medien und der Hintergrund­politik ist verrückt genug, um plötzlich einen Reporter mit einer neuen Lüge vorpreschen zu lassen. Oder etwa nicht? Am Ende stellt sich heraus, dass wir den Faktengehalt dann doch subjektiv mit den Mitteln der Logik oder auf der Grundlage persönlich erarbeiteter Gesetzmäßigkeiten beurteilen: zum Beispiel anhand der berühmten Frage: Cui bono? Wem nützt es? Und da erfahrungsgemäß aus dem britischen Establishment ein gehöriges Maß an Kriegstreiberei zu erwarten ist, vor allem wenn es darum geht, mit gewaltsamen Mitteln einen wahnhaften imperialen Einfluss in Vorderasien bis einschließlich Afghanistan zu behaupten, gern auch auf Kosten eines Blutzolls für Soldaten und Zivilisten aus anderen Ländern, gelange ich zu der Schlussfolgerung, dass der Reporter zu Recht protestiert und dass die zuständigen BBC-Redakteure geflissentlich geschlampt oder bewusst gelogen haben. Diese vielen Überlegungen und gar erst die Überprüfungen sind aber sehr ermüdend und sind weit davon entfernt, für einen älteren Herrn noch sonderlich sinnstiftend zu sein. Daher konzentriere ich mich lieber auf die Zusammenfassung der Grundstrukturen.

Insgesamt kriege ich das Gefühl, dass das Böse, der Wahnsinn und der eingefleischte Kontrollwahn auf dem Vormarsch sind und dass die Zudröhnung als dominanteste Form heutiger Bewusstseinskontrolle sehr gezielt eingesetzt wird: nämlich mit immer mehr Krisen, Krankheitsgeschwätz, Widersprüchlichkeiten, Satanismus- und Gewaltverherrlichung, radioaktiver, toxischer, gentechnischer, nanotechnischer und pharmazeutischer Umweltzerstörung, selbstmörderischen Fernsehsen­dungen wie "Zukunft ohne Menschen" (suggerierte Untergangssehnsucht, seit Ewigkeiten im Programm von N24, immer wieder und immer wieder, Nacht für Nacht, Woche für Woche, Jahr für Jahr), allerlei Armageddon-Visionen und anderen Ausgeburten einer höhnischen, gierigen, lebensfeindlichen, ausrottungsgeilen Machtphantasie.

Es ist erdrückend. Die Zugedröhntheit erfordert einen gelegentlichen kritischen Blick auf den eigenen Geisteszustand. Man macht nämlich, während man sich fürs Gute einzusetzen versucht und sich eben deshalb oft in die Bedrohungen, Verkomplizierungen und hoffnungslosen Überprüfungsversuche vertieft, aus seinem eigenen Herzen eine Mördergrube. Eine sehr treffende Redewendung. Genauer gesagt, man füllt sein eigenes Universum, seine eigene Bilder- und Gedankenwelt, mit dämonischen und düsteren Visionen an – Visionen, die dämonische und düstere Wesen ausgeheckt haben, um mit hämischem Gelächter den Rest der Wesen auf ihr Niveau hinabziehen zu können. Man hat es sich also selbst zuzuschreiben, dass die finstere Bilderfülle den persönlichen geistigen Raum ausfüllt und somit die ursprünglichen, wunderbaren Licht- und Luftschlösser der eigenen Seele verdrängt.

Darum ist eines der wirksamsten Mittel gegen die Bewusstseinskontrolle und die ständig heranbrausende Gehirnwäsche, gegen die elektronische Zersetzung oder Psychotronik auf jeden Fall die gezielte Entnetzung, Entschleunigung und Beruhigung des eigenen Umfelds. Zum Teufel mit den vielen blinkenden Links, den allzu geilen Pop-ups, den großspurigen Fernsehpäpsten! Eine Rückkehr zum Linearen, Einfachen, Unbehelligten. Jeweils eines nach dem andern. Jeweils eine Zeit für ein Ding, einen Platz für einen Menschen, ein Festhalten des Blickes, ein Sitzen auf genau diesem Stuhl, ein Standpunkt und Blickwinkel genau jetzt und an diesem Ort. Und siehe da, was haben wir hier? Mit ein wenig Konzentration lässt sich der Wahnsinn dann ausblenden. Denn Sie haben doch tendenziell immer das, was Sie durch Ihre eigene Energie stärken.

Soweit es sich bei dem, was da heranbrandet, um schiere Bosheit handelt, wappnet uns dagegen am besten ein unbeirrter Glaube an Gott oder eine klare Entscheidung für das Gute. Wir müssen uns über unsere eigenen Absichten klar werden und mit uns selbst im Reinen sein. Die Sache mit Gott lässt sich meistens nicht durch Predigten oder irgendeinen organisierten Hokuspokus vermitteln, weshalb meines Erachtens die Bezeichnung fest in Bezug auf den Glauben (ein fester Glaube) eigentlich fehl am Platz ist; im Grunde bevorzuge ich ein leises, sanftes Wehen des Heiligen Geistes durch freie Räume, die ein wenig von innen zu leuchten scheinen und auch vom Humor einer freien Seele durchdrungen sind. Dagegen kommt die angeblich so wirksame Bewusstseinskontrolle oder Gehirnwäsche, die vielerorts versucht wird, nicht an, denn sie bewegt sich auf einem tieferen Niveau von ächzender, angestrengter Energie.

Da ich noch nicht alles, was in diesem Bereich rumort, ideal ausformulieren kann, und da wohl dementsprechend meine Begriffe noch nicht fertig ausgereift sind, will ich hier zwei Absätze aus dem Buch Geheimgesellschaften von Sylvia Browne zitieren, die etwas auf den Punkt bringt, was mir so ähnlich vorschwebt:

<Viele Religionen beginnen mit guten Absichten, werden dann aber durch die Gier ihrer Anführer nach Geld und Einfluss korrumpiert. Wenn Reichtum und Macht wichtiger werden als Gott, ist es an der Zeit, eine andere Richtung einzuschlagen. Und wenn jemand die Bibel zitiert und dann sagt: "Und jetzt sage ich dir, was das bedeutet", dann seien Sie auf der Hut!

Ich glaube, dass Sie Gott lieben und anbeten können, egal wer und wo Sie sind. Sie können sich einer religiösen Organisation mit Lehren und Dogmen anschließen, aber sehr viel wichtiger ist, dass Sie sich frei fühlen, Gott wirklich zu lieben. Jede Gruppe, die Ihnen sagt, wie Sie leben sollen, was Sie essen oder tun sollen, und zur Durchsetzung ihrer Regeln mit Schuld, Sünde und Exkommunikation droht, ist eine okkulte Organisation. Leider passt dieses Etikett auf viele Religionen unserer Welt, die allesamt zu Geheimgesellschaften geworden sind und Informationen zurückhalten.> (Sylvia Browne, Geheimgesellschaften, Seite 271; Goldmann Arkana, München 2008)

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass eine Gruppe noch so freiheitlich beginnen kann, sie wird bei bestimmten Konstellationen von Machtgier, Missbrauch und Werteverlust Gefahr laufen, ins Gegenteil umzuschlagen und am Ende von böswilligen Rüpeln regiert zu werden, die sich nicht scheuen, die Macht der Illusion, die Geißel der Angst und die typischen Irrsinnstendenzen des Herden- und Gruppendenkens zu niederträchtigen Zwecken einzusetzen, während sie nach innen und außen weiterhin ein scheinheiliges Propagandabild kolossalen Gutmenschentums pflegen.

Was Raab, Gottschalk, ABBA und Madonna gemeinsam haben

27. Mai 2012, Pfingstsonntag: Nachdem diese Seite nun eindeutig als chaotischer Blog identifiziert ist, während das Prinzip "Ordnung" in der restlichen Website-Struktur allmählich zu seinem Recht kommt, kann ich ja ruhig drauflos schwätzen. Nicht unbedingt zur Bedeutung des großen christlichen Festes, die einer Mehrheit der Bevölkerung sowieso unbekannt, wenn nicht gar schnuppe sein dürfte, aber was mir so einfällt oder dieser Tage unter die Nase kam. Vielleicht genügt sogar ein Scherz: Wer oder was ist Raab? Ich stöbere gerade in einem Taschenbuch von Dan Burstein und Arne de Keijzer (Hrsg.) unter dem Titel Das Geheimnis der Maria Magdalena, das die Spekulationen (und stellenweise sogar Forschungsergebnisse) von etwa drei Dutzend Autorinnen und Autoren vereint. Da erklärt die Spezialistin Elaine Pagels, die 1982 als Professorin für christliche Frühgeschichte an die Princeton University kam, endlich die Bedeutung des Wortes Raab: Es ist der hebräische Ausdruck für "Geist"! Hat man noch Spucke? Der Sendetitel "Schlag den Raab!" bedeutet also allen Ernstes: Schlag den Geist! Möglicherweise hat das etwas mit seiner Unschlagbarkeit als Übermoderator zu tun? Das ist ja fast so gut wie der Name Thomas Gottschalk: der ungläubige Thomas (Thomas der Zweifler) als deutscher Unterhaltungspapst und Schalk Gottes? Thomas, Beiname Didymus (Zwilling), der angebliche Zwillingsbruder Jesu? Unbezahlbar, oder gibt es solche Namen an einem Geheimkiosk in der Unterhaltungsbranche für Geld zu kaufen?

Wer seinen Künstlernamen selbst erfindet, braucht für solche religiösen Anspielungen weder Glück noch Geld, sondern nur einen findigen Manager. Da fällt einem nicht nur Madonna ein, sondern auch die schwedische Popgruppe ABBA, was oberflächlich betrachtet für die Anfangsbuchstaben in den Namen der Sänger und Sängerinnen steht. Es dürfte fast allgemein bekannt sein, dass "Abba", aramäisch für "Vater", eine alte Anrede Gottes im Gebet ist, die vor allem von Jesus und im Urchristentum gebraucht wurde. Das Wort drückt warme Zuneigung und Vertrauen aus; später war es auch die Anrede von Klostervorstehern (= Äbten; sogar das engl. Wort abbot und das dt. Wort Abt gehen auf "Abba" zurück; syrische, koptische und äthiopische Bischöfe werden Abba genannt). Diese Bedeutungen sind dem Publikum analytisch weitgehend unbekannt, jedoch im Unterbewussten zweifellos wirksam. Vergöttern wir unsere Pop-Ikonen? Wir nennen sie nicht umsonst "Ikonen", denn Ikonen sind eigentlich Kultbilder der christlich-orthodoxen Kirchen, fest verankert im Glauben als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits. Man schreibt ihnen eine Wunderwirkung zu! Eine Wunderwirkung entfalten die Ikonen oder Icons freilich auch auf dem Bildschirm, wo sie als Piktogramme (Bildsymbole) den Zugang zu Computerfunktionen eröffnen. Wir sehen also, wie unsere Götter- und Himmelsgestalten allerorten ganz profan auf die Erde herabgeholt werden. Wir machen letzten Endes Götzen daraus; der Nachglanz aus früheren herrlichen Zeiten wird benutzt, um unser Vertrauen und unsere Verehrung zu steuern.

20. Mai 2012: Falls jemand meine spitze Zunge vermisst, während ich mit der Neuordnung dieser Website beschäftigt bin, empfehle ich den welt- und wirtschaftspolitischen Klartext von Prof. Dr. Hans Jürgen Bocker, siehe das Interview mit ihm (unten) auf der Rohstoffmesse in München am 4. November 2011 und andere Beiträge von ihm auf YouTube. Zum typi­schen Plan meines eigenen 9. Lebensjahrsiebents gehört naturgemäß eine Ordnung und dauerhafte Strukturierung der Werke, die Bestand haben sollen, sowie die Zusammenfassung des Wesentlichen, während auch die Frage auftaucht, in welchem Grade man sich an den Aufregungen dieser Welt überhaupt noch beteiligen sollte. Also kann ich ruhig ein paar andere Leute schimpfen lassen, denn eigentlich ist zum Thema der unterdrückerischen Wirtschaftspolitik und des globalen Weltstaat-Wahns sowieso fast alles schon gesagt. Man beachte den sprudelnden, blitzgescheiten Enthusiasmus der jungen Dame, die das Interview führt. Den können die alten Herren nicht mehr reproduzieren, und es hätte auch keinen Zweck. Aber zur ordnungsgemäßen Weiterleitung: Das hier vermittelte Interview entdeckte ich auf der Website Contracoma.

 

Das Schwein ist ein Molch

Kleine Expedition in die neumodernen Hintergründe des Wortes „pig“

26. April 2012: Wenn mich schon sonst nichts Weltbewegendes umtreibt, könnte ich hier zur Abwechslung mal ganz zweckfrei die Sau rauslassen, die rein sprachliche, versteht sich. Bezeichnete mich doch vor vielen Jahren ein Arbeitskollege als „Übersetzungs-Wildschwein“, ein Titel, auf den ich nach lautem Gelächter recht stolz war. Der Kommentar sollte ja keineswegs andeuten, dass ich schlecht, sondern dass ich so unmäßig viel übersetzte und über fachliche Aspekte auch in heftige Erregung geraten konnte. Über Verniedlichungsformen hingegen, wie etwa „Übersetzungsschweinchen“ oder gar „Übersetzungsferkel“, hätte ich mich bestimmt geärgert. Sollte die Bundeskanzlerin eines Tages in meinen Beruf überwechseln, wäre sie freilich ein Übersetzungsmerkel.

Was ein Schwein ist, „pig“ in der Grundbedeutung, wissen wir alle. Im Pipeline-Kontext kam mir gerade die Abkürzung „PIG“ unter die Nase. Obwohl dieser Ausdruck eine Abkürzung für „pipeline inspection gauge“, also ein Messgerät zur Inspektion von Pipelines sein soll, verwenden dänische Fachleute die Bezeichnung „gris“ = Schwein. Im Deutschen spricht man in diesem Kontext jedoch von Molchen! Da gibt es eine sehr umfangreiche Molchtechnik, und während englische Pipeline-Experten ihre „pigging“-Verfahren entwickeln, also kurz gesagt ihre Rohrleitung genüsslich „schweineln“, hat sich in der deutschen Fachwelt das Tätigkeitswort „molchen“ herausgebildet. Wie nett! (Im Übrigen ist „pige“ das dänische Wort für „Mädchen“, auch gebräuchlich für ältere oder gar alte Mädchen, aber das gehört nicht hierher und hat nichts mit rüsselschnaufenden, trüffelsuchenden, speckliefernden Quiektieren zu tun, und wohl auch nichts mit Rohrleitungen.)

Der Molch dient in Wirklichkeit nicht nur als Messgerät, sondern die unterschiedlichen Arten von „Nutzmolchen“ (im Ernst) werden auch zu Reinigungs-, Wartungs-, Druckproben- und anderen rohrinternen Zwecken verwendet. Und siehe da, das über 500 Seiten starke Handbuch Molchtechnik von Bernd Skerra (Hrsg.) geht näher auf den schweinischen Ursprung des Ausdrucks „pig“ ein: <Um die Bezeichnung „Pig“ rankt sich die Legende, dass [diese Geräte] beim Rohrdurchlauf durch das Voranschieben der Ablagerungen und die Reibung an der Rohrwand ein Geräusch machten, das an quiekende Schweine erinnerte. Als die Reinigungskörper am Rohrende wieder zum Vorschein kamen, eingehüllt in schwarzen Erdölschlamm, sahen sie ähnlich aus wie Schweine, die sich im Schlamm gesuhlt hatten. So entstand der international noch heute gebräuchliche Begriff „Pig“ (Schwein) für jenen Körper, der heute im deutschen Sprachraum als Molch bezeichnet wird.> Heißt es da.

Inzwischen gibt es Molche, die „sehen“, „sprechen“ oder „hören“ können, anderen wird gar nachgesagt, sie seien „intelligent“. Diese fallen unter den Oberbegriff „aktive“ oder „intelligente“ Molche. Nicht nur Pipelines, sondern Rohrleitungen aller Art können mit modernen Molchen bearbeitet werden. Die Rohrleitung muss allerdings molchgerecht ausgeführt sein. (Molchgerecht! Ich schmeiß mich kichernd in die Ecke.) Nun, damit wäre die Schweinefunktion, pardon, die in den Rohren rumorende Molchfunktion für uns Laien wohl hinreichend geklärt. Fröhlichen Donnerstag allerseits.

Kriegertum der Wortkämpfer und Entwaffnung des Rüstungslieferanten

3. April 2012: Ganz unleugbar ist das Kriegertum der unbeirrbaren Kritzler mit scharfer Feder und ätzender Tinte, oder das der Rhetoriker mit Mikrophonen und Radiosendern und großen Arenen voller Andersdenkender.

Dieweil ja die Mächtigen vor ihnen ebenso auf der Hut sind wie vor bewaffneten Oppositionellen und fremden Armeen; sie fürchten doch sogar ihre eigenen schieläugigen Leibwächter oder andere Spießbürger, die jederzeit den Spieß umdrehen könnten.

Dieweil auch die Schreiberei genauso den Schreiber Kopf und Kragen kosten kann, wie seine vermeintlichen oder wirklichen Widersacher als konkrete Folge des Wortgemetzels ihre Pfründe oder Bauchbepinslerinnen oder im Extremfall gar das Leben verlieren könnten. Da mache man sich nichts vor. Leider ist die heutige, faschismusschwangere Welt weder ein Kindergarten noch eine Schülerzeitung.

Man muss sich überlegen, worauf man sich einlässt. Wer überhaupt öffentlich etwas aussagt, riskiert grundsätzlich eine kesse Lippe, das gilt auch für Handke, Konsalik oder Karl May.

Übrigens bemerkten den Kriegercharakter des Wortkämpfers bereits die Alten Inder: sie stuften den Schriftsteller und wortgewandten Intellektuellen interessanterweise als Mitglied der Kriegerkaste ein!

Dafür könnte natürlich irgendwann ein hoher Preis gefordert werden, und wir leben in unsicheren Zeiten, sodass ich nicht sicher bin, ob diese Rolle nicht eher ein Fluch ist als ein Segen. Der Segen mag noch offenbar werden, wenn das hoffnungsvoll beschworene Große Erwachen wirklich stattfindet. Menschheit, erhebe dich von deinen Knien! Man trägt sein gut gewetztes Schärflein (sic!) dazu bei.

Und da wir gerade das Thema „Waffen“ streiften:

Zur wahren Situation in Deutschland gehört neben der Aussaugung durch das Finanz-, Öl- und Pharmakonglomerat mit Sicherheit auch die Rüstungsindustrie, denn unsere Waffenexporte zählen, an dritter Stelle nach Russland und USA, zu den größten der Welt, wie ich vor wenigen Jahren mal las. Und diese bösen Geschäfte treiben wir gleichzeitig mit der eigenen nahezu totalen Entwaffnung, wie blöd kann man noch sein? Als da oben bei Glücksburg neulich der große traditionelle deutsche Militärverbund mit mehreren tausend Marine- und sonstigen Truppen zur Auflösung verdammt wurde, wagte nur eine kleinere Zeitung die Frage zu stellen: „... und was ist jetzt, wenn die Russen kommen?“

Ich bin ja eigentlich meines Zeichens Pazifist und fand solche Sprüche immer ganz unbedarft, aber diese leichtsinnige Waffenlosigkeit, während Deutschland alle Welt mit vorzüglicher deutscher Ingenieursleistung bis an die Zähne bewaffnen hilft, könnte sich doch eines Tages als große Dummheit herausstellen. Was ist, wenn eines Tages auch nur die Wikinger kommen? Oder die Piraten? Ich rufe nicht die Preußen zurück, aber es liegt da im heutigen Charakter unserer Nation ein eklatanter Widerspruch.

Bildbeschreibung (zum Obigen): Ausbruch des Vulkans Mount St. Helens am 18. Mai 1980. Foto: United States Geological Survey, Cascades Volcano Observatory (public domain). Zahlreiche weitere Fotos vulkanischer Urgewalten siehe USGS.

Gustave Caillebotte (18481894), Straße in Paris an einem regnerischen Tag (Rue de Paris, temps de pluie) (1877)

Rettungsschirm-Frechheit und Matrix-Durchbrechung

31. März 2012: Diese Rettungsschirm-Machenschaften sind ja dermaßen krass, dass wir schon ganz taub und abgestumpft sind und gar nicht mehr merken, was für Unverschämtheiten da kaltblütig begangen werden, definitiv nicht im Interesse Deutschlands und eindeutig als Griff in unsere Portemonnaies für eine sehr lange Zeit und mit immer höheren und immer unvorhersehbareren Beträgen. (ESM = „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ ha!)

Totally IN YOUR FACE, man! (Ein unverblümter Schlag ins Gesicht!) Man beachte im folgenden Zitat vor allem den Satz: „Können andere Euro-Staaten nicht zahlen, wird auch Deutschland teilweise deren Anteil der Zuzahlung übernehmen müssen.“ HEY das hatten wir bis jetzt gar nicht gewusst wieder einmal ein paar hundert nichtexistente Milliarden mehr, einfach so durch Nebensatz und Federstrich??!!! Unbegrenzt, unwiderruflich, ohne Einspruchs­möglichkeit und ohne Verantwortung? Mehrheitlich durch Vertreter anderer Länder entschieden, die evtl. selbst nicht zahlen wollen oder können und die ganze Last demzufolge auf Deutschland abwälzen können??!!!!! Wer rettet nachher uns Deutsche? Da die Politiker sich ständig so benehmen, als müssten sie vor den Bankiers katzbuckeln („Wir müssen das Vertrauen der Finanzmärkte wiedergewinnen“, wie Frau Merkel gern demütig murmelt), haben wir damit die Finanzdiktatur etabliert.

Denn so beschreibt es heute sogar eine eher konservative Zeitung (WELT online):

<ESM kann gegen deutsche Stimme Geld abrufen>

<In der ersten Phase werden 80 Milliarden Euro eingezahlt. Sollte schnell mehr Kapital von Nöten sein, um etwa Staatsanleihen eines Euro-Risikostaates zu kaufen, kann der Gouverneursrat mit einfacher Mehrheit, also gegen die Stimme Deutschlands, das nichteingezahlte Aktienkapital von vielen hundert Milliarden Euro jederzeit innerhalb von sieben Tagen "unwiderruflich und uneingeschränkt" (Artikel 9) anfordern. Können andere Euro-Staaten nicht zahlen, wird auch Deutschland teilweise deren Anteil der Zuzahlung übernehmen müssen.

Das ESM-Staatsfinanzinstitut braucht weder eine Banklizenz noch unterliegt es irgendeiner Jurisdiktion. Totale Immunität wird für alle Finanzminister im Gouverneursrat, Direktoren und Mitarbeiter garantiert. Keine Staatsanwaltschaft in der EU ist berechtigt, Räumlichkeiten zu durchsuchen oder Anklage gegen Einzelpersonen zu erheben. Damit ist ein deutscher Bundespräsident sichtlich schlechter gestellt. Damit steht der ESM außerhalb demokratischer Kontrollen und abendländischer Grundprinzipien.> Quelle:
http://www.welt.de/finanzen/article106142019/ESM-kann-gegen-deutsche-Stimme-Geld-abrufen.html

Genau wie bei den amerikanischen Notstandsgesetzen per Federstrich des Präsidenten, die immer krassere Formen annehmen, wird uns sicher erzählt werden, dass man von den horrenden „Extremen“ der Interpretationsmöglichkeiten natürlich keinen Gebrauch zu machen gedenkt. Wenn aber ein deutscher Bundespräsident sich leise mahnend gegen die bodenlose „Rettungsschirm“-Entwicklung ausspricht, wird er gnadenlos der Meute zum Fraß vorgeworfen, aber sehr viel leiser geht der Milliarden-Klau vonstatten, ja was sage ich, der Billionenklau. Und würde ein amerikanischer Präsident nicht wie ein gehetztes Reh vor seinen diktaturgeilen Hintermännern kuschen, dann dürfte ihm das Gleiche passieren, nur eben mit den üblichen Mitteln der amerikanischen Knallkultur.

Nun fehlt nicht mehr viel, dann heißt es „Schachmatt!“ Ungefähr wie in dem Film „Independence Day“, wenn die Aliens all ihre Raumschiffe in die geeignete Position über unseren Hauptstädten gebracht haben. Die Aufstellungen für die totale Machtübernahme sind fast perfekt vorbereitet.

Wer sich über die amerikanische Szene und den weltweiten machtpolitischen und spirituellen Hintergrund auch einmal aus englischsprachiger Quelle informieren kann und möchte, der sei auf das brillante Gespräch zwischen den zwei gigantischsten antiglobalistischen Obermotzern Alex Jones und David Icke vom 29. März 2012 verwiesen. Siehe das YouTube-Video David Icke - "This is not a bloody game".

Alex Jones ist der kratzige, politisch ansetzende Amerikaner, David Icke der melodische britische Esoteriker, beide inzwischen mit einem weltweiten Millionenpublikum. Die ergänzen sich gut, die beiden. (Den Namen „Icke“ spricht man „eik“ aus, wie wenn er auf Englisch „Ike“ geschrieben wäre, und der Typ hat einen ganz besonderen Durchblick.)

Da ist bei Icke unter anderem von der „Consciousness“-Ebene die Rede, die sich oberhalb der Ebene des physisch-biologischen Intellekts befindet, wobei der Intellekt die 5 Sinne und die ganze elektronische und DNA-Struktur als eine Art Signalempfänger einschließt, der die Erkenntnisfähigkeit der Menschen enorm einengt und sie von der Propaganda und allerlei Wellenmanipulationen abhängig macht. Damit hätten wir jedermanns persönliches gedankliches Gefängnis und seine Abhängigkeit von einer aufoktroyierten Realitäts-Matrix erklärt. Diese Einengung kann jedoch durch Entwicklung zu einem geistigen Bewusstsein durchbrochen werden, das von den kruden Energiemustern unabhängig ist und eine direktere, viel klarere Erkenntnis ermöglicht. Dann kann man Dir nichts mehr vormachen! Mit anderen Worten, wer bist Du: ein bloßes maschinelles Energieknäuel oder ein freies nichtmaterielles Wesen?

Das hat auch viel mit dem Wert der Intuition und eines Anschlusses an eine höhere spirituelle Ebene zu tun, wie etwa je nach Ihrer religiösen Ausrichtung durch eine Hinwendung zum Heiligen Geist, Meditation, Gebet, die Erkenntnis und Auflösung belastender Geschehnisse, aufbauende Lektüre, Zeiten des Abschaltens oder einfach einen festen Glauben an Gott. Damit sind Sie einigermaßen gefeit gegen die widerwärtig wuchernden Einflüsse des Bösen, die auf allen Kanälen ein erschütterndes Maß an Wahnsinn suggerieren, verherrlichen, vorspiegeln und implantieren und systematisch die einst hart erkämpfte Freiheit und den Humanismus untergraben.

Eine solche Bemühung, besonders die jüngere Generation durch irrationale Suggestion reptilisch-eiskalt und gnadenlos zu machen, ist ein neuer Film, der im Original The Hunger Games (Hungerspiele) heißt und fürs deutsche Publikum natürlich unter dem gebildet anmutenden Titel Die Tribute von Panem vermarktet wird. So eine Art Gladiatorenspiele in einer postapokalyptischen  Diktatur, bei denen sich alljährlich 24 Teenager gegenseitig niedermetzeln müssen, bis nur noch einer übrig bleibt. Für diesen Film sollte man meines Erachtens eine allgemeine Satanismus-Warnung herausgeben, weil die Bevölkerung mit unterschwelligen Mitteln auf totale Herzlosigkeit, Lieblosigkeit, Grausamkeit, Mordbereitschaft und Gottlosigkeit programmiert werden soll. Es geschieht wohl nicht von ungefähr, dass eine trübselig dahindümpelnde Filmgesellschaft plötzlich 90 Millionen Dollar in die Produktion eines solchen Machwerks investieren kann. Wahrlich, die Schweine sind zur Zeit auf dem Vormarsch, aber es steht zu hoffen, dass das Allgemeine Erwachen ihnen am Ende doch einen Strich durch die Rechnung machen wird.

Übrigens zeigen sich in den neueren Notstands- und Mind-Control-Berichten interessante Parallelen zwischen der politischen Entwicklung in den USA und der diktatorischen Entwicklung, die auch andere gesellschaftliche Bereiche wie zum Beispiel eine Religion erfassen kann, denn der geschickt manipulierte Zeitgeist frisst sich sogar dort fest, wo man es nie erwartet hätte ... nun, das wäre allein schon genug Stoff für jahrelange Recherchen und ganze Bücher.

20. März 2012: Kurze Notiz nach längerer Pause, damit keiner denkt, ich wäre von der Bildfläche verschwunden. Nein, nur die anhaltende Auftragsschwemme, die mir im ersten Quartal dieses Jahres als Übersetzer zuteil wird, besonders aus Skandinavien, verlangt volle Aufmerksamkeit und was an Kräften sonst noch in Bauch und Hirn ruht. Die Weltgeschichte mag unterdes dahintrödeln, wie sie will. Sie verliert seltsamerweise an Ernst, wenn sie weniger beachtet wird. Und es kann auch nicht schaden, wenn erst einmal die eigene Kasse stimmt, egal ob das Geld mit Reklame für Betonplatten, Kindermöbel oder Prellböcke verdient wird. Dann hat der alte Ketzer später wieder umso mehr Zeit zur freien Entfaltung. Aktuell wollte ich kurz auf neue Informationen und Spekulationen zum Thema "Schurkenplaneten" hinweisen: Das große Mysterium der vagabundierenden Planeten (WELT online vom 20. März 2012). Die Astronomie durchläuft während der letzten ein, zwei Jahrzehnte eine rasende Entwicklung. Das Weltall wird immer schneller mit Objekten bevölkert, die man in dieser Anzahl und Artenvielfalt vor zwanzig Jahren für sehr unwahrscheinlich gehalten hätte. Mit diesem Verweis knüpfe ich natürlich an meinen eigenen Scherzartikel vom 19. Mai 2011 unter dem Titel "Ich, Schurkenplanet" an (siehe weiter unten auf dieser ausufernden Blogseite). Es ist doch interessant, nun zu hören, dass diese ungewöhnlichen "vagabundierenden Nomadenplaneten" nach neuesten Berechnungen etwa 2 Prozent der planetarischen Himmelspopulation ausmachen sollen. Das ist ja fast wie im wirklichen Leben. Jetzt brauchen da oben nur noch Gurken zu wachsen, dann sind es nomadisierende Gurkenplaneten. Wer hätte das gedacht? Die Entfernung zum Gauckplaneten dürfte dennoch ganz erklecklich sein.

So gehet denn hin und lasset sie beichten,
die Unbotmäßigen, Unzufriedenen, Freidenker allesamt
und schwer infiziert mit dem Virus der Logik,
dem tückischen Wahrheitsanspruch all dessen,

was selbst beobachtet wurde,
die störrischen Sklaven des eigenen klaren Denkens,
o eklige Masse aus lästernden Zungen

und kritzelnden Fingern
mit allzu geduldigen Tafeln aus trockenem Schafskot
und allzu willigen Monitoren mit flüssigkristallenen Schirmen,
Ketzer zuhauf und alle zum qualvollen Tode bestimmt
dereinst auf schaurigen Scheiterhaufen,
wenn Dogma sich endgültig durchsetzt ...
Doch bis wir zu diesem letzten Fanal uns erdreisten,
mögen sie zitternd stundenlang stehen
in stinkenden großen Müllcontainern,
umringt von brüllenden Artgenossen,
faschistisch erniedrigt von lachhaft entarteten Mönchen,
im gnadenlosen Gruppenfick durch selbstgerechte Kollegen
begossen mit kaltem Wasser,

bemalt mit höhnischen Leuchtstiften,
bis schließlich das falsche Geständnis in höllischer Not
hinausgeschrien wurde zum teilnahmslos brennenden Himmel,
und krass sei der Undank für alle erhabnen Verdienste,
nichts möge gelten von all den früheren Leistungen,
Recht und Ordnung lasst fahren dahin

im Namen geheiligter Kollektive,
bis alle ehemals Sanften in bittere Krokodile,

in Geier und blutrünstig dumme Gespenster
verwandelt sind und für immer verschweigen die tödliche Not
ihrer grausam geprügelten, heillos betrogenen Seelen.

― Eckehard Junge, 10. Februar 2012

Kirchenvater Augustinus und der Teufel

Gemälde von Michael Pacher (ca. 1435–1498)

3. Februar 2012: Eigentlich bleibt die "Klimalüge" reine Polemik, denn ich verfüge weder über die weltweit verteilten Messgeräte noch über die globalen Messdaten, um die Situation als Ganzes beurteilen zu können, und auch die Stichhaltigkeit der wissenschaftlichen Modelle bezüglich Klimaerwärmung oder Eiszeitgefahr ist nur schwer zu ermitteln. Trotzdem, oder gerade wegen der Unsicherheit, ist eine Zeichnung wie die nebenste­hende natürlich komisch, vor allem wegen der Schadenfreude. Unterdessen hofft man auf den gesunden Fortbestand des Strom- und Heizungsnetzes und hortet ein bisschen Futter, für den Fall, dass es dort draußen ein paar Tage lang gar zu garstig wird. Was ist jetzt eigentlich aus der Finanzkrise geworden? Ich persönlich habe Hochkonjunktur, schon fast mehr Übersetzungs­aufträge als ich erledigen kann. Hm ... allerdings zum größten Teil aus Skandinavien. Die Kenntnis jener exotischen Sprachen erweist sich als wirtschaftlich vorteilhaft. Im kleinen Rahmen, aber immerhin. In diesem Sinne, wie die Dänen mit ihrer hintergründigen Ironie zu sagen pflegen: "Gute Arbeitslust!"

„Die Menschen stolpern gelegentlich über die Wahrheit, aber die meisten rappeln sich wieder auf und eilen davon, als wäre nichts geschehen.“ ― Winston Churchill

 

Vorsicht: Grimmiger alter Knacker!

26. Januar 2012: Hier ist jetzt erst einmal Sendepause, hauptsächlich wegen guter Auftragslage als Freiberufler, das ist gut für die Kasse, aber ernüchternd für die Phantasie und braucht natürlich auch seine Zeit. Bevor ich also Stuss rede, nur um das Internet weiter anzufüllen, gebe ich lieber zu, dass momentan wenig zu sagen ist, und erinnere einstweilen an mein programmatisches Sinngedicht Vom Segen und Fluch der Großen Idee.

Was ließe sich dieser Tage auch zum bereits Gesagten noch hinzufügen? Besser, ich kümmere mich um meinen eigenen Kram. Denn da kein Schwein wirklich Lust auf einen Krieg hat, sollte man einen solchen wohl kaum an die Wand malen. Im Übrigen kleben die Leute an ihren Illusionen wie Schiffbrüchige am Rettungsring, und wer würde sie ihnen nehmen wollen? Erbarmen!

Denn siehe, auch die an Land Gebliebenen haben es schwer: Mit halbleeren Tippex-Flaschen schleppen sie sich von Laternenpfahl zu Laternenpfahl und übermalen die Widersprüche, vor denen sie nicht länger die Augen verschließen können, nur mühsam mit stinkendem Weiß. Seitwärts in den Graben gekippt sind bereits all jene, denen die Tünche ausging, all jene, die plötzlich die nackten Pseudofakten des kosmischen Kaspertheaters sahen, die merkelwürdige Alternativlosigkeit der Sachlage zu erkennen glaubten und in die Einbahnstraße der „wirklichen Welt” gerieten: das heißt, in den übergeordneten allgemeinen Oberwahn hinein, das Endstadium der irdischen Hypnosesitzung, zu langweilig, zu trostlos, zu nüchtern, zu korrupt, um weiterzumachen ... und wo sind, bitteschön, die Engel geblieben? Haben sie sich in der niemals leer werdenden Pornokiste versteckt, im Internet? Oder schweben sie nahezu gleichgültig oben im Himmel?

Wo ist er denn, der Himmel? Wo ist oben? Ist oben da, wo für die Australier oben ist, oder ist es da, wo für die Europäer oben ist? Ist oben da, wo nachmittags um drei oben ist, oder ist auf einem sich drehenden Globus oben da, wo morgens um vier oben ist? Ist der Himmel  nicht eher ein Zustand, eine ganz andere, uns unsichtbar überlappende Dimensionskiste, oder gar ein anderes Universum, ein völlig anderes Raum-Zeit-Kontinuum ohne jeden Bezug zu unserem „hiesigen” Realitätsgefüge? Oder nur eine sinnreiche Erfindung der Priesterkaste in Kollaboration mit verzweifelten Fürsten? Wie würden Sie  es machen? Wie würden Sie die Aufgabe lösen, eine amoralische oder potenziell aufbegehrende Bevölkerung an der Kandare zu halten, wenn nicht mit Himmel und Hölle?

Nun habe ich gerade den Ausdruck „an der Kandare halten” [jemanden unter Kontrolle halten, sich jemandes Gehorsam versichern] bei www.redensarten-index.de nachgeschaut und dort den wundervollen Beispielsatz gefunden: Der Glaube dient als Druckmittel gegen den glaubenden Menschen, der von der Existenz der heiligen und göttlichen Gestalten überzeugt ist, um ihn an der Kandare zu halten, ihn einzuschüchtern und sein Ausbrechen aus dem bewusstseinsmäßigen Gefängnis des Nichtdenkens und der unterdrückten Selbstverantwortung zu hindern. Leider steht nicht dabei, von wem dieser prächtige Satz stammt, der natürlich eine ergiebige Grundlage für neue, endlose Diskussionen böte. Immanuel Kant, Karl Marx oder George Bernard Shaw? Mitnichten! Als Quelle des Zitats erweist sich nach kurzer Internet-Suche eine freidenkerische Website namens Freund der Wahrheit, und der Autor ist offenbar ein gewisser Achim Wolf. „Wolf” ist schon mal gut. Die Wölfe sollen ja in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sein.

Um den Glauben als Druckmittel einsetzen zu können, müsste der Glaube sich allerdings von außen aufoktroyieren lassen; jedoch im Wesentlichen kommt der Glaube natürlich von innen, und falls er nur von außen eingetrichtert wurde, kann er auch relativ leicht verworfen werden. Wenn man selbst denkt und glaubt. Und sofern man überhaupt weiß, was man angeblich glaubt: denn wer erinnert sich schon genau an den „eigenen” Katechismus!? Und wer orientiert seinen Glauben an den Behauptungen institutionell eingesetzter Glaubenswächter? Bestimmt denn beispielsweise der Präfekt der Glaubens­kongregation, wirklich und wahrhaftig, was Katholiken glauben? Kann er das, oder ist dieser Anspruch von vornherein vermessen?

Gehen Sie ruhig in die Kirche, aber hören Sie ausnahmsweise genau hin, was dort eigentlich gesagt wird! Man öffne seine Ohren, aber ohne sich verblöden oder verarschen zu lassen. Gott und die Engel können Sie sich auch unabhängig aus der Mitte Ihrer Seele heraus interpretieren, dafür brauchen Sie keinen Mittler. So viel dazu. Bald plaudere ich möglicherweise mehr aus, weil da noch mancherlei brodelt, oder vielleicht auch gar nichts mehr, weil es zweckmäßiger sein könnte, ein Buch zu schreiben oder die Klappe zu halten. Was ich schon alles hingekritzelt habe, kann in historischer Echtheit so stehen bleiben. Datenspeicher bestehen zwar aus Trillionen wackelnden Elektronen, aber wie durch ein Wunder, das allein auf unserem technischen Glauben beruht, sind sie erstaunlich haltbar und geduldig. Ich kann es wohl nicht lassen. Mag sein, dass ich heute nun wirklich nur Stuss geschrieben habe: quod erat demonstrandum.

Rohes neues Jahr

10. Januar 2012: Wenn ein gigantisches Medienspektakel mit sehr viel Lärm um sehr wenig Inhalt wochenlang aufrechterhalten wird, dann können Sie sicher sein, dass woanders viel Wichtigeres geschieht, von dem Sie abgelenkt werden sollen. Während bei uns Deutschen unablässig mit größter Vehemenz das Staatsoberhaupt demontiert wird, unser ranghöchster Vertreter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, weil er sich gelegentlich ein bisschen begünstigen ließ, vollzieht sich in den Vereinigten Staaten eine beispiellose Aushebelung des Rechtsstaats durch immer weiter vorangetriebene Notstandsgesetze. Sehen Sie dazu die sehr informative BüSo-Seite Obama unterzeichnet "Ermächtigungsgesetz". Dass der Kongress diesen Vernichtungsfeldzug gegen die Grundrechte bereits mit großer Mehrheit abgesegnet hatte, spricht Bände. Und während wir Deutschen uns verwundert die Augen reiben, weil wir vier Wochen lang nichts wesentlich anderes zu hören bekommen als die eskalierende Wulff-Verdammung, ist in einem anderen Winkel der Welt ein potenziell sehr tödlicher Aufmarsch im Gange, der eigentlich Millionen friedliebende und lebenswillige Menschen zu Protestdemonstrationen auf die Straßen treiben sollte, wenn sie nur täglich darüber informiert würden: ich meine das verantwortungslose Säbelrasseln einiger Großmächte (USA, Russland, Frankreich, Großbritannien) vor der Küste des Irans und Syriens.

Am 3. Januar drohte der Iran, der ja seit langem hinreichend provoziert wurde, mit nicht näher bezeichneten Maßnahmen, falls der US-Flugzeugträger USS Stennis durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf zurückkehrt. Die USS Stennis war am 28. Dezember durch diese Meerenge hinausgefahren, um sich möglichst nah in der Umgebung eines iranischen Marine-Manövers aufzuhalten. Am 31. Dezember kündigte der Iran die Erprobung einer Langstreckenrakete über die Straße von Hormus an, was den Schiffsverkehr für fünf Stunden lahmlegte. Die Rakete wurde nicht abgefeuert und der Test angeblich vertagt, aber es war eine interessante Machtdemonstration. Am 2. Januar markierte die iranische Marine den letzten Tag ihres Hormus-Manövers, indem sie Land-See-Raketen der Typen Qader und Nour abfeuerte. Die "Qader" wird von den Iranern als ein Marschflugkörper (Cruise-Missile) beschrieben, der große amerikanische Flugzeugträger mit einem einzigen Schlag vernichten könne. So dargelegt von DEBKAfile, http://www.debka.com/article/21615/. Diese zwar akribisch berichtende, aber offensichtlich kriegsgeile und aus angeblichen Geheimdienstquellen gespeiste israelische Website feuert die US-Regierung schon regelrecht zum Handeln an: Es sei "schwer vorstellbar, dass sich die Obama-Regierung der ultimativen Herausforderung Teherans gegen die Freiheit dieses überaus wichtigen internationalen Seeweges beugen wird": Eines Seeweges, über den immerhin ein Fünftel des internationalen Exportöls verschifft wird. Die USS Stennis oder ein anderes amerikanisches Marineschiff, meinen die DEBKAfile-Kriegstreiber am 3. Januar, müsse nun bald "durch die Straße von Hormus geschickt werden, um den Kontrollanspruch des Irans auf die Probe zu stellen". Weitere amerikanische Kriegsschiffe dümpeln bereits in der Gegend herum. Erzeugt wurde die Situation vor allem durch den stetigen militärischen Druck der USA auf den Iran.

Unterdessen legte am 1. Januar der einzige russische Flugzeugträger Admiral Kusnetzow mit großem Pomp in der syrischen Hafenstadt Tartus an. Der syrische Marinekommandant Dawoud Rajha wurde auf dem Deck der Kusnetzow von einer Ehrengarde russischer Marineinfanteristen empfangen, während russische Kampfbomber der Typen Su-33 und Su-25 darüber hinflogen. (Quelle: DEBKAfile vom 9. Januar 2012, zitiert auf PrisonPlanet.com.) Die israelischen Kommissköppe interpretieren dies als "ein Signal, dass Moskau bereit ist, dem Assad-Regime gegen jede etwaige militärische Inter­vention des Westens den Rücken zu stärken, sowie als unterstützende Geste für die Zusammenarbeit zwischen Syrien und Iran in deren Operationsplänen". Mit der Kusnetzow trafen auch der russische Zerstörer Admiral Tschabanenko und die Fregatte Jaroslaw Mudry im syrischen Hafen Tartus ein. Frankreich schickte den Luftverteidigungs-Zerstörer Forbin in die Gewässer vor Tartus. Schon am 23. November war der US-Flugzeugträger USS George H.W. Bush vor der syrischen Küste eingetroffen. Außerdem sollen sich in den letzten 48 Stunden die westlichen Marinestreitkräfte gegenüber dem Iran im Persischen Golf und im Arabischen Meer weiter aufgebaut haben, um gewappnet zu sein, falls Teheran seine Drohung wahr macht, die Straße von Hormus zu schließen. Die Briten haben in den Golf von Oman die HMS Daring entsandt, einen Typ-45-Zerstörer mit neuer Technologie, um feindliche Raketen herunterzuholen, und gleichzeitig soll dann auch der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle ankommen. (Ebd.) Guckst du.

Eigentlich halte ich nichts weiter von "militärischer Berichterstattung", weil die bloße Erwähnung dieser Dinge schon eine allzu tiefe Verbeugung vor der sogenannten "Wirklichkeit" darstellt, einen Kotball aus dem Reich der zu jeder Schweinerei entschlossenen Strelnikows und Voldemorts.  Ich wollte nur aufzeigen, dass wir hierzulande mit einer wässrigen Dauerberichterstattung über die günstigen Sonder-Zinssätze eines mittlerweile nach oben gehievten Ministerpräsidenten eingelullt werden, während in den USA immer krasser das Kriegsrecht eingeführt wird und im Nahen bis Mittleren Osten mal wieder die irren Großmarionetten konkret das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel setzen - vielleicht auch unser eigenes -, damit irgendwelche Super-Abzocker in der Billionenklasse wie üblich ihre Schäfchen ins Trockene bringen können, ungeachtet der potenziell in alle Richtungen sprühenden Fleischfetzen des Fußvolks und des Blutverlustes der schwer geplagten Normalverbraucher. So kann es doch kommen, oder? Also ist ein bisschen Volkszorn zur rechten Zeit vielleicht angesagt. Entscheiden Sie selbst.

Für die Freiheit des Glaubens und die Freiheit des Unglaubens,

die Heiligkeit der Liebe und die Freiheit des Auspfeifens,

die Macht der Seele und die Freuden des Nachforschens,

die Freiheit des Engagements und das Recht auf Eigenbrötelei,

die Unbestechlichkeit der Beobachtung und den Glanz höherer Welten.

Im Übrigen Kopf hoch und nicht verarschen lassen!

Raffaels Engelsbild anklicken für Celine Dion, The Power of Love

 

tumblr stats